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Volkswagen Nutzfahrzeuge: Keine Zukunft für Vermittler

| Autor: Christoph Seyerlein

Im Februar hatte Volkswagen Nutzfahrzeuge noch verkündet, in Deutschland am zweistufigen Vertriebsnetz festhalten zu wollen. Jetzt folgte in Hannover die Kehrtwende.

(Bild: Volkswagen Nutzfahrzeuge)

Volkswagen Nutzfahrzeuge baut sein Vertriebsnetz in Deutschland um. Wie ein Sprecher der Marke auf Nachfrage von »kfz-betrieb« bestätigte, stellen die Hannoveraner zeitnah auf ein einstufiges System um. Für Vermittler bedeutet dies das Aus. Ab Oktober 2020 wird VW Nutzfahrzeuge keine entsprechenden Verträge mehr genehmigen. „Wir folgen dem Vorbild unserer Pkw-Kollegen“, sagte der Sprecher.

Alexander Sauer-Wagner, Geschäftsführer des VW/Audi-Partnerverbands (VAPV) erklärte im Gespräch mit »kfz-betrieb«, Hersteller und Handel hätten in den vergangenen Monaten wiederholt über das Thema diskutiert. Die Entscheidung habe Volkswagen Nutzfahrzeuge letztlich damit begründet, dass man Vermittlern nicht die Professionalisierung und Spezialisierung zutraut, die der Hersteller für die Zukunft als notwendig erachtet.

Für die rund 700 Händler kommt der Schritt überraschend. In einem Schreiben an die Partner, das »kfz-betrieb« vorliegt, bringt der VAPV das zum Ausdruck: „Entgegen der ursprünglich getätigten Aussage, dass Volkswagen Nutzfahrzeuge auch zukünftig auf ein Vermittlernetz baut, hat die Vertriebsleitung jetzt entschieden, dass unser Netz analog Volkswagen Pkw zukünftig einstufig sein wird.“ Vor der Corona-Krise habe Volkswagen Nutzfahrzeuge noch im Februar verkündet, am zweistufigen Vertriebssystem festhalten zu wollen.

Welche Auswirkungen die Kehrtwende für die Partner haben wird, muss sich zeigen. Manche arbeiten mit mehreren Vermittlern zusammen. Eine einheitliche Regelung zu einem etwaigen Ausgleichsanspruch oder ähnliches gibt es dem Vernehmen nach bislang nicht.

Der Druck bei Volkswagen Nutzfahrzeuge steigt

Der Schritt zeigt auch, dass bei Volkswagen Nutzfahrzeuge der Druck steigt. Umsatz und Ergebnis waren 2019 deutlich rückläufig. In Deutschland ging der Absatz im vergangenen Jahr mit rund 126.000 Einheiten im Vergleich zu 2018 leicht zurück (-0,8 %), im laufenden Jahr dürfte sich die Lage aufgrund der Corona-Pandemie noch einmal deutlich verschlechtern.

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Mit Carsten Intra wird im Herbst ein neuer Chef in Hannover den Posten von Thomas Sedran übernehmen. Eine seiner Kernaufgaben wird es sein, die Kooperation mit Ford zu moderieren, aus der unter anderem der neue Amarok entspringen wird. Auch die weitere Elektrifizierung steht bei Volkswagen Nutzfahrzeuge an, 2022 soll der künftige E-Bulli starten. Zudem soll die Marke für den gesamten Volkswagen-Konzern beim autonomen Fahren eine Vorreiterrolle einnehmen.

Auch die deutsche Vertriebsorganisation hat seit Kurzem einen neuen Chef beim Hersteller. Gerrit Starke hat zum 1. Juli die Vertriebsleitung von Alban Steinmann übernommen. Starke war zuvor Chef der Volkswagen Gebrauchtfahrzeughandels und Service GmbH (VGSG). In jener Rolle hatte er sich mit einem Pilotprojekt zum Online-Direktvertrieb junger Gebrauchtfahrzeuge beim Handel nicht gerade beliebt gemacht.

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