Prüfdienst für Werkstattrechnungen

Autor / Redakteur: Jens Rehberg / Jens Rehberg

Für zahlreiche Versicherer prüft Control Expert bereits seit Jahren Werkstattrechnungen im Rahmen der Schadensteuerung – jetzt können auch Endkunden ihre Rechnung für fünf Euro checken lassen.

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(Foto: Archiv)

Der im Schadenmanagement erfahrene Prozessdienstleister Control Expert überprüft jetzt auch für Endkunden Kostenvoranschläge und Rechnungen deutscher Servicebetriebe. Die Kostenprüfer aus Langenfeld haben sich dazu mit dem Internet-Unternehmer Chris Möller zusammengetan und bieten über die Plattform Inspekto.de die Auswertung entsprechender Belege gegen eine Gebühr von fünf Euro an – nach der Einführungsphase sollen es neun Euro sein.

Über eine sehr einfache Benutzeroberfläche können die Kunden die eingescannte oder abfotografierte Werkstattrechnung auf der Homepage des Dienstleisters hochladen. Versprochen wird eine Auswertung, in der „detailliert und auf nachvollziehbare, sachliche und objektive Weise begründet wird, ob die einzelnen Rechnungsposten angemessen sind oder nicht.“ Die Rückmeldung soll innerhalb von 24 Stunden erfolgen.

Das konnte der Dienst bei einem Test von »kfz-betrieb« nicht ganz einhalten: Für die Prüfung einer Rechnung des Würzburger Audi-Zentrums benötigte der Service 29 Stunden. Nach Überweisung von fünf Euro über den Internet-Bezahldienst Paypal wurde die Auswertung per E-Mail zugestellt. Das Prüfprotokoll enthielt die knappe Information, die Rechnung und die Ersatzteilpreise seien nicht zu beanstanden – die Arbeitswerte seien nach Herstellervorgaben berechnet worden. Allerdings warnt Inspekto.de: „30 Prozent der von uns geprüften Rechnungen sind nicht eindeutig nachvollziehbar und enthalten Fehler oder Ungereimtheiten.“

Kfz-Meister kontrollieren

Auf solche Ungereimtheiten setzt Control Expert nach eigenen Angaben in seiner Prüfungsstelle bis zu 100 Mitarbeiter an. Die Kontrollen würden von Kfz-Meistern vorgenommen. Die können bei dem Prozessdienstleister auf eine Datenbank zurückgreifen, in der aufgrund der langjährigen Analyse von Schadensbelegen für zahlreiche Versicherer tausende vergleichbarer Fälle hinterlegt sind.

Was dabei zurzeit noch überhaupt nicht berücksichtigt wird, ist der Stundenverrechnungssatz des jeweiligen Kfz-Betriebs. Nach Angaben des Pressesprechers arbeitet der Dienst jedoch gerade an einer Auswertung, die den Stundenverrechnungssatz des jeweiligen Betriebs lokal einordnet und dem Kunden eine Prozentangabe liefern kann, die deutlich macht, wie günstig oder teuer die berechnete Arbeitsleistung im Vergleich zum Wettbewerbsumfelds ist.

Wie der junge Service bei den Usern ankommt, will das Unternehmen nicht konkret beziffern. Auch zu den Zielen hält sich Inspekto.de bedeckt. Tatsache ist, dass sich die allermeisten bezahlpflichtigen Internetdienste enorm schwer tun, eine kritische Masse an Kunden zu aktivieren, die ihr Geschäftsmodell rentabel machen. Hilfreiche Marketing-Kooperationen konnte Inspekto.de bislang noch nicht vereinbaren. Die Bereitschaft der Werkstattkunden, nach Erhalt einer vermeintlich zu hohen Werkstattrechnung weitere neun Euro für eine Überprüfung nachzulegen, dürfte zudem als nicht besonders hoch eingeschätzt werden, da die Kunden mit dem Prüfergebnis lediglich eine Empfehlung in Händen halten, die problemlos zurückgewiesen werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass der neue Service das Gewerbe durcheinanderwirbelt, ist also eher gering.

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