Gefahren Volvo EX60 – der schwedische Entschleuniger

Von Julia Mauritz 6 min Lesedauer

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Mit dem vollelektrischen EX60 schließt Volvo eine relevante Lücke in seinem Modellportfolio und setzt ein Ausrufezeichen im Segment der Mittelklasse-SUVs – und das nicht nur in Sachen Ladezeit und Reichweite.

Der EX60 verspricht bis zu 810 Kilometer Reichweite.(Bild:  Mauritz – VCG)
Der EX60 verspricht bis zu 810 Kilometer Reichweite.
(Bild: Mauritz – VCG)

Es dürfte zumindest in der jüngeren Vergangenheit kaum ein Modell gegeben haben, das für Volvo in Deutschland so wichtig ist wie der EX60: Die schwedische Premiummarke schließt mit dem vollelektrischen SUV eine schmerzende, offene Flanke im Gewerbe- und Flottengeschäft: „Das vollelektrische D-SUV-Segment ist in Deutschland für uns besonders relevant. Bislang hatten wir hier schlichtweg kein passendes Angebot“, sagt Volvo-Deutschland-Geschäftsführer Herrik van der Gaag. Das ändert sich jetzt.

Und das Warten hat sich gelohnt: Der EX60 ist ein optisch gefälliges Premium-SUV mit einer maximalen Reichweite bis 800 Kilometer, einer Ladeleistung jenseits der 300 kW und einem skandinavisch geprägten Innenraum, mit dem man nahezu geräuschlos dahingleiten kann und selbst im dichten Stadtverkehr entschleunigt.

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Erhältlich ist der EX60, der gegen deutsche Premiumwettbewerber wird den BMW iX3, Audi Q6 e-tron oder GLC EQ antritt, in drei Varianten: Bereits das heckgetriebene, mindestens 62.990 Euro teure Einstiegsmodell P6 geizt dabei nicht mit Leistung. Es bringt 275 kW/374 PS auf die Straße und braucht 5,9 Sekunden, um vom Stand aus auf 100 km/h zu beschleunigen. Verbaut hat Volvo in der Version einen Akku mit 80 kWh Kapazität.

Dazu gesellen sich zwei Allradvarianten: Der 375 kW/510 PS starke P10 AWD und als Topversion der P12 AWD, der 500 kW/680 PS leistet. Letzterer fährt mit einem 117 kWh-Akku, im WLTP-Zyklus gemessen, bis zu 810 Kilometer, bevor ein Stopp an der Ladesäule nötig wird. Die Auslieferungen für den leistungsstärksten EX60 sollen im Januar 2027 starten.

Wir konnten eine längere Runde mit dem P10 in der Topausstattung Ultra drehen, der 72.790 Euro kostet. Noch bevor man das Auto mit dem Smartphone öffnet, stechen dabei einige Besonderheiten ins Auge. Eine davon ist das raffinierte Design: Im Vergleich zu seinen Wettbewerbern wirkt das immerhin gut 4,8 Meter lange und 1,64 Meter hohe SUV nicht wuchtig, sondern elegant zurückhaltend – passend zum schwedischen Lagom-Prinzip, das für Balance und bewusste Angemessenheit steht. Auch auf etwaige leuchtende Begrüßungszeremonien und Lichtprojektionen auf die Straße hat Volvo in diesem Zug verzichtet. Schade für die Nostalgiker ist, dass es auch für den EX60 keinen klassischen Schlüssel gibt. Stattdessen fungieren entweder das eigene Smartphone, eine Schlüsselkarte oder ein wenig wertig anmutender tastenloser Schlüssel als Türöffner.

Volvo verzichtet auf klassische Türgriffe

Ebenfalls außergewöhnlich sind die Mini-Türgriffe in Flossenform, so genannte Wing Grips, die Volvo am unteren Rand der Seitenfenster platziert hat. Das verbessert laut Hersteller die Aerodynamik und soll das cleane Außendesign des SUVs unterstreichen. Die Sorge, dass die Insassen bei einem Unfall Probleme haben könnten, das Auto zu verlassen, oder Ersthelfer beim Ausfall der Batterie die Insassen nicht erreichen, sei unbegründet, versichert der Hersteller.

Öffnet man die vorderen Türen des EX 60, folgt die nächste Besonderheit: Sie schwenken so weit auf, dass man diese vom Fahrersitz aus nicht schließen kann, ohne sich sehr weit nach außen lehnen zu müssen. Ist das gelungen, wird man im großzügigen Innenraum förmlich umhüllt von natürlich anmutenden und haptisch angenehmen, vielfach recycelten Materialien. Ins Auge stechen dabei vor allem zwei Dinge: Das abgeflachte, auffallend kompakte Lenkrad und die beiden außergewöhnlichen Displays. Das nach einer Seite abgerundete, 11,4 Zoll große Fahrerinformationsdisplay über dem Lenkrad hat Volvo weit nach vorne verlagert, damit der Fahrer beim Ablesen seinen Blick nur ganz leicht von der Straße nach unten wenden muss. Es ersetzt das Head-up-Display.

