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Opel verliert mehr als die Hälfte des Absatzes – und schreibt trotzdem schwarze Zahlen

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Der PSA-Konzern hat im ersten Halbjahr 2020 trotz der Corona-Krise einen Gewinn eingefahren. Dazu trug auch die Unternehmenstochter Opel bei. Und das, obwohl ihre Absatzzahlen im Branchenvergleich besonders heftig eingebrochen sind.

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Opel-Chef Michael Lohscheller.
Opel-Chef Michael Lohscheller.
(Bild: Opel)

Ungeachtet eines coronabedingten Einbruchs bei Umsatz und Gewinn hat der Opel-Mutterkonzern PSA im ersten Halbjahr schwarze Zahlen geschrieben. Die Sparte mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall trug mit 111 Millionen Euro zum Betriebsergebnis des Konzerns bei, wie PSA-Finanzvorstand Philippe de Rovira am Dienstag sagte. „Opel war in der Lage, seine Widerstandsfähigkeit zu zeigen“, resümierte Konzernchef Carlos Tavares in einer virtuellen Konferenz mit Journalisten und Analysten.

Die Franzosen mit den Stammmarken Peugeot und Citroën hatten wegen der Corona-Krise im März die Produktion in 15 Autowerken, darunter auch bei Opel, gestoppt – und ab Mai wieder schrittweise hochgefahren. „Wir haben nicht nach Staatsgarantien gefragt“, sagte Tavares. Er setzte sich damit deutlich ab vom heimischen Konkurrenten Renault, der wegen Finanzproblemen nun auf einen staatlich garantierten Kredit von fünf Milliarden Euro zurückgreifen kann.

Vor der geplanten Fusion mit dem italienisch-amerikanischen Hersteller Fiat Chrysler (FCA) mit den Marken Fiat, Jeep, Alfa Romeo, Abarth, Dodge und Maserati signalisierte Tavares, auf Bedenken der Brüsseler EU-Wettbewerbshüter einzugehen. „Falls wir irgendetwas lösen müssen, werden wir es lösen“, sagte der als knallharter Sanierer bekannte Manager auf eine entsprechende Frage. Er soll Vorstandschef des neuen Konzerns werden, der Stellantis heißen soll.

Brüssel hat Einwände

Die EU-Wettbewerbshüter hatten vor gut einem Monat Bedenken geäußert und eine vertiefte Prüfung des Deals eingeleitet, die ursprünglich bis zum 22. Oktober dauern sollte. Eine Sprecherin der Behörde bestätigte nun, dass die Frist ausgesetzt wurde. Der Grund blieb zunächst offen. Oft setzen die Beamten Fristen aus, um weitere Informationen von den Firmen einzuholen. Nach Brüsseler Einschätzung hätte der neue Konzern im Segment der Lieferwagen bis 3,5 Tonnen in vielen Ländern hohe Marktanteile. Die EU-Behörde wacht über den freien Wettbewerb in Europa.

„Ich sehe kein Risiko für die Verbraucher“, sagte Tavares mit Blick auf den Lieferwagenmarkt. Die Kommission habe Fragen, das sei völlig normal. Es sei aber zu früh zu sagen, ob die Bedenken der Wettbewerbshüter „materielle Konsequenzen“ haben könnten. Um grünes Licht für einem Zusammenschluss zu geben, hat die Kommission die Möglichkeit, von den beteiligten Unternehmen Zugeständnisse wie Spartenverkäufe zu verlangen, um die Verbraucher zu schützen.

PSA und FCA hatten ihre Fusion im Dezember beschlossen. Damit soll der viertgrößte Autohersteller der Welt entstehen. Tavares bestätigte den Plan, die Fusion bis spätestens Ende März 2021 abzuschließen.

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