VW: „Uns fehlt die digitale Kompetenz“

COO Brandstätter sieht Nachholbedarf beim Autobauer

| Autor: Christoph Seyerlein

VW-COO Ralf Brandstätter bei der Präsentation des T-Cross mit Model Cara Delevingne.
VW-COO Ralf Brandstätter bei der Präsentation des T-Cross mit Model Cara Delevingne. (Bild: Volkswagen)

Ralf Brandstätter will VW fit für eine digitale und elektrische Zukunft machen. Zum Auftakt des „Handelsblatt Auto-Gipfels“ in Wolfsburg skizzierte der Markenchef seine Pläne – und gab unumwunden zu, dass beim Autobauer an mancher Stelle nachgebessert werden muss. „Noch fehlt uns die digitale Kompetenz. Das ist eine offene Flanke“, sagte Brandstätter mit Blick auf manche Konkurrenten, die im digitalen Wandel bereits weiter vorangekommen sind als die Wolfsburger.

Generell hält Brandstätter die Digitalisierung für den größten „Game-Changer“ im Automobilgeschäft. Sie verbinde Hardware und Software zu einem Dienst, sagte der Manager. „Wir müssen künftig Autos anbieten, die verschiedenste Kundenbedürfnisse bedienen können. Unsere Fahrzeuge müssen das Leben unserer Kunden erleichtern.“ Damit das gelingt, setzt Volkswagen zunehmend auf Partnerschaften.

Beispielsweise arbeitet der Autohersteller mit Microsoft am Aufbau einer „Automotive Cloud“, in der die Wolfsburger ihre digitalen Angebote wie etwa Functions on demand künftig bündeln wollen. Entscheidend helfen soll dabei auch das auf digitale Geschäftsmodelle spezialisierte Unternehmen Diconium, bei dem Volkswagen kürzlich mit 49 Prozent eingestiegen ist.

Ebenfalls fordern – wenn auch nicht ganz so stark wie die Digitalisierung – werde den Hersteller die zunehmende Fokussierung auf die Elektromobilität, sagte Brandstätter. „Wir wollen Elektroautos für Millionen von Menschen attraktiv und bezahlbar machen“, unterstrich der Marken-COO. In den kommenden Jahren investiert der Hersteller deshalb 44 Milliarden Euro in die Elektrifizierung. Das erste Auto aus der neuen Elektro-Familie I.D. namens „Neo“ soll 2020 auf den Markt kommen. „Er soll das E-Auto aus der Nische in die Mitte führen“, kündigte Brandstätter an.

Sorgen, dass das Auto in Zukunft generell an Bedeutung verlieren könnte, hat der Manager nicht. „Wenn wir es richtig angehen, hat das Automobil seine beste Zeit noch vor sich. Es wird sicherer, sauberer, komfortabler und voll vernetzt sein“, zeigte sich Brandstätter optimistisch. Ganz alleine könne man die anstehenden Aufgaben aber nicht meistern. Auch die Politik sei in der Pflicht, wenn die Automobilindustrie eine Schlüsselbranche in Deutschland bleiben wolle, so Brandstätter. „Wir brauchen eine 'Agenda Auto', einen Schulterschluss mit der Politik“, forderte der VW-Markenchef.

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