125 Jahre Auto: Einmal volltanken bitte!

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Bald konnte die parallel zur Motorisierung steigende Nachfrage nach Kraftstoffen nicht mehr allein mit den oft abenteuerlichen und kostspieligen Überland- und Seetransporten bisheriger Machart, vor allem aus Russland und Texas, beantwortet werden.

Bereits vor der Jahrhundertwende revolutionierten die Väter der heutigen Mineralölkonzerne, darunter der Deutsche Wilhelm Anton Riedemann (damals Mitgründer von Standard Oil Deutschland, heute Esso) das Ölgeschäft; er baute die erste Tankdampferflotte der Welt auf. Auch die Brüder Sam und Marcus Samuel (Gründer von Shell) setzten auf die wegen der Explosionsgefahr von Anfang an gefürchteten Tankfrachter, welche die Transportkosten halbierten.

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1917 präsentierte die Standard Oil of Indiana in den USA den Prototypen der Tankstelle, wie sie auch heute noch üblich ist: Zapfsäulen, Fahrzeuge und tankende Kunden werden von einem freistehenden Dach vor dem Wetter geschützt, ein an der Straße stehender Preismast zeigt die aktuellen Preise - und bezahlt wird in einem separaten Kassenhäuschen.

In Deutschland wurde die erste Tankstelle dieser Art 1922 am Raschplatz in Hannover von der Firma Olex in Betrieb genommen. Im August 1927 konnte man in Hamburg erstmals nach amerikanischem Vorbild sicher und direkt durch einen Füllrüssel tanken - zwanzig Jahre nach Einführung dieses Tankverfahrens in den USA.

Die goldenen Dreißiger

Die größte Dichte erreichte das deutsche Tankstellennetz Mitte der dreißiger Jahre; damals sicherten über 56.000 Stationen - viermal mehr als heute - eine flächendeckende Versorgung der immer noch wohlhabenden Bürgern und Geschäftsleuten vorbehaltenen Kraftfahrzeuge. Schon zu jener Zeit wurden unterschiedlichen Benzinqualitäten angeboten. So gab es bereits seit 1924 ein klopffesteres Superbenzin, das durch Beimischung von etwa 40 Prozent Benzol gewonnen wurde.

Führt heute der E10-Kraftstoff zu Diskussionen, so war es 1930 die gesetzlich vorgeschriebene Beimischung von Kartoffelspiritus, die den Autofahrern Sorgen vor Motorschäden bereitete. Vieles ändert sich, manches bleibt aber gleich. So auch der Ruf an den erneut populär gewordenen Zapfsäulen mit Bedienung: Einmal volltanken bitte!

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