VW: Tiefe Einschnitte im Deutschland-Vertrieb

Autor: Christoph Seyerlein

Volkswagen verschlankt seine Vertriebsstrukturen in Deutschland. Bis zu 20 Prozent der Stellen innerhalb der Organisation fallen weg. Die Gründe dafür nennt Deutschlandchef Holger B. Santel.

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(Bild: Volkswagen)

Volkswagen krempelt seine Vertriebsorganisation in Deutschland um. Die bislang sieben separaten Sales-Regionen der Volkswagen AG und die Service-Regionen der Volkswagen Vertriebsbetreuungsgesellschaft mbH in Deutschland bündelt der Hersteller künftig an den vier Zentren Nord in Wedemark, West in Köln, Ost in Ludwigsfelde und Süd in München. Durch die Zusammenlegung entsteht die neue Gesellschaft „VW NSC GmbH“.

Das geht auch mit einem kräftigen Stellenabbau einher. Bis 2023 will VW seine Organisation hierzulande um 20 Prozent verschlanken. In einer Mitteilung des Herstellers heißt es, die Maßnahmen sollen „sozialverträglich entlang der demographischen Kurve“ stattfinden. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. Mit dem Umbau werden die Wolfsburger im September 2020 beginnen.

VW-Deutschlandchef Holger B. Santel begründete die Pläne damit, dass „die steigende Anzahl neuer Kontaktpunkte und der direkten Interaktionsmöglichkeiten mit Kunden eine erhöhte Flexibilität und große Agilität“ erfordere. Ziel sei ein „schnelleres, schlagkräftigeres und schlankeres Zusammenarbeiten“. Zudem erhofft sich Volkswagen eine Optimierung des Geschäfts- und Steuerungsmodells sowie eine deutliche Effizienzsteigerung. Darüber hinaus gewährleiste die neue Struktur „die optimale Vorbereitung auf neue Geschäftsaktivitäten, die Digitalisierung der Marke Volkswagen Pkw sowie die am 1. April 2020 in Kraft tretenden Händlerverträge“.

Santel kündigte an, dass der Online- und Direktvertrieb bei VW in seiner Bedeutung wachsen werde. „Kunden erwarten eine lückenlose, individualisierte Betreuung über den gesamten Kaufprozess“, so der Manager. In dem Zusammenhang entsteht bei den Wolfsburgern auch eine neue „Digital GmbH“ in der die VW VG mbH und die LDB Analytics Services GmbH aufgehen. Jene Einheit soll künftig als markenübergreifender Dienstleister an den Standorten Wolfsburg und Berlin die gesamte Wertschöpfungskette von der Datenhaltung und -analyse über die Entwicklung sowie den Betrieb von Software-Produkten für den Handel abdecken.

Handel zeigt sich skeptisch

Im Handel selbst reagiert man zurückhaltend auf die Veränderungen bei VW. Im Gespräch mit »kfz-betrieb« äußerte ein Partner die Sorge, die Kommunikation zwischen Hersteller und Handel könnte unter den Sparmaßnahmen leiden. Schon zuletzt hatte es im Austausch beider Seiten ab und an gehapert. So stieß es beispielsweise einigen VW-Händlern sauer auf, dass die Jahresziele für 2020 vom Hersteller teils maschinell erstellt und nicht mehr in Absprache zwischen Regionalleiter und Unternehmen ausgehandelt wurden.

Erhöhter Kommunikationsbedarf besteht auch rund um den ID 3. Hier klagt der Handel, nach wie vor keinen genauen Termin für die Markteinführung des E-Modells zu kennen. Volkswagen selbst spricht hier seit Monaten von einem Termin im Sommer 2020. Zuletzt hatte es allerdings Berichte gegeben, jener Zeitplan stehe wegen Software-Problemen bei dem Fahrzeug auf der Kippe. VW dementierte das.

Gleichzeitig erwartet der Handel vom Hersteller Perspektiven, mit dem eigenen Geschäft wieder höhere Renditen erzielen zu können. Mindestens zwei Prozent seien für die Partner nötig, um die zukünftigen Aufgaben schultern zu können, war zuletzt aus dem Netz zu hören. Mehrere Händler zeigten sich gegenüber »kfz-betrieb« skeptisch, ob die Verschlankung innerhalb der Vertriebsorganisation beim Hersteller dazu positiv beitragen könne. Genaue Angaben zu Händlernetzrenditen macht VW traditionell nicht, Santel hatte zuletzt aber betont, dass diese sich positiv entwickelten.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«