Antriebsstrategie Volkswagen will sich nicht auf ein Enddatum für Verbrenner festlegen

| Aktualisiert am 16.03.2021Autor: Christoph Seyerlein

Europas größter Autobauer bewirbt seine Elektro-Offensive besonders nachdrücklich. Ein fixes Datum für ein Verbrenner-Aus lehnt Volkswagen anders als mancher Wettbewerber aber ab. Warum das so ist, erklärte Konzernchef Diess am Dienstag.

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Volkswagen verfolgt ehrgeizige Elektro-Ziele, vermeidet aber eine klare Aussage zu einem Verbrenner-Aus.
Volkswagen verfolgt ehrgeizige Elektro-Ziele, vermeidet aber eine klare Aussage zu einem Verbrenner-Aus.
(Bild: Volkswagen)

2020 hat der Volkswagen-Konzern den Absatz elektrifizierter Autos im Vergleich zu 2019 in etwa verdreifacht. In diesem Jahr soll nun nochmal mehr als eine Verdoppelung her. Lieferten die Marken der Wolfsburger 2020 weltweit gut 422.000 Batteriefahrzeuge und Plug-in-Hybride aus, sollen es 2021 mehr als eine Million sein. Das kündigte der Konzern am Dienstag im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz an.

Die Kernmarke VW Pkw hatte vergangene Woche vermeldet, bis 2030 den E-Anteil an allen verkauften Autos in Europa auf 70 Prozent hochschrauben zu wollen. Ganz so weit geht man auf Konzernebene nicht. Dennoch peilt Volkswagen über alle Marken hinweg an, binnen der nächsten zehn Jahren den Stromer-Anteil auf 60 Prozent in Europa zu steigern. Global rechnet der Konzern dann damit, dass jedes zweite verkaufte Auto ein BEV sein wird.

Trotz dieser starken Fokussierung auf die Elektromobilität, will sich Volkswagen aber nicht auf ein fixes Enddatum für Verbrennungsmotoren festlegen. Der Konzern lehnt das mit Verweis auf „die je nach Region unterschiedlichen Primärenergienutzung und die regulatorischen Rahmenbedingungen“ ab. Damit agieren die Wolfsburger anders als einige Wettbewerber. Zuletzt hatten sich beispielsweise Ford (2030), Mini (2031), Jaguar (2025) oder General Motors (2035) auf klare Ausstiegsdaten festgelegt.

Volkswagen-Chef Herbert Diess merkte am Dienstag an, erst der Verbrenner mit seinen stabilen Margen ermögliche dem Autobauer die Transformation. Für 2021 zeigte er sich zudem zuversichtlich, dass der Konzern die von der EU geforderten CO2-Ziele einhalten wird. Im vergangenen Jahr war das nicht gelungen. 2020 hatte Volkswagen die Vorgaben um 0,8 Gramm je Kilometer überschritten. Nach eigenen Angaben rechnet der Konzern deshalb mit einer Strafzahlung in Höhe von 230 Millionen Euro.

Plattform-Strategie auch für Zukunftsthemen

Damit auch neue Geschäftsfelder wie Elektromobilität und Digital-Dienste profitabler werden, will Volkswagen seine aus der Fahrzeugentwicklung bekannte Plattform-Strategie auf andere Bereiche übertragen. Hardware, Software, Batterietechnik und Laden sowie Mobilitätsdienste aller Konzernmarken sollen künftig auf weitgehend einheitlichen technischen Grundlagen basieren. So will Europas größter Autobauer seine Größenvorteile besser nutzen und weitere Kosteneinsparungen zwischen den Marken ermöglichen.

Schnellstmöglich wollen die Wolfsburger damit in den Zielkorridor von 7 bis 8 Prozent operativer Umsatzrendite zurückkehren. Vergangenes Jahr war diese von zuvor 7,6 auf 4,8 Prozent gefallen. 2021 peilt Volkswagen zwischen 5 und 6,5 Prozent an.

Die einzelnen Konzernmarken schnitten im vergangenen Jahr meist besser ab als zwischenzeitlich erwartet. Die Hauptsparte VW Pkw schaffte es dank der zweiten Jahreshälfte mit einem Betriebsgewinn von 454 Millionen Euro doch noch in die schwarzen Zahlen. Der Umsatz der Marke brach um ein knappes Fünftel auf 71,1 Milliarden Euro ein.

Bei Audi machte sich die Krise mit einem Umsatzminus von 10 Prozent auf 50 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnisrückgang um 40 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro bemerkbar. Gut weg kam Porsche, wo der Umsatz mit 26,1 Milliarden Euro stabil blieb und das operative Ergebnis nur um 5 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro sank.

Unterm Strich fast 9 Milliarden Euro Gewinn

Die leichten VW-Nutzfahrzeuge, Seat und der Lkw-Bauer MAN meldeten dagegen klare Verluste im laufenden Geschäft. Die VW-Gemeinschaftsunternehmen im Kernmarkt China, deren operative Ergebnisse nicht in die Konzernbilanz einfließen, verdienten mit 3,6 Milliarden Euro etwa 800 Millionen Euro weniger. Unterm Strich blieben Volkswagen 2020 trotz Corona nach Steuern 8,8 Milliarden Euro in der Kasse. 2019 waren es noch gut 14 Milliarden Euro gewesen.

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 Christoph Seyerlein

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Entwicklungsredakteur