Betrugswelle Polizei warnt vor Fake-Angeboten beim Autokauf

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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Mit Schnäppchenpreisen und professionellen Auftritten locken Betrüger arglose Autokäufer in die Falle. Und es wird immer schwieriger, die Kriminellen zu entlarven.

Betrügerische Kaufangebote im Internet werden immer häufiger, warnen Polizei, Unternehmen und Verbände.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Betrügerische Kaufangebote im Internet werden immer häufiger, warnen Polizei, Unternehmen und Verbände.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Wer ein Auto kaufen will, sollte selbst bei professionell wirkenden Offerten auf der Hut sein. „Aktuell häufen sich Betrugsfälle mit vermeintlich günstigen Fahrzeugangeboten“, warnte jüngst die Pforzheimer Polizei auf Instagram. Oft würden angeblich Unfallfahrzeuge zu Schnäppchenpreisen angeboten. Die Täter verlangten eine Anzahlung, bevor das Auto besichtigt oder übergeben werde. „Das Problem: Weder das Fahrzeug noch die angeblichen Verkäufer existieren.“ Das Geld sei verloren.

Internetplattformen, Autoclubs und Kfz-Händler kennen das Problem. Private Kundinnen und Kunden werden genauso Opfer wie etablierte Autohäuser. Autoscout 24, Mobile.de, Kleinanzeigen und der Autoclub ADAC haben mit der Polizei die „Initiative sicherer Autokauf im Internet“ gegründet. Sie soll Verbraucherinnen und Verbraucher aufklären und Tipps bieten. Hinzu kommen technische Sicherheitsmechanismen – teils mit Hilfe von KI – und manuelle Prüfprozesse, um verdächtige Aktivitäten zu erkennen, wie die Plattformbetreiber mitteilten. Verwarnungen, Sperren oder Kündigungen können folgen.

Konkrete Zahlen gibt es nicht. Der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg sieht aber einen Trend: „Betrugsfälle im Kfz-Gewerbe nehmen spürbar zu – eine Betrugswelle, die mit neuen Tricks Fahrt aufnimmt und an Professionalität gewinnt.“ Anders als früher gebe es inzwischen regelmäßig Täuschungsversuche dieser Art, berichtete Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß der Deutschen Presse-Agentur. „Insofern müssen wir leider von einer deutlich steigenden Tendenz ausgehen, gerade in den letzten zwei, drei Jahren.“

Die Täter arbeiten dem Verband zufolge immer raffinierter: mit digitalen Kanälen, täuschend echten Identitäten und ausgeklügelten Vorgehensweisen. „Die Folgen reichen von finanziellen Schäden bis hin zu erheblichen Reputationsrisiken.“ Wachsamkeit sei daher unerlässlich.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Kriminelle nehmen sowohl private Käuferinnen und Käufer als auch Autohäuser aus. Unter Vortäuschung eines echten Verkaufsangebots werden sie zur Vorkasse gebeten. Am Ende sehen Opfer weder das Auto noch ihr Geld wieder. 

Wie gehen die Kriminellen vor?

Die Maschen sind unterschiedlich und zielen darauf ab, dass jemand vorab Geld zahlt. „In manchen Fällen wird in Aussicht gestellt, dass das Fahrzeug mit einem Transportfahrzeug an die Geschädigten geliefert wird“, erklärt ein Sprecher der Polizei. Dann werde eine Anzahlung gefordert. „Nicht selten leisteten die Geschädigten dann Geldtransfers in Höhe von mehreren Tausend Euro.“

Stefan Obert vom Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) berichtet, aktuell würden häufig Autos aus angeblichen Insolvenzmassen angeboten. „Da werden vermeintliche Rechtsanwaltskanzleien oder Namen von real existierenden Kanzleien, Anwältinnen beziehungsweise Anwälten missbraucht und gefälschte Gerichtsbeschlüsse vorgelegt.“ Auch vermeintliche Kataloge einer großen Autohandelsgruppe aus Süddeutschland mit Sonderangeboten sind im Umlauf, wie der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg schreibt.

