Ausbildungsreife fehlt immer öfter

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Zu spät zur Arbeit, unhöflich gegenüber Kunden, kein Interesse am Job – immer häufiger klagen Betriebe über schwierige Auszubildende. Beim Verbandstag des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz erhielten sie Tipps, wie sich Probleme lösen lassen.

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Zu Gast beim Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz: CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner.
Zu Gast beim Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz: CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner.
(Foto: Schäfer/Kfz-RLP)

Undisziplinierte Azubis machen Ausbildungsbetrieben immer mehr zu schaffen. Ihre Zahl hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. „Natürlich sind die meisten Azubis in unseren Autohäusern und Werkstätten lernbereit und engagiert. Doch der Teil, der uns Ausbilder vor Probleme stellt, wird leider größer“, sagte Hans Werner Norren, Präsident des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz, vor rund 150 Kfz-Unternehmern beim Landesverbandstag in Mainz.

Auch für Michael Winterhoff ist dieses Phänomen keine Seltenheit. Er erklärte die Entwicklung mit einer Störung in der Persönlichkeitsentwicklung von vielen Jugendlichen. Sie seien „auf dem Stand von Kleinkindern“ stehen geblieben. Ihnen mangele es an sogenannten Soft Skills wie Arbeitshaltung, Pünktlichkeit und dem Erkennen von Strukturen und Arbeitsabläufen. „Ihnen fehlt der Blick fürs Wesentliche.“

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Für die Betriebe eine schwierig Situation. Winterhoff empfahl ihnen, in den ersten drei Monaten einen neuen Fokus zu setzen: Sie sollten weniger die Inhalte der Berufsausbildung in den Vordergrund rücken als vielmehr die Entwicklung der Persönlichkeit. „So kann man noch viel retten“, ist Winterhoff überzeugt.

Doch im Kfz-Gewerbe gibt es auch zahlreiche Auszubildende, die mit ihrem Wissen und Können glänzen. Zu ihnen gehört auch Danny Manuel Maus. Der Automobilkaufmann, der im Autohaus Hof in Neuwied arbeitet, ist der erste BFC-Stipendiat des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz. Der Verband unterstützt den 26-Jährigen mit 2.500 Euro.

Einen Blick auf die Bildungs- und Wirtschaftspolitik warf Julia Klöckner, Vorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz und Spitzenkandidatin der Partei für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2016. Sie werde sich für einen stärkeren Praxisbezug an der Schulform „Realschule plus“ einsetzen und gleichzeitig das akademische Profil der Gymnasien schärfen. Zudem wolle sie dafür sorgen, dass berufliche und akademische Bildung gleichwertig behandelt werden – dazu gehöre auch, dass Berufsschulen besser ausgestattet würden.

Darüber hinaus setze sich für eine Vorschriften- und Bürokratiebremse ein. Zu dieser zähle unter anderem das Prinzip „One in, one out“. „Für jedes Gesetz in einem Teilbereich muss ein anderes abgeschafft werden“, erläuterte sie. Außerdem versprach die Politikerin, im Falle eines Wahlsiegs das gerade beschlossene Transparenzgesetz in Rheinland-Pfalz zurückzunehmen.

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