Restemeier THG-Abwicklungssoftware und White-Label-Portal für Betrieb und Kollegen

Von Jan Rosenow

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Die Leidenschaft fürs Digitale hat der Osnabrücker K&L-Betrieb Restemeier im Tochterunternehmen Mmmint.ai materialisiert. Daraus sind verschiedene Anwendungen entstanden – auch für andere Kfz-Betriebe und Kunden – und eine Top-Platzierung in der Kategorie Digitalisierung beim Automotive Business Award 2022.

Die drei Gründer von Mmmint.ai, Mark Warneke, Maximilian Stein und Max Leimkühler (v.l.), legen bei der Produktentwicklung ein hohes Tempo vor.
Die drei Gründer von Mmmint.ai, Mark Warneke, Maximilian Stein und Max Leimkühler (v.l.), legen bei der Produktentwicklung ein hohes Tempo vor.
(Bild: Rosenow – »kfz-betrieb« )

Die freie Werkstatt Restemeier aus Osnabrück ist schon auf den ersten Blick beeindruckend. Der moderne, blitzsaubere Betrieb hat sich auf Unfallreparaturen spezialisiert und arbeitet auf hohem technischen Niveau – bis hin zur Zertifizierung als Tesla Approved Body Shop. Die 48 Mitarbeiter wickeln etwa 4.000 Aufträge pro Jahr ab.

Doch was man nicht sieht, sind die umfangreichen Digitalisierungsaktivitäten, die der Betrieb in den letzten Jahren entfaltet hat. Gründer Jochen Bartholomeus hatte schon früh ein Faible für die Digitalisierung entwickelt – oder EDV, wie man das früher nannte. Bereits 1986 hielt der erste PC Einzug in die Firma – mit 20 MB Speichervermögen. „Ich dachte damals: Platz für 20 Millionen Daten – das dürfte für den Rest meines Lebens reichen“, erinnert sich der Unternehmer, der seine Anteile mittlerweile an seinen Sohn Maximilian Stein übergeben hat, schmunzelnd.

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Seine Leidenschaft fürs Digitale hat er dem Junior offenbar auch vererbt, und diese lebt Maximilian Stein seither in seinem „Nebenjob“ als Geschäftsführer der ausgegründeten Softwarefirma Mmmint.ai aus. Zusammen mit zwei Freunden, die in der KI-Forschung und der Softwareentwicklung aktiv waren, will er Lösungen schaffen, die nicht nur dem eigenen Betrieb helfen, sondern auch an andere Kfz-Betriebe oder sogar Endkunden vermarktet werden können.

Erstes Projekt – und seither die Basis für ganz viele weitere – war die Entwicklung eines Fahrzeugscheinscanners. Und da die Fahrzeugdaten für praktisch alle Dienstleistungen im Autohaus gebraucht werden, suchte Max Stein zusammen mit seinen Kompagnons nach weiteren Einsatzgebieten. War die erste praktische Anwendung, ein Internetportal für die fiktive Unfallschadenabrechnung namens Mrfiktiv.de, noch eher eine Fingerübung, so hat es Mmmint.ai mit seinen beiden neuesten Projekten endgültig geschafft, zum konkurrenzfähigen Softwareanbieter für die Kfz-Branche zu werden.

Schon bei 250 Anwendern in Deutschland im Einsatz

Da wäre zum einen das Portal Schadenmeldung.digital, das auf der Basis von Mrfiktiv entstanden ist. Dabei handelt es sich um eine Internetseite zur Kundenbindung nach einem Unfall. Schadenmeldung.digital ist eine White-Label-Lösung, die Autohäuser und freie Werkstätten, aber auch Fuhrparks übernehmen und in ihrer Corporate Identity gestalten können. Mit einem Link oder per QR-Code können die Nutzer, also die Autofahrer, nach einem Unfall auf eine Web-App zugreifen, die sie durch den Prozess der Schadensaufnahme führt.

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Basis und erster Schritt ist das Abfotografieren des Fahrzeugscheins, aus dem danach per OCR (Optical Character Recognition) die Daten extrahiert werden. Danach muss der Nutzer auf einem Piktogramm den Schaden lokalisieren und dann zunächst das gesamte Auto und anschließend den Schaden fotografieren. Eine Eingabemöglichkeit für Freitext (sogar per Speech-to-Text) gehört ebenfalls zum Angebot. Und natürlich muss der Nutzer noch seine persönlichen Daten eingeben. In wenigen Minuten kann er damit seine Schadensmeldung absetzen und dem betreuenden Betrieb übermitteln – ohne Umweg über seine Versicherung und deren Schadensteuerer.

Der Nutzer kann die dadurch entstehende elektronische Schadensakte im Internetportal selbst einsehen und verwalten, aber die Daten auch in sein DMS importieren. Schadensmeldung.digital verfügt über Schnittstellen zu KSR und zum Digitalen Autohaus von Gudat. Und natürlich können auch andere Player wie die Versicherung des Kunden darauf zugreifen – das Portal sei „multimandantenfähig“, wie Maximilian Stein betont. Schadenmeldung.digital ist schon bei 250 Anwendern in Deutschland im Einsatz.

Für den Autobesitzer bleibt mehr übrig

Das zweite Projekt, mit dem Restemeier/Mmmint.ai die Jury des Automotive Business Awards überzeugen konnte, ist das Portal Wirkaufendeinethg.de (THG-Quote = Treibhausgasminderungsquote). Auch dabei handelt es sich um eine White-Label-Lösung, die andere Autohäuser übernehmen können. Das Projekt stemmten die jungen Entwickler – wie Maximilian Stein sind auch Max Leimkühler und Mark Warnecke noch keine 30 – innerhalb weniger Wochen.

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Erneut dienen die ausgelesenen Fahrzeugscheindaten als Basis für die gesamte Abwicklung. Da die elektronische Texterkennung so gut funktioniert, ist ein manueller Eingriff in den Prozess unnötig, damit sind die Kosten gering. Für die Autohäuser ist das Portal kostenlos. Und sie müssen auch nichts dafür tun – der gesamte Prozess läuft bei Restemeier ab.

Die Osnabrücker finanzieren ihren Aufwand durch einen Anteil an der dem E-Autobesitzer ausgezahlten Prämie, sind dabei aber nach eigenen Angaben einer der günstigsten Anbieter auf dem Markt. Sprich: Für den Fahrzeughalter bleibt mehr übrig.

Mit den beiden Portalen Schadenmeldung.digital und Wirkaufendeinethg.de beginnen nun auch nennenswerte Umsätze an Mmmint.ai zu fließen. Künftig will das Datenunternehmen diese beiden Produkte erst einmal weiter verbessern und ausbauen, bevor es neue Projekte in Angriff nimmt. Doch die Jury des Automotive Business Awards ist sich sicher, dass das junge Team um Maximilian Stein die Branche weiterhin mit kreativen Digitalisierungslösungen überraschen wird.

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