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Unfalltote: Opferzahlen sinken außer im Radverkehr

| Autor / Redakteur: spx/gr / Andreas Grimm

Die Zahl der Verkehrsunfälle steigt, trotzdem sind weniger Tote und Verletzte zu beklagen. Ungeachtet der positiven Tendenz fordern Unfallforscher weiter große Anstrengungen. Nicht zuletzt weil eine Gruppe von der Besserung nichts profitiert.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Im Jahr 2019 sind 3.046 Menschen in Deutschland bei Unfällen im Straßenverkehr gestorben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, handelt es sich damit um den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik vor mehr als 60 Jahren. Gegenüber 2018 hat sich die Zahl der Verkehrstoten um 229 beziehungsweise 7 Prozent verringert. Auch die Zahl der Verletzten sank mit 384.000 Personen um 3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018. Im Gegenzug ist allerdings die Zahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle deutlich gestiegen. Mit rund 2,7 Millionen Unfällen wurden so viele wie seit 1991 nicht mehr gezählt.

Die meisten im Verkehr getöteten Personen kamen vergangenes Jahr auf Landstraßen ums Leben. Hier liegt der Anteil bei 57,7 Prozent, obwohl auf Landstraßen nur etwa jeder vierte Unfall mit Personenschaden stattgefunden hat. Die meisten Unfälle mit Personenschaden ereigneten sich innerhalb von Ortschaften (69,2 %). Dort wurden 30,6 Prozent der Getöteten registriert. Auf Autobahnen wurden 6,7 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden und 11,7 Prozent aller Getöteten gezählt.

Mehr Sicherheit für Radfahrer notwendig

Die meisten Getöteten waren mit 1.364 Personen Pkw-Insassen, 605 zählen als Kraftradfahrer, 445 als Radfahrer, 417 als Fußgänger und 152 als Insassen von Güterkraftfahrzeugen. Weitere 63 Menschen kamen anderweitig ums Leben. Bis auf die Radfahrer, deren Zahl auf Vorjahresniveau verharrt, war die Zahl der Getöteten bei allen anderen Gruppen gegenüber dem Vorjahr rückläufig.

Das entspricht auch einem langjährigen Trend: Während seit 2010 die Zahl der Verkehrstoten insgesamt um 16,5 Prozent gesunken sind, war der Rückgang bei der Gruppe der Pkw-Insassen um 25,9 Prozent überproportional hoch. Bei der Gruppe der Kraftradfahrer (-14,7 %) und Fußgänger (-12,4 %) fiel der Rückgang geringer aus. Bei den Radfahrern ist hingegen die Zahl der Getöteten seit 2010 sogar um 16,8 Prozent gestiegen.

„In Sachen Verkehrssicherheit hat sich in Deutschland in den vergangenen fünfzig Jahren vieles zum Guten gewendet“, kommentierte Richard Goebelt, Geschäftsbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität des TÜV-Verbands (VdTÜV), die Zahlen. Gleichzeitig sprach er sich für weitere Anstrengungen aus, denn jeder Einzelne der Getöteten sei noch einer zu viel. Auch die Zahl der Verletzten sei noch „unfassbar hoch“.

Besonderes Augenmerk will er auch angesichts der gestiegenen Fallzahlen den Radfahrern zukommen lassen. So kommt europaweit jeder zweite getötete Radfahrende bei einer Kollision mit einem Pkw oder Lkw ums Leben. „Große Hoffnungen setzen wir auf Fahrassistenzsysteme“, sagte Goebelt. Er verwies auf die EU-Verordnung „General Safety Regulation“. Sie schreibt vor, dass schwere Fahrzeuge mit Abbiegeassistenzsystemen ausgerüstet werden müssen. Ab 2024 dürfen keine Lkw über 3,5 Tonnen und keine Busse mit mehr als 9 Sitzplätzen ohne entsprechende Helfer in den Verkehr kommen.

Gefahr durch den ruhenden Verkehr

Für Radfahrer sind neben Abbiegesituationen auch parkende Autos ein großes Sicherheitsrisiko. Das hat eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ermittelt. Während offiziell nur fünf Prozent aller Unfälle mit verletzten Fußgängern und Radfahrern im Zusammenhang mit parkenden Kraftfahrzeugen stehen, ist es laut UDV mit 18 Prozent fast jeder Fünfte. Zu Unfällen komme es nicht nur durch direkten Einfluss des parkenden Kraftfahrzeugs oder Kontakt mit ihm, beispielsweise beim Ausparken oder Öffnen einer Tür, sondern auch durch indirekten Einfluss, beispielsweise weil die Sicht versperrt ist, heißt es in der Studien-Zusammenfassung.

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