Warum werden auch professionelle Kfz-Händler Opfer?

Weil die Täter nicht zuletzt mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) immer professioneller agieren. Der baden-württembergische Verband berichtet von täuschend echten Fake-Webseiten und Händlerprofilen im Netz – inklusive Logos, Impressum und Kontaktdaten. Zudem sei es bei Geschäften zwischen Betrieben üblich, Waren auch ungesehen zu kaufen, erklärt Obert. „Ein Katalog mit 30, 40 Seiten ist da keine Seltenheit.“ Die Preise seien oft günstig – „aber nicht so, dass jeder argwöhnisch wird“.

Wie haben sich die Fallzahlen entwickelt?

Die Polizei hat keine konkreten Zahlen, weil sie nicht ohne weiteres aus den Betrugsstraftaten gefiltert werden könnten. Solche Delikte verlagerten sich seit Jahren immer mehr ins Internet, erklärt der Sprecher. Dort könnten Täter eine Vielzahl an potenziellen Geschädigten ansprechen und betrügerische Inserate mehrfach einstellen – sei es auf unterschiedlichen Plattformen oder unter Angabe verschiedener Verkaufsadressen. Beim Autoclub ACE geht laut dessen Auskunft ein Großteil der Mitgliederanfragen auf betrügerische Inserate zurück. 

Laut dem Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg nehmen Betrugsfälle merklich zu: „Bei geprellten Autohäusern sehen wir leider eine steigende Tendenz.“ Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß spricht von einer „Betrugswelle, die mit neuen Tricks Fahrt aufnimmt und an Professionalität gewinnt“. Beim BVfK geht man aber davon aus, dass viele Unternehmen inzwischen sensibilisiert seien. Den Höhepunkt an Meldungen habe der Verband 2024 erlebt, sagt Obert. „In diesem Jahr haben wir über 20 entsprechende Warnmeldungen ausgegeben.“

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Was weiß man über die Betrüger?

„Die Täter befinden sich nicht selten im Ausland“, erklärt die Polizei. Vor einigen Jahren habe man die betrügerischen Inserate und den Mailverkehr anhand von Übersetzungsfehlern noch leichter als solche erkennen können. „Heute sind diese durch den Fortschritt von KI und KI-Übersetzungsprogrammen jedoch nicht mehr anhand des bloßen Textes zu identifizieren.“ 

Wie laufen die Ermittlungen?

Die Polizei nutzt unterschiedliche Ermittlungsansätze. „Der Weg des Geldes ist häufig die heißeste Spur“, erläutert der Sprecher. Oft lägen Tage oder Wochen zwischen Tat und Anzeige. Nicht selten lande das Geld zunächst auf Geldwäschekonten. „Bis zur Anzeigenaufgabe wurden die Gelder in vielen Fällen bereits mehrfach weiter überwiesen.“

Wie schützen sich Kfz-Betriebe?

Der BVfK veröffentlicht seit 2023 „Warnmeldungen“ auf seiner Internetseite, um über aktuelle Betrugsmaschen aufzuklären. Der Kfz-Verband in Baden-Württemberg rät etwa, Mitarbeitende über neue Maschen zu informieren und wichtige Transaktionen und Verträge intern gegenprüfen zu lassen.

Was können Betrogene machen?

Ist das Geld einmal überwiesen, stehen die Chancen laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg schlecht, es zurückzubekommen. Man müsse schnell die Bank oder Polizei einschalten, sagt Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet, Verbraucherrecht. Die Bank könne das Geld vielleicht zurückhalten. Ermittler könnten das Empfängerkonto sperren lassen. Bei Kreditkarten gebe es Rückbuchungsverfahren. Die Plattformen erstatten nach eigenen Angaben kein Geld.

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