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VW-Chef Brandstätter zum Golf 8: „Die Zahlen geben uns recht“

Autor: Christoph Seyerlein

VW hat die Golf-8-Familie komplettiert. Markenchef Ralf Brandstätter meint: „Wir haben an jeden Use Case gedacht.“ Auch die Verkaufszahlen sollen das belegen. Darüber lässt sich allerdings streiten.

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VW-Markenchef Ralf Brandstätter vor dem Golf 8.
VW-Markenchef Ralf Brandstätter vor dem Golf 8.
(Bild: Volkswagen)

Mit den Hybrid-Varianten, der R-Version und dem Kombi-Modell Variant hat Volkswagen knapp ein Jahr nach dem Marktstart in Deutschland die neue Golf-Familie komplettiert. Grund genug für VW-Markenchef Ralf Brandstätter, die eigene Mannschaft zu loben: „Digital, vernetzt und vollgepackt mit technischen Innovationen, die jede Fahrt komfortabler, sicherer und schöner machen. Wir haben bei der Golf-Familie an jeden Use Case gedacht“, schreibt der Manager beim Karrierenetzwerk Linkedin.

Und auch mit der bisherigen Performance des Autos ist Brandstätter zufrieden. „Die Zahlen geben uns recht. Auch im Oktober war der Golf wieder mit Abstand die Nr. 1 bei den Neuzulassungen“, erklärte er.

Vom reinen Volumen her kann man ihm mit Blick auf den deutschen Markt dabei nicht widersprechen. Mit 11.290 Neuzulassungen behauptete sich der Golf im zurückliegenden Monat klar vor dem zweitplatzierten Opel Corsa (7.185 Einheiten). Und auch im Gesamtjahr liegt der Kompaktwagen mit bislang 112.313 Neuzulassungen deutlich vor dem dahinter folgenden VW Tiguan (50.389 Einheiten).

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der neue Golf dem Niveau seines Vorgängers aus dem vergangenen Jahr gehörig hinterherhechelt. Zum gleichen Zeitpunkt 2019 hatte VW vom Golf 7 hierzulande 169.137 Fahrzeuge abgesetzt – und damit rund ein Drittel (33,6 %) mehr als 2020 vom Golf 8.

Pannenserie zum Start

Zu beachten ist dabei natürlich, dass der Automarkt infolge der Corona-Pandemie im Frühjahr stark eingebrochen war und sich noch immer nicht komplett erholt hat. Der Golf war allerdings auch schon vor Ausbruch der Krise nicht in die Spur gekommen. Einem verpatzten Marktstart mit kaum verfügbaren Fahrzeugen im Handel folgte gar ein Auslieferungsstopp wegen Software-Problemen beim E-Call-System.

Nach und nach schien sich das Modell dann zu erholen. Im Juli und August schaffte der Golf hierzulande ein Zulassungsplus im Vergleich zu den Vorjahresmonaten. Dann war es allerdings auch schon wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Im September (-24,5 %) und Oktober (-41,9 %) brach der Absatz wieder ein.

Innovationen, die kaum ein Golf-Fahrer will?

Woran liegt das? Vermutlich unter anderem damit, dass der Hersteller dem Handel beim Golf zeitweise mehr Spielraum für günstige Angebote gab als bei anderen Modellen. Inzwischen ist bei den Wolfsburgern die „Mehrwertsteuer geschenkt“-Aktion längst vorbei und mancher Partner berichtet wieder von „miesen Auftragseingängen“.

Kritik übt der Handel seit jeher auch am Auto an sich: Wenn Brandstätter davon spricht, der Golf sei „vollgepackt mit technischen Innovationen“, dürfte ihm mancher Händler entgegenhalten, dass der klassische Golf-Kunde das gar nicht wolle. Mit seinem komplexen Bediensystem habe VW das Modell an den Kundenwünschen vorbei entwickelt, hieß es in den vergangenen Monaten immer wieder aus dem Händlernetz.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«