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Polestar 2: Emanzipation in Optik und Vertrieb

| Autor / Redakteur: sp-x/jm / Andreas Grimm

Der Polestar 2 ist die europäische Antwort auf den Tesla Model 3. Das schwedische Performance-Modell fährt rein elektrisch – und das über eine ordentliche Strecke. Für den stationären Vertrieb startet in diesen Tagen der erste „Polestar Space“.

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Polestar bringt sein zweites Modell auf den Markt. Der Polestar 2 ist vollelektrisch angetrieben.
Polestar bringt sein zweites Modell auf den Markt. Der Polestar 2 ist vollelektrisch angetrieben.
(Bild: Dino Soldin/Polestar)

Polestar? Dieser Name dürfte bislang nur wenigen Autofahrern ein Begriff sein. Polestar war einst die Tuning-Tochter von Volvo. Nun ist sie die Elektromarke des schwedischen Autoherstellers – und beginnt sich zu emanzipieren. Auf das seit vorigem Jahr verkaufte, recht exklusive Plug-in-Hybrid-Performance-Coupé Polestar 1 folgt jetzt der Wechsel zum ersten vollelektrischen Modell: dem Polestar 2. Für die nächsten Jahre stehen noch ein SUV sowie ein Grand Tourer auf dem Plan. Für deren Namen braucht es nicht viel Fantasie: Polestar 3 und Polestar 4.

Auch im Handel startet die Emanzipation von der Mutter Volvo. Derzeit gibt es weltweit 19 sogenannte Polestar-Spaces. Der 20. und zugleich erste Standort in Deutschland öffnet seine Pforten am 21. August – pünktlich zum Marktstart des Modells Polestar 2. Betreiber des ersten deutschen Stores ist die Moll-Gruppe. Der Düsseldorfer Mehrmarkenhändler, der insgesamt zehn Fabrikate vertreibt, darunter auch Volvo, siedelt den jüngsten Polestar-Space direkt in ihrer Firmenzentrale in der Berliner Allee an. Weitere sechs Spaces in anderen deutschen Städten sollen bis Jahresende folgen.

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Gleichwohl will Polestar im Vertrieb moderne Wege gehen. Wer das Modell kaufen möchte, muss nicht googeln, wo sich der nächste Polestar-Showroom befindet. Selbst wenn der Moll-Standort eröffnet hat, wird man dort keinen Polestar 2 bestellen können. Das geht ausschließlich online. Die Spaces dienen ausschließlich der Beratung und der Probefahrt. Wer aber derzeit bestellt, so steht es derzeit auf der Website geschrieben, könnte sein E-Auto im November vor der Tür haben.

Mit dem Polestar 2 positionieren sich die Schweden im Segment der Mittelklasse-Limousinen. Hier gibt bislang einzig Tesla mit dem Model 3 den Ton an. Erst nächstes Jahr wird BMW mit dem i4 hinzukommen. Eine günstige Gelegenheit also für Polestar, sein Modell erfolgreich zu vermarkten. Die sogenannte Launch Edition kostet 56.440 Euro. Nach Abzug der Umweltprämie (5.000 Euro vom Staat und brutto 2.500 Euro vom Händler) steht der Polestar 2 damit für 48.940 Euro vor der Tür.

Kein schlechter Einstand, zumal die Limousine dafür reichlich exklusiv und üppig ausgestattet ist. Unter der 4,61 Meter langen Fließheck-Karosserie stecken zwei Elektromotoren mit zusammen 300 kW/408 PS Leistung. Dass daraus eine tolle Fahrdynamik resultiert, wird auch ohne Nobelpreis in Physik klar. Der Polestar 2 fährt sich in der Tat exzellent, geschmeidig und leise, so wie es prinzipiell alle Performance-Elektroautos tun. Das Ansprechverhalten ist direkt, es geht, bedingt durch die sofort zur Verfügung stehenden 660 Newtonmeter Drehmoment, unnachgiebig nach vorn. Der Wert 4,7 Sekunden von null auf 100 km/h drückt leider nicht annähernd aus, wie sehr man in die Polster gedrückt wird.

Wer den Polestar 2 in solch sportlicher Manier rannimmt, hat zwar eine Menge Fahrspaß, darf sich aber nicht wundern, dass der Akku mit seinen 78 Kilowattstunden deutlich schneller in die Knie geht als einem lieb ist. Nach dem WLTP-Zyklus soll die immerhin 2,1 Tonnen schwere Fließhecklimousine 470 Kilometer schaffen. Für den Stadtverkehr verspricht Polestar sogar 560 Kilometer, weil hier sehr oft abgebremst wird und so die beiden Elektromotoren Strom rekuperieren können.

Gleich- und Wechselstromladen

Das Lademanagement haben die Schweden professionell gelöst. Am Gleichstrom-Schnelllader (CCS) können bis zu 150 kW in die Batterie fließen. Nach 40 Minuten wäre der Energiespeicher damit zu 80 Prozent gefüllt. Am Wechselstrom-Kabel verdaut der On-Board-Lader dreiphasig elf kW, heißt: voll über Nacht.

Das klare und reduzierte äußere Design versucht Polestar auch im Innenraum zu verwirklichen. Hier dominiert der senkrechte, freistehende Bildschirm in Armaturenbrettmitte und erinnert zwangsläufig an das Model 3 von Tesla. Optisch störend wirkt da nur die wuchtige und hohe Mittelkonsole. Sie vereitelt dem Polestar 2 eine gewisse Leichtigkeit und engt das Raumgefühl unnötig ein. Hier hätten die Designer, passend zum Elektroantrieb, ruhig progressiver vorgehen können.

Dafür geht es umso cooler in der digitalen Welt zu. Der Polestar 2 ist weltweit das erste Auto, dessen Infotainment-System auf Google Android basiert und somit eine nahtlose Anbindung an Google-Dienste wie Google Maps und den Google-Assistant bietet. Ein „Hallo Google“ reicht, um sprachlich zu kommunizieren. Im Testwagen klappte die Verständigung perfekt, egal um welches Thema es sich handelte: Navigation, Ladesäulen suchen oder Musikwünsche äußern. Stereotypische Formulierungen sind nicht nötig. Man kann reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist.

Im kommenden Jahr will Polestar noch eine abgespeckte Version nachreichen. Sie wird statt zwei nur einen Elektromotor sowie eine kleinere Batterie haben. Der Grundpreis soll bei 39.900 Euro netto liegen. Bei dieser Variante können Kunden dann die volle E-Autoprämie nutzen.

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