Volkswagenkrise VW-Chef Blume sieht „entscheidende Wochen“ für den Konzern

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Die Belegschaften bei VW fordern endlich Klarheit. Wegen der bisher nur „oberflächlichen Infos“ sind nun Betriebsversammlungen angesetzt. Konzernchef Oliver Blume und Markenchef Thomas Schäfer stellen sich an den deutschen Standorten den Fragen.

Thomas Schäfer, Vorstandschef der Marke VW Pkw, muss sich diese Woche auf Betriebsversammlungen der Belegschaft stellen (Archivfoto).(Bild:  Volkswagen AG)
Thomas Schäfer, Vorstandschef der Marke VW Pkw, muss sich diese Woche auf Betriebsversammlungen der Belegschaft stellen (Archivfoto).
(Bild: Volkswagen AG)

Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume schwört die Belegschaft auf tiefgreifende Einschnitte ein und fordert angesichts einer globalen Branchenkrise Zusammenhalt. „Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen“, sagte er der „Bild am Sonntag“. „Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt.“

In dieser Woche startet eine Reihe von außerordentlichen Betriebsversammlungen bei Volkswagen. Die Arbeitnehmerseite hatte vor den Werksferien Details zu den Sparplänen verlangt.

„Die nächsten Jahre sind entscheidend, wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt“, sagte Blume weiter. Die Ursachen für den enormen Spardruck sieht er in einem fundamentalen Marktwandel und globalen Verwerfungen: „Die weltweite Autoindustrie ist in einer Mega-Krise. Und der Volkswagen-Konzern ist mittendrin. Geopolitik, Handelsbarrieren, Regulatorik, schwache Märkte und massiver Wettbewerb fordern alle.“ Blume appellierte an den Kampfgeist der Belegschaft: „Für die Menschen, unser Unternehmen und die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland.“

Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ für VW zu arbeiten und dabei den Sparkurs deutlich zu verschärfen. Seitdem wird bei dem Konzern um vier Werke und bis zu 50.000 zusätzliche Stellen gebangt. Mit Blick auf die als bedroht bezeichneten Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm hatte Blume im Interview gesagt, dass es für diese Standorte heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er Jahre gebe.

„Mehr als kritische“ Lage

Blume hatte erst kürzlich in einem Interview im VW-Intranet gesagt, die Lage bei VW sei „mehr als kritisch“. Es gebe dringenden Handlungsbedarf. Die Rendite von 3,8 Prozent sei zwar solide, reiche aber bei weitem nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel für neue Technologien und Produkte sowie die Standorte zu erwirtschaften.

Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen sei nicht getroffen. Allerdings müsse der Konzern „in Europa Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen pro Jahr abbauen“, hatte Blume jüngst gesagt. Die Positionen der Betriebsräte und der IG Metall sowie der niedersächsischen Landesregierung und Oberbürgermeistern aus VW-Standorten ist auffallend einheitlich: Sie alle fordern den Vorstand auf, möglichst schnell für Klarheit zu sorgen. Drastische Schritte wie die Schließung von Werken gelte es in jedem Fall zu vermeiden.

Betriebsversammlungen sollen Klarheit bringen

Dem Konzernbetriebsrat reichen die „oberflächlichen Infos“ der Konzernleitung nicht aus. Deshalb hat die Arbeitnehmervertretung zu Betriebsversammlungen geladen, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. Bis Ende August sind neun Veranstaltungen geplant, darunter Versammlungen in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal. Die erste Betriebsversammlung steht am Dienstag, 25. August, in Wolfsburg an. Tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss macht am 31. August Hannover.

Zum Auftakt am Dienstag in der Wolfsburger Konzernzentrale soll Blume gemeinsam mit Markenchef Thomas Schäfer zur Belegschaft sprechen. Die beiden weiteren Termine, die Blume und Schäfer gemeinsam absolvieren, sind mit Zwickau und Emden an zwei der vier Standorten, die möglicherweise auf der Kippe stehen.

Die Volkswagen-Belegschaft geht laut einer internen Umfrage hart mit der Außendarstellung des Unternehmens durch den Vorstand ins Gericht. Wegen der „desaströsen Kommunikation nach außen durch den Vorstand“ seien die Mitarbeiter und deren Familien „verunsichert und verängstigt“, heißt es in einem Intranet-Artikel, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

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