Volvo-typisch sucht man klassische Bedienelemente, mit Ausnahme diverser Tasten auf dem Lenkrad, vergeblich. Als Schaltzentrale für sämtliche Funktionen fungiert in der Mittelkonsole ein 15 Zoll großer OLED-Touchscreen mit leicht nach hinten gewölbter Rändern. Anders als in den anderen EX-Modellen ist dieser im EX60 wieder horizontal eingebaut. Ebenfalls außergewöhnlich ist, dass das Staufach im EX60 von der Beifahrerseite in die Mittelkonsole gerückt ist.

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Die bequemen Sitze sind nicht nur vorne, sondern auch im Fond langstreckentauglich. Es gibt nicht nur Bein- sondern auch Kopffreiheit satt. Das elektrochromatische Panorama-Glasdach, das sich bei Sonneneinstrahlung per Kopfdruck abdunkeln lässt, verstärkt das großzügige Raumgefühl.

Das skandinavische Hygge-Gefühl hat Volvo im EX60 mit Technik der neuesten Generation gekoppelt. Zum Einsatz kommt eine von Volvo weiterentwickelte Hochleistungs-Computerplattform, die den neuen Namen „Hugin Core“ trägt. Sie befähigt den EX60, Daten, die unter anderem von Kameras, Radarsystemen und Sensoren stammen, blitzschnell und simultan zu verarbeiten. Das steigert unter anderem die Sicherheit bei drohenden Gefahren. Da die Fahrzeugdaten nahtlos mit dem Infotainment verknüpft sind, reagieren zudem die beiden Displays extrem schnell. Auch der Sprachbedienung kommt die hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit zugute.

In puncto Bedienung tragen eine vertikal angeordnete Kontextleiste und eine Systemleiste am unteren Rand des 15 Zoll Touchscreens dazu bei, dass man nicht lange rätseln muss. Gleichwohl wünscht man sich an der einen oder anderen Stelle durchaus eine klassisch platzierte Taste – beispielsweise beim Umstellen des Lenkrads, bei der Anpassung der Seitenspiegel oder aber bei der Suche nach den Verbrauchswerten. Als Bedienungs-Alternative stellt Volvo einen Sprachassistenten zur Verfügung, der auf Google Gemini basiert. Ihm kann man dank der natürlichen Sprachverarbeitung auch komplexere Fragen stellen, beispielsweise wo man gute Brötchen in der Nähe findet.

Sehr geringe Geräuschkulisse beim Fahren

Hat man im Navi sein Ziel eingegeben und über den rechten Lenksäulenhebel die Schaltstellung D gewählt, rollt der EX60 außergewöhnlich sanft und dank Noise-Cancelling-System und Akustikverglasung, die der Topausstattung Ultra vorbehalten ist, auffallend geräuschlos los. Die immerhin 375 kW/510 PS der P10-Version rücken dabei dezent in den Hintergrund. Auch wenn der EX60 Sprints souverän meistert, merkt man beim Fahren, dass das Modell eher für die Langstrecke optimiert wurde. Zudem spürt man, dass die Sicherheit zu den Markenkernwerten von Volvo zählt. Egal ob auf kurvigen Straßen, auf der Autobahn oder aber auf schlechten Straßenbelägen in der Großstadt: Das Modell meistert jede Fahrsituation souverän. Am Ziel kommt man auch dank des adaptiven Fahrwerks tatsächlich entschleunigt an.

Für maximale Sicherheit an Bord sorgt im EX60 eine ganze Armada an geschickt platzierten Kameras, Radarsystemen und Sensoren im Außen- und Innenbereich. So gibt es zwei Fahrerüberwachungskameras, Radare zur Insassenerkennung und eine Kamera zur Insassenüberwachung.

Ein Novum im EX60 ist der multi-adaptive Sicherheitsgurt mit mehrstufigen Gurtkraftbegrenzern. Dessen Besonderheit ist, dass er die Rückhaltekraft der vorderen Sicherheitgurte mithilfe von Außen- und Innenraumsensoren individuell anpasst. Der zentrale Fahrzeugcomputer analysiert im Falle einer Kollision unter anderem die Position und die Eigenschaften der Insassen.

Für ein sicheres Gefühl bei längeren Strecken sorgt auch die ordentliche Reichweite des EX60. In der getesteten P10-Version ist die maximale Reichweite, im WLTP-Zyklus gemessen, mit 613 Kilometern angegeben. Innerorts stellt der Hersteller bis zu 757 Kilometer in Aussicht. Auf der zurückgelegten, E-Auto-freundlichen Teststrecke jedenfalls sank die Reichweite kaum, und der Bordcomputer vermeldete nach der knapp 100 Kilometer langen Testfahrt bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 35 km/h einen durchaus akzeptablen Verbrauch von 13,7 kWh.

Steuert man eine Ladesäule an, lässt sich die im EX60 P10 verbaute 92 kWh-Lithium-Ionen-Batterie dank serienmäßiger 800-Volt-Technik schnell wieder auffüllen. Testen konnten wir das nicht, aber bei einer maximalen Ladeleistung von 370 kW lässt sich der EX60 im Idealfall in gerade einmal 16 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden. Für 315 Kilometer Reichweite genügt ein zehnminütiger Stopp an einer entsprechend geeigneten DC-Ladesäule. Wer das Auto über den 22-kW-Onboard-Charger lädt, braucht für den Ladevorgang ebenfalls akzeptable 4,5 Stunden.

 

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