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Spindler startet Fahrzeug-Aboservice

| Autor: Martin Achter

Autos flexibel abonnieren statt kaufen: Das mainfränkische Autohaus Spindler testet, wie sich Modelle ähnlich dem der US-Videoplattform Netflix auf den Automobilhandel übertragen lassen. Für die technische Umsetzung sorgt ein Start-up aus der Region, das seine Fühler Richtung Handel ausstreckt.

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Das Autohaus Spindler in Würzburg hat zusammen mit dem lokalen Start-up-Unternehmen Faaren einen Fahrzeug-Aboservice gestartet. Im Bild: das Team von Faaren und das Digitalteam der mainfränkischen Gruppe.
Das Autohaus Spindler in Würzburg hat zusammen mit dem lokalen Start-up-Unternehmen Faaren einen Fahrzeug-Aboservice gestartet. Im Bild: das Team von Faaren und das Digitalteam der mainfränkischen Gruppe.
(Bild: Spindler)

Im Autohaus Spindler können Kunden Autos künftig nicht mehr nur kaufen oder leasen, sondern auch flexibel abonnieren. Die Würzburger Gruppe (Audi, Skoda, VW) bietet Interessenten seit Mitte November einen Teil seiner Fahrzeugflotte zum Abonnement an. Der Händler setzt dies über die Plattform des lokalen Start-ups Faaren um, mit der Nutzer Fahrzeuge für variable Laufzeiten und mit unterschiedlichen Kilometerpaketen buchen können.

Wie hoch die Abonnementgebühr für den Kunden ist, hängt von der gebuchten Laufzeit ab. Momentan können Interessenten Pakete mit Laufzeiten zwischen einem und sechs Monaten buchen. Die Fahrzeuge können aber gegen Entgelt über diese Mindestlaufzeitpakete hinaus gefahren werden. Im Preis enthalten sind das Fahrzeug mit der vereinbarten Laufleistung, die Steuer, Zulassungsgebühren, Versicherung (Voll-/Teilkasko sowie Haftpflicht mit Selbstbeteiligung), Wartungs-, Instandhaltungs- Verschleißreparaturkosten sowie saisonale Bereifung.

Interessenten wählen ihr Wunschfahrzeug über die Plattform aus und bezahlen dafür per Kreditkarte oder mit Sepa-Lastschrift – für 2019 sind noch weitere Bezahlverfahren geplant. Spindler lässt das Fahrzeug dann zu, versichert es und übergibt es an den Kunden. Möglich sind eine Übergabe an einem der Standorte des Autohauses Spindler oder eine Auslieferung an überregionale Kunden.

An dem Projekt arbeitet Spindler seit Jahresbeginn, wie Ralf Englert, stellvertretender Verkaufsleiter Audi-Neuwagen, im Gespräch mit »kfz-betrieb« sagte. Englert ist Mitglied des bereichsübergreifenden Digitalteams der Spindler-Gruppe, das sich auch mit neuen Vertriebskonzepten wie Mobilitäts-Flatrates beschäftigt. Spindler setzte sich mit dem Gedanken an entsprechende Lösungen bereits auseinander, als der Kontakt zu dem Start-up Faaren, dem jetzigen Plattformgeber, zu Stande kam.

„Wir wandeln schlafendes in fahrendes Kapital um“

Faaren, ein Team aus dem Würzburger Hochschulumfeld mit Fachkompetenz im E-Commerce-Bereich, baute seine Plattform innerhalb eines Dreivierteljahres auf und ist kürzlich damit „live“ gegangen – also für alle Onlinenutzer verfügbar.

Das Autohaus Spindler bietet über Faaren aktuell Teile seines Gebrauchtwagenbestands zum Abonnement an. „Damit wandeln wir schlafendes in fahrendes Kapital um“, sagt Verkaufsleiter Englert. Bei den Fahrzeugen verschiedener Segmente handle es sich um Jahres- und Vorführwagen, Leasingrückläufer oder Dieselfahrzeuge, die angesichts der anhaltenden Diskussion um Fahrverbote schwieriger als früher zu vermarkten sind. Die Handelsgruppe prüft jetzt, wie Kunden das Angebot annehmen, und will es entsprechend anpassen.

Faaren konzentriert sich mit seiner Abonnementplattform in der Startphase zunächst auf die Region Würzburg und arbeitet dabei mit dem Autohaus Spindler zusammen, sagte Geschäftsführer Daniel Garnitz. So könne die Plattform das zur Verfügung stehende Marketingbudget am wirkungsstärksten einsetzen. Und für den regionalen Nutzer sei das Autohaus Spindler ein bekannter Ansprechpartner, dem er Vertrauen entgegenbringe. Auch sei die Fahrzeugübergabe auf diese Weise am einfachsten zu bewerkstelligen.

Im ersten Halbjahr 2019 könne sich Faaren vorstellen, sein Konzept auch auf andere Regionen auszuweiten. Denkbar sei ein Modell, mit dem Faaren in unterschiedlichen Marktgebieten mit jeweils einem lokalen Vertriebspartner einer Marke zusammenarbeite.

Das Start-up prüft jetzt mit Spindler, wie sein Konzept funktioniert. Um wachsen zu können, hat Faaren gerade eine erste Finanzierungsrunde mit der auf die Versicherungswirtschaft spezialisierten Unternehmensberatung Enowa abgeschlossen. Im kommenden Frühjahr könnte eine zweite Runde folgen.

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Über den Autor

 Martin Achter

Martin Achter

Redakteur Management & Handel bei »kfz-betrieb«