Mercedes-Benz Rolle rückwärts 25 Jahre nach dem Elchtest

Quelle: dpa

Anbieter zum Thema

Einfach unvergessen: Mercedes wollte mit der A-Klasse auf den Markt für Kompaktwagen, dann kippte das Auto beim berühmten Elchtest um. Heute steht der Verkaufsschlager wegen der Luxusstrategie auf der Kippe.

Die Mercedes-Benz A-Klasse aus dem Jahr 1997 hat mir der heutigen Generation optisch nichts am Hut.(Bild:  Mercedes-Benz AG)
Die Mercedes-Benz A-Klasse aus dem Jahr 1997 hat mir der heutigen Generation optisch nichts am Hut.
(Bild: Mercedes-Benz AG)

Vor 25 Jahren brachte die Sache mit dem Elch Mercedes gewaltig ins Schlingern. Bei einem Fahrtest in Schweden am 21. Oktober 1997 kippte die damals ganz neue A-Klasse um.

Schnell war in Deutschland vom Elchtest die Rede – obwohl der Begriff so in Schweden gar nicht verwendet wurde. Bei dem Fahrmanöver wird ungebremst und abrupt hin- und hergelenkt. Eben so, als müsste man plötzlich einem Elch auf der Straße ausweichen. Der Vorfall blamierte den Stuttgarter Autobauer und stürzte ihn in eine PR-Krise.

Strategische Rolle rückwärts

Ein Vierteljahrhundert nach dem Elchtest macht Mercedes strategisch eine Rolle rückwärts. War der „Baby-Benz“ damals der Einstieg in die Kompaktklasse und damit der Türöffner für größere Stückzahlen, verfolgt Firmenchef Ola Källenius heute eine Luxusstrategie, die er im Mai an der Côte d'Azur näher erläuterte.

Das Einstiegssegment soll von sieben auf vier Karosserievarianten ausgedünnt werden. Auf die Frage, ob das auf Dauer das Aus für Kompaktautos der A- und B-Klasse bedeute, gab er keine explizite Antwort. „Ich überlasse den Rest Ihrer Vorstellungskraft“, sagte er vor Journalisten. Fest steht: In Zukunft steht die Marge im Vordergrund, nicht die Masse.

Enormer Imageschaden

Autoexperte Stefan Reindl erinnert sich an den Elchtest: „Das war ein Hieb, mit dem hatte damals niemand gerechnet." Der Imageschaden sei „schon enorm“ gewesen. „Mercedes ist in seinen Grundwerten erschüttert worden“, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. „Das war ein Erdbeben.“

Mercedes habe damals für Sicherheit und Qualität gestanden. Mit dem Elchtest sei die Sicherheit über Nacht zerbrochen. Doch der Konzern habe gut auf den Vorfall reagiert. „Das fand ich hervorragend, weil Mercedes genau erklärt hat, woran es lag und was die Gegenmaßnahme ist.“ Mercedes habe mit Technologie das Vertrauen zurückgewonnen.

Das Unternehmen stoppte die Auslieferungen und rüstete die bereits ausgelieferten Fahrzeuge mit dem Elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) nach. Das vom Zulieferer Bosch gemeinsam mit Daimler-Benz – wie der Konzern damals noch hieß – entwickelte ESP sollte das Schleudern verhindern und war bis dahin in Serie nur den zahlungskräftigen Kunden der S-Klasse vorbehalten.

Daimler nahm viel Geld in die Hand und stattete auch die A-Klasse serienmäßig mit ESP aus, um Vertrauen zurückzugewinnen. 100 Millionen D-Mark pro Jahr, hieß es damals. Für ESP war das der „Durchbruch“, teilt ein Bosch-Sprecher mit. Bis Ende des Jahres werde Bosch rund 300 Millionen ESP-Systeme ausgeliefert haben.

A-Klasse wurde doch noch zum Erfolg

Die A-Klasse wurde nach dem Rumpelstart ein Erfolg: Über vier Millionen Autos wurden seit der Markteinführung weltweit ausgeliefert, heißt es von Mercedes-Benz. Mit Einführung der Kompaktfahrzeuge, zu denen auch die B-Klasse zählt, habe man damals drei Ziele verfolgt: die Senkung des Flottenverbrauchs, geringere Entwicklungs- und Produktionskosten je Auto durch höhere Stückzahlen sowie eine höhere Attraktivität für junge Kunden.

Während der Flottenverbrauch mit Umstieg auf die Elektromobilität in den Hintergrund rückte, blieben die Stückkosten weiter relevant, teilt ein Sprecher mit. Aus diesem Grund setze Mercedes weiter auf eine Wachstumsstrategie.

(ID:48663274)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung