Die Krise trifft Audi immer härter. Im dritten Quartal fahren die Ingolstädter nur noch einen vergleichsweise winzigen Gewinn ein. Und parallel steht Unternehmenschef Döllner weiter unter Druck.
Bei Audi läuft es immer schlechter. Der Quartalsgewinn ist zuletzt um fast 90 Prozent eingebrochen.
(Bild: Audi)
Der Autobauer Audi hat im dritten Quartal nur knapp die roten Zahlen vermieden. Nach Steuern verdiente die VW-Tochter nur noch 95 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilt. Das waren 87 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, als der Gewinn noch bei 718 Euro Millionen lag. Damit schlittert der Teilkonzern, zu dem neben der Kernmarke auch Lamborghini, Bentley und Ducati gehören, finanziell immer tiefer in die Krise. Währenddessen steht Konzernchef Gernot Döllner weiter wegen eines Auftritts mit US-Präsident Donald Trump kurz vor den Zwischenwahlen in der Kritik.
Nach neun Monaten hat Audi 1,22 Milliarden Euro Gewinn eingefahren, und 42 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Beides sind starke Rückgänge. Angesichts des ausgesprochen schlechten dritten Quartals passt der Konzern nun auch seine Prognose für das Gesamtjahr nach unten an. Immerhin lässt sich auch aus der neuen Prognose aber ableiten, dass das vierte Quartal wieder besser wird, wie Finanzchef Jürgen Rittersberger sagt.
„Die Geschäftsentwicklung wurde insbesondere durch den Markteinbruch in China – vor allem bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor –, die steigende Wettbewerbsintensität sowie den zunehmenden Exportdruck chinesischer Hersteller auf den europäischen Markt belastet“, heißt es von Audi. „Hinzu kommen anhaltende Unsicherheiten infolge der Lage im Nahen Osten und dem damit verbundenen Anstieg der Energiekosten sowie durch US-Zölle.“
Das ist die Krise, der sich alle deutschen Hersteller gegenübersehen, doch die Ingolstädter werden besonders hart getroffen – auch weil sie kein eigenes Werk in den USA haben und gerade bei wichtigen Modellen Wechsel laufen. Zum Vergleich: Konkurrent Mercedes hat im abgelaufenen dritten Quartal 1,52 Milliarden Euro Gewinn gemacht. BMW legt erst nächste Woche Zahlen vor.
„Die Kennzahlen zeigen deutlich: Der Handlungsbedarf bei Audi ist hoch und duldet keinen Aufschub“, sagt Finanzchef Rittersberger. „Vor allem im dritten Quartal hat sich das Umfeld noch einmal erheblich verschärft. Unsere Maßnahmen wirken, aber aufgrund des enormen Wettbewerbsdrucks müssen wir sie verstärken. Deshalb setzen wir auf konsequente Kostendisziplin, reduzieren Komplexität und erhöhen die Effizienz unserer Strukturen.“
Dazu, was das für die deutschen Standorte bedeutet, bleibt Audi aber unkonkret. Mit der im vergangenen Jahr geschlossenen Zukunftsvereinbarung, habe man wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht, heißt es. „Darauf aufbauend sollen weitere Maßnahmen entwickelt werden, um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung nachhaltig zu sichern. Die hierfür notwendigen Schritte sollen gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat im Dialog erarbeitet werden.“ Die Zukunftsvereinbarung beinhaltete unter anderem den Abbau Tausender Jobs in Deutschland.
Aktuell wird um weitere Einsparungen gerungen. Dabei steht sogar das Aus des Werks in Neckarsulm im Raum. Anfang Oktober hat Audi angekündigt, die sogenannte Schlechtwetterklausel zu ziehen. Das ist eine Vereinbarung aus dem Jahr 2019, die festlegt, dass Geschäftsführung und Betriebsrat in Verhandlungen über Sparmaßnahmen treten müssen, wenn sich wesentliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern.
Ärger für den Chef
Ausgerechnet der Versuch, die Probleme in den USA in den Griff zu bekommen, hat Audi zudem eine weitere Krise beschert. Denn am Rande von Verhandlungen zum Bau eines Werks im US-Bundesstaat Georgia trat Audi-Chef Gernot Döllner am Wochenende überraschend zusammen mit US-Präsident Donald Trump auf. Dieser verkündete auf einer Wahlkampfveranstaltung Audis Pläne, dort ein Werk zu bauen, bevor er Döllner auf die Bühne rief, der Trump für dessen Unterstützung dankte.
Seither reißt die Kritik an Döllner, die bis hin zu Rücktrittsforderungen geht, nicht ab. Dabei geht es weniger um das Werk – dass sein Bau für Audi sinnvoll ist, wird weitgehend anerkannt – als um den Auftritt mit Trump kurz vor den wichtigen US-Zwischenwahlen am 3. November. Kritiker werfen Döllner vor, damit gegen Audis eigene Regeln verstoßen zu haben, die solche Auftritte ausschließen.
Stand: 08.12.2025
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Döllner hat seinen Auftritt als im Interesse des Unternehmens verteidigt. Im Rahmen der Gespräche zum Werk in Georgia sei man gebeten worden, „unsere Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich vorzustellen“. Er hat bereits am Wochenende klargemacht, dass man eine solche Einladung nicht ablehne. Das gebiete allein der Respekt vor dem Amt.
Zu den genauen Bedingungen für das geplante Werk hielt sich Rittersberger am Freitag bedeckt. Die Entscheidung für Georgia habe viele Gründe gehabt, von der Infrastruktur bis zu den Arbeitskräften, aber auch die Förderkulisse sagt er. Es ist also plausibel, dass größere Summen fließen. Dazu, ob der Deal schon im Vorfeld des Produktionsstarts Auswirkungen auf die von Audi zu zahlenden Zölle in den USA haben wird, sagte er nichts.