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Volvo: 60 Jahre „Leg mich an!“

| Autor: Steffen Dominsky

Der schwedischer Autobauer erfand den Dreipunkt-Sicherheitsgurt und machte ihn dank eines offenen Patents für alle zugänglich. Mit einem spektakulären Stunt demonstrierte er zudem auf der IAA 1959 dessen Schutzfunktion.

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Sicherheit seit 60 Jahren: Volvo brachte den Dreipunktgurt ins Automobil.
Sicherheit seit 60 Jahren: Volvo brachte den Dreipunktgurt ins Automobil.
(Bild: Volvo)

Seit 60 Jahren ist die Erfindung des Dreipunkt-Sicherheitsgurtes der wichtigste Lebensretter im Straßenverkehr. Und sie ist eine Volvo-Erfindung. Experten schätzen, dass mehr als eine Million Menschen dem Gurt ihr Leben verdanken. In Deutschland präsentierte der schwedische Hersteller das Rettungspotenzial des Dreipunkt-Gurts einem breiten Publikum erstmals bei der Internationalen Automobilausstellung IAA im Jahr 1959. Um die Sicherheitstechnik rasch zu verbreiten, gab Volvo sein Patent auch zur Nutzung für andere Fahrzeughersteller frei. Serienmäßig eingeführt wurde der patentierte Dreipunkt-Sicherheitsgurt zuerst in den Modellen Volvo PV544, von Fans liebevoll „Buckel-Volvo“ genannt, und im Volvo P120 Amazon. Beide Modelle verfügten bereits über Befestigungspunkte für Sicherheitsgurte auf den Rücksitzen.

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Wie sicher sind Sicherheitsgurte? Diese Frage diskutierten damals deutsche Fachmedien, Mediziner und Autokäufer. Daraufhin organisierte Volvo eine dramatische Demonstrationsfahrt auf dem Frankfurter Messegelände im Vorfeld der IAA. Dabei überschlug sich der schwedische Stunt-Pilot Orvar Aspholm mit einem Volvo PV544 gleich viermal, kletterte aber dank des schützenden Dreipunkt-Sicherheitsgurtes unverletzt aus dem Fahrzeugwrack. Genau so, wie Aspholm es schon zuvor über 30-mal mit Volvo Modellen praktiziert hatte. Die letzten Gurtskeptiker überzeugte Volvo im Jahr 1967 mit dem legendären „28.000 Unfälle-Report“. Die Untersuchung basierte auf den Daten aller Unfälle eines Jahres in Schweden und bewies, dass der Sicherheitsgurt Leben rettete und die Zahl der Verletzungen um 50 bis 60 Prozent reduzierte.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es erste Patente auf Gurtsysteme, und bereits in den Dreißigerjahren forderten amerikanische Ärzte die Ausrüstung von Automobilen mit Gurten – die frühen Rückhaltesysteme fanden jedoch kaum Verbreitung. Erst der im Jahr 1958 von Volvo eingestellte ehemalige Luftfahrtingenieur Nils Bohlin erzielte den Durchbruch. Bohlin wusste, dass der Gurt die bei Kollisionen auftretenden Kräfte dort absorbieren musste, wo der Körper am stärksten war und zwar am Becken und an der Brust. Umgesetzt hat er dies durch eine Kombination aus Becken- und diagonalem Körpergurt, wobei der untere Punkt der V-förmigen Geometrie auf den Boden wies. Gleichzeitig musste dieses Rückhaltesystem simpel zu handhaben und zu verstellen sein. Bohlins Erfindung wurde auch in Deutschland gewürdigt. Bereits 1985 wählte das Deutsche Patentamt den Dreipunkt-Sicherheitsgurt zu einer der acht Erfindungen, die den Menschen in den vergangenen 100 Jahren den größten Nutzen beschert haben.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group, Vogel Business Media GmbH & Co. KG