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Volkswagen-Chef Diess: „E-Mobilität ist keine Wette“

Autor: Christoph Seyerlein

Volkswagen-Chef Herbert Diess richtet den Konzern voll auf die Elektromobilität aus. Der Ton, den der Manager gegenüber Zweiflern an diesem Weg anschlägt, wird zunehmend rauer.

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„Ein Vorstandsteam, das für 670.000 Arbeitsplätze weltweit verantwortlich ist, schließt selbstverständlich keine Wetten ab“, schrieb Volkswagen-Chef Herbert Diess am Donnerstag.
„Ein Vorstandsteam, das für 670.000 Arbeitsplätze weltweit verantwortlich ist, schließt selbstverständlich keine Wetten ab“, schrieb Volkswagen-Chef Herbert Diess am Donnerstag.
(Bild: Volkswagen)

In einem ausführlichen Beitrag beim Karrierenetzwerk Linkedin hat Volkswagen-Chef Herbert Diess erläutert, warum der Konzern sehr stark auf die Elektromobilität setzt. Der Aussage, dass es sich dabei um eine Wette handle, widersprach der Manager entschieden. „Ein Vorstandsteam, das für 670.000 Arbeitsplätze weltweit verantwortlich ist, schließt selbstverständlich keine Wetten ab“, schrieb Diess. Vielmehr sei die Entscheidung „eine sehr rationale und faktenbasierte“. Diess versuchte das anhand verschiedener Antriebskonzepte aufzuschlüsseln.

  • Verbrenner: Volkswagens Ziel sei es, das Auto CO2-frei, nachhaltig und sicherer zu machen. Das sei etwa bei einem Golf weder mit Dieseln noch mit Benzinern zu erreichen. Schon heute verfehlten jene Modelle die aktuell geforderten 99 Gramm CO2 pro Kilometer knapp, die 2030 geforderten 55 Gramm seien „definitiv nicht erreichbar“. Auch ein weiteres Downsizen würde nur wenig bringen und zudem Komfort kosten. Das sehe man etwa am VW Up.
  • Hybride: Hybride eignen sich aus Sicht von Diess nur im Stadtverkehr, da sie dort davon profitieren, einen Großteil der Bremsenergie zurückgewinnen zu können. Überland lasse sich dagegen nur wenig rekuperieren, wodurch die Verbräuche teils deutlich über denen von Dieseln und Benzinern lägen.
  • Erdgas: Bei Erdgas sieht der Volkswagen-Chef Nachteile im Komfort. Beispielsweise sei das Tankstellennetz in Teilen Europas zu schwach ausgebaut. Ein Haken an der Technologie sei zudem, dass der Einsatz von nahezu CO2 freiem Bio-Erdgas in der Berechnung nicht berücksichtigt werde. „Dadurch bleibt der CO2-Vorteil marginal und rechtfertigt den hohen Aufwand für die Unternehmen leider nicht“, so Diess.
  • Elektromobilität: Klar sei, dass der Strom sauber sein müsse, mit dem BEVs und Plug-in-Hybride betrieben werden, so Diess. Nur dann werde das E-Auto wirklich sinnvoll. Perspektivisch werde grüner Strom deutlich günstiger und somit auch die Fahrzeuge für Kunden. Schon heute sei ein E-Auto mit einem Stromverbrauch zwischen 15 und 20 kWh für 100 Kilometer und einem Strompreis von 20 Cent pro kWh mit einem Preis von vier Euro günstiger als Modelle mit anderen Antrieben. Die Batterien hielten lang, hätten ein zweites Leben nach dem Auto und würden bald zu 99 Prozent in einer Kreislaufwirtschaft betrieben, so Diess.
  • E-Fuels: Jener Option verschließe sich Volkswagen „nicht aus Sturheit“, betonte Diess. „Unsere Forschung dazu ist sehr umfassend und reicht lange zurück. Wir haben die Forschung auch nicht eingestellt. Im Gegenteil: Gerade weil wir uns mit allen Alternativen zum Verbrenner intensiv beschäftigt haben, legen wir uns so klar auf die E-Mobilität fest.“ Synthetische Kraftstoffe hätten eine schlechtere Energiebilanz als Batterien. Die Produktion erfolge nicht CO2-neutral, da dies zu teuer sei. Man werde E-Fuels dort brauchen, wo eine Elektrifizierung nicht möglich sei, etwa bei Flugzeugen, Schiffen, „oder vielleicht in vielen Jahren, wenn alles elektrisch fährt für unsere Oldtimer – die wir ja nicht aufgeben wollen“, so Diess.
  • Wasserstoff: Grüner Wasserstoff ist in Diess Augen wirtschaftlich für den Pkw-Bereich und wahrscheinlich auch für weite Teile des Lkw-Betriebes „nicht vertretbar“. Die Betriebskosten seien zwei- bis dreimal höher als bei vergleichbaren E-Autos, da die Wirkungsgrade deutlich geringer seien. Außerdem müsste in die Infrastruktur investiert werden. Wasserstoff werde eher in der Stahl- oder Düngemittelindustrie benötigt, meint der Volkswagen-Chef.

Technologieoffenheit „hilft nicht“

Diess Fazit: „Von Technologieoffenheit zu sprechen, klingt schön, kommt sicher auch bei vielen Leuten gut an – besonders bei den Firmen, die noch am Verbrenner klammern und hoffnungslos auf Zeit spielen. Es hilft aber nicht.“ Zweifler an der Elektromobilität hatte der Volkswagen-Chef zuletzt bereits als „Lobbyisten“ bezeichnet, die die Wissenschaft ignorierten.

Allerdings gibt es auch andere Meinungen: So hatte etwa der Verband der Automobilindustrie (VDA) zuletzt von der Politik eben jene Technologieoffenheit eingefordert.

Einer Studie des Verbands der Ingenieure (VDI) zufolge sind E-Autos aktuell nicht klimafreundlicher als vergleichbare Verbrenner, da die Batterieproduktion größtenteils noch mit hohen CO2-Belastungen verbunden sei.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«