VW will eine „Neugestaltung des Autokaufs“

VW-Partner müssen schon 2019 unter neuen Voraussetzungen arbeiten

| Autor: Christoph Seyerlein

VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sieht „magische Jahre“ auf den Hersteller zukommen.
VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sieht „magische Jahre“ auf den Hersteller zukommen. (Bild: VW)

Trotz zahlreicher Diskussionen sieht es danach aus, dass fast alle VW-Partner, die einen neuen Händlervertrag vom Hersteller angeboten bekommen, diesen auch unterschreiben werden. „Stand jetzt haben gut 90 Prozent unserer europäischen Partner den Vertrag unterzeichnet“, sagte VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann am Donnerstag in Wolfsburg.

Zu Zahlen in Deutschland äußerte er sich nicht. Allerdings haben die Händler hierzulande auch noch ein wenig mehr Zeit für die Unterschrift als ursprünglich geplant. Statt dem angepeilten Stichtag 30. November gilt jetzt der 14. Dezember, wie »kfz-betrieb« aus Händlerkreisen erfuhr und ein VW-Sprecher auf Nachfrage auch bestätigte. Der Grund: Bis zuletzt schliffen die Parteien an der Vertriebsrichtlinie, die für Kernthemen des neuen Vertrages wie etwa Direktvertrieb, Händlermarge, EDV oder Standards maßgeblich ist. VW konnte diese deshalb erst relativ spät an die Partner verschicken.

Das Thema Direktvertrieb griff Stackmann am Mittwoch noch einmal explizit auf. „Wir werden dank der neuen Verträge erstmals die Möglichkeit haben, direkt mit den Kunden in Kontakt zu treten – über den gesamten Lebenszyklus seines Fahrzeugs hinweg.“ VW will jene Option dafür nutzen, Prozesse zu entwickeln, „die das Leben einfacher machen“, so Stackmann. Das erfolge aber in enger Abstimmung mit dem VW-Partnerverband. Allerdings sagte Stackmann auch einen Satz, der die aktuelle Verunsicherung im Händlernetz weiter befeuern könnte: „Wir arbeiten an der Neugestaltung des Autokaufs“, so der Vertriebsvorstand.

Eine entscheidende Rolle soll dabei das „weltgrößte automobile Ökosystem“ spielen, das VW aufziehen will, wie Markenchef Ralf Brandstätter sagte. Wichtig wird dabei die Automotive Cloud, die Volkswagen aktuell mit Microsoft und Diconium aufbaut. Schon bald sollen sich noch weitere Firmen an den digitalen Aktivitäten Volkswagens beteiligen, man führe gerade viele Gespräche und sei zuversichtlich, bereits Anfang 2019 weitere Partnerschaften verkünden zu können, erklärte Brandstätter.

Anfang der Woche hatte der Manager eingestanden, dass es bei VW und in der gesamten Autoindustrie an digitaler Kompetenz mangele und man deswegen auf Kooperationen mit externen Firmen angewiesen sei. Über die Automotive Cloud will der Hersteller künftig beispielsweise Functions on Demand anbieten. Stackmann sagte dazu: „Es entsteht ein virtuelles Kaufhaus.“ Der Handel solle daran aber beteiligt werden, „es geht nur gemeinsam“, betonte der Vertriebsvorstand.

„Wir stellen unsere Autos nicht mehr in den Händlerschauraum und schauen dann, was passiert“

Bei der „Neugestaltung des Autokaufs“ will VW künftig aber auch auf ein Instrument setzen, bei dem der Handel zunächst keine Rolle spielt. Der elektrische I.D. Neo, den VW 2020 auf den Markt bringen wird, wird das erste Auto sein, das Kunden direkt beim Hersteller vorbestellen und reservieren können. Im ersten Halbjahr 2019 will VW „Preorders“ für das Elektroauto annehmen. Stackmann sagte dazu: „Wir stellen unsere Autos nicht mehr in den Händlerschauraum und schauen dann, was passiert. Unsere Kunden sollen die letzte Phase vor dem Marktstart begleiten können.“ Ganz ähnlich sind die Volkswagen-Konzerntöchter Audi und Porsche bei der Einführung ihrer ersten Elektrofahrzeuge E-Tron und Taycan vorgegangen.

Für VW bedeute das auch den „Startschuss ins Leben des E-Commerce“, sagte Stackmann. Ziel dabei sei es, auch weiter „Begeisterung für die individuelle Mobilität bei unseren Kunden zu wecken.“ Von der elektrischen I.D.-Familie wolle man beispielsweise schon 2020 weltweit mindestens 100.000 Einheiten verkaufen. „Ich sehe magische Jahre auf uns zukommen“, schwärmte Stackmann.

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