Rendite im Kfz-Gewerbe hinkt dem Umsatz hinterher

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Andreas Grimm

Der brummende Neuwagenmarkt hat den Umsatz im Kfz-Gewerbe zuletzt hochgetrieben. Doch von einer steigenden Rendite können die Betriebe nur träumen. Wo die Branche steht und was 2020 auf sie zukommt, erläuterte der ZDK auf der Jahrespressekonferenz in Berlin.

Firmen zum Thema

(Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Mit einem deutlichen Umsatzzuwachs und einer stabilen Rendite hat das Kfz-Gewerbe das Jahr 2019 abgeschlossen. Insgesamt stiegen die Erlöse im Kfz-Gewerbe um vier Prozent auf 186 Milliarden Euro. Die Betriebe erwirtschafteten dabei nach vorläufigen Ergebnissen im Schnitt eine Umsatzrendite von 1,3 Prozent. Zu schaffen machen den Betrieben zugleich „die steigenden Anforderungen der Hersteller und Importeure nicht zuletzt aufgrund der Transformation hin zur Elektromobilität“, sagte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski auf der Jahrespressekonferenz des Verbands in Berlin.

Vor allem der Service, jahrelang für die Betriebe eine sichere Bank, schwächelte im vergangenen Jahr. So sank der Umsatz um knapp elf Prozent auf rund 30 Milliarden Euro. „Die Gründe dafür liegen in einer seit Jahren rückläufigen Reparaturhäufigkeit und einer im vergangenen Jahr niedrigeren Wartungshäufigkeit“, begründete ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk die Entwicklung. Zudem sei laut aktuellem DAT-Report die durchschnittliche Schadensumme der in 2019 angefallenen Unfallschäden im Jahresvergleich deutlich gesunken.

Insgesamt verbuchten die Werkstätten eine deutlich geringere Auslastung: Mit einer durchschnittlichen Quote von 83 Prozent lag sie 2019 drei Prozentpunkte unter der Auslastung der beiden Jahre zuvor. Laut einer ZDK-Befragung sind die Kunden verunsichert. „Sie haben manche Reparatur aufgeschoben, weil sie sich nicht sicher waren, ob eine Reparatur am Fahrzeug noch lohnenswert war“, ergänzte Hülsdonk.

Servicegeschäft soll wieder anspringen

Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einer gegenläufigen Entwicklung. „Wir sind optimistisch, dass sich das Werkstatt- und Servicegeschäft in diesem Jahr wieder erholt und Wachstum generiert“, ist der Bundesinnungsmeister zuversichtlich.

Dafür spricht auch, dass der Verband im laufenden Jahr mit rückläufigen Fahrzeugverkäufen rechnet. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 3,6 Millionen Pkw neu auf die Straße, dies waren fünf Prozent mehr als 2018. Der Umsatz der Autohäuser im Pkw-Neuwagenhandel stieg in 2019 sogar um 10,5 Prozent auf rund 73,4 Milliarden Euro. Befeuert hat das starke Umsatzplus der im Jahresvergleich um 7,9 Prozent auf 33.580 Euro gestiegene durchschnittliche Neuwagenpreis.

Dagegen sank der Umsatz des Markenhandels im Gebrauchtwagengeschäft deutlich um 4,8 Prozent auf 54,5 Milliarden Euro. „Das liegt vor allem an dem auf 46 Prozent gesunkenen Anteil des Markenhandels am gesamten Gebrauchtwagenmarkt“, ergänzte ZDK-Vorstand Dirk Weddigen von Knapp, stellvertretender Sprecher des fabrikatsgebundenen Automobilhandels in Deutschland. Im Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 51 Prozent. Damit hat der Handel im Vorjahr rund 3,3 Millionen Pkw gedreht.

Absage an Tempolimit

Bei einem aktuellen Thema bekräftigte der Verband seine bekannte Haltung: „Nach wie vor sind wir gegen ein generelles Tempolimit auf Autobahnen“, betonte ZDK-Präsident Karpinski. Die gültige Richtgeschwindigkeit von 130 km/h auf Autobahnen reiche völlig aus. Die reale Durchschnittsgeschwindigkeit liege auf diesen Fernstraßen nach Aussage des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer bei 117 km/h.

Zudem forderte der Verband mehr Unterstützung für Autohäuser und Werkstätten bei der Verkehrswende. Erst jüngst hatten Kfz-Betriebe abschlägige Förderbescheide erhalten, nachdem sie finanzielle Unterstützung für den Aufbau der E-Ladeinfrastruktur angefragt hatten. ZDK-Präsident Karpinski wandte sich daraufhin in einem Schreiben an Verkehrsminister Scheuer.

„Aus unserer Sicht darf es für die Förderfähigkeit keinen Unterschied machen, ob ein Betrieb von seinem Hersteller Vorgaben erhält oder nicht oder ob es sich um einen nicht markengebundenen Betrieb handelt. Entscheidend muss sein, ob der Betrieb auf eigene Kosten eine im öffentlichen Interesse liegende Ladeeinrichtung bereitstellt“, so Karpinski.

Hinzu kommt der Druck der Hersteller, die zum Teil die Händler mit E-Fahrzeug-Quoten verpflichten, die E-Autos in den Markt zu drücken. „Der Handel stellt sich mit aller Konsequenz auf die sich wandelnde Zukunft ein“, betonte der ZDK-Präsident. „Es geht aber nicht an, viele Lasten dieser Transformation einseitig auf die Betriebe abzuwälzen.“

(ID:46360898)

Über den Autor

 Christoph Baeuchle

Christoph Baeuchle

Chefreporter Automobilwirtschaft & Politik/Verbände