Blick in die Zukunft des Kfz-Gewerbes

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Geld verdient künftig vor allem derjenige, der die Herrschaft über die Kundendaten hat. Der Kampf um sie hat längst begonnen, verdeutlichte das Herbstforum der Kfz-Innung Region Stuttgart.

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Zu Gast beim Herbstforum der Kfz-Innung Region Stuttgart: Norbert Barthle, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.
Zu Gast beim Herbstforum der Kfz-Innung Region Stuttgart: Norbert Barthle, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.
(Foto: Zietz)

Das Geschäftsmodell von Autohäusern und Werkstätten wandelt sich: „Die Autos der Zukunft werden nur noch die Hülle für das digitale Entertainment sein. Mit diesen Daten wird das Geld verdient und nicht mit der rabattierten Hülle“, sagte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski beim Herbstforum, das die Kfz-Innung Region Stuttgart dieses Jahr in der Fellbacher Schwabenlandhalle veranstaltet hat. Doch im Umgang mit den Daten ist noch viel zu regeln.

Die endgültige Verwandlung des Autos in rollenden Computer läuft. Das teuflische Detail steckt da in der Hoheit über die Daten, so Karpinski. Die Hersteller würden sagen, „die Daten gehören uns, wir haben das Auto gebaut“. „Die Daten gehören mir, denn ich habe das Auto gekauft“, stellte Torsten Treiber, Obermeister der Kfz-Innung Region Stuttgart, im Rahmen einer Podiumsdiskussion klar. Treiber kann dem Hersteller-Argument „Auto gebaut, Daten meine“, nicht folgen: „In der realen Welt gilt, mein Haus gehört mir und wer ungefragt eindringt, begeht Hausfriedensbruch. Wer etwas mitnimmt, begeht einen Einbruch. Das ist strafrechtlich eindeutig geregelt.“

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Damit nicht genug; Norbert Barthle, Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, räumte ein: Was gesetzliche Regelungen angeht, die die Daten-Besitzverhältnisse regeln, „stehen wir noch ganz am Anfang“.

Datenaustausch bringt Erleichterung

Doch es ging nicht nur um den Besitz der Daten, sondern auch um deren Austausch. Künftig kommunizieren die Fahrzeuge nicht nur untereinander, sondern auch mit Dritten oder Objekten wie Verkehrsschildern. Dies kann zu einer besseren Straßennutzung und weniger Unfällen führen. Auch einen Teil der Staus wird diese neue Technik vermeiden helfen, war sich das Plenum einig.

Allerdings: Der Datenaustausch allein wird‘s nicht lösen. Nicht in Baden-Württemberg und insbesondere nicht in der Region Stuttgart. Da führe kein Weg an Straßenbau und Straßenausbau, aber auch an Sanierung vorbei. Barthle räumte ein, dass „wir da in den letzten Jahren andere Prioritäten gesetzt haben“. Er kennt sich als früherer „Haushälter“ aus, sprich Mitglied des Haushaltsausschuss des Bundestages. „Wir haben die Priorität auf Schuldenfreiheit und Bildung gelegt.“

Jetzt habe es aber „eine Zeitenwende“ gegeben: „Wir wollen der nachfolgenden Generation nicht nur keine Schulden, sondern auch eine leistungsfähige Infrastruktur hinterlassen.“ Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage sei genug Geld bereit gestellt. Allerdings müssten die planenden Länder auch baureife Projekte vorlegen: Baden-Württemberg beispielsweise habe vollkommen überflüssigerweise Projekte priorisiert. Überflüssig deshalb, weil „alle vorgelegten Projekte bewilligt werden, wenn sie baureif sind“, bestätigte er gegenüber Geschäftsführer Christian Reher, und weil es ausreichend Geld gibt, sei es auch kein Problem, dass Bayern „immer vorne weg zu sein scheint, wenn es darum geht, Geld abzugreifen.“

Die Weichenstellung für die zukünftigen Projekte wird gerade erarbeitet: der Bundesverkehrswegeplan. Der Bund wird daraus ein Projekt der Bürgerbeteiligung machen, sagte Barthle in Fellbach: „Wir wollen damit die Dafür-Mentalität stärken, nachdem wir gesehen haben, was die Dagegen-Mentalität anrichten kann. Sie alle können Stellung beziehen.“

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