Diagnose: Was ist heute, was kommt morgen?

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Twitter als Vorbild, das sich selbst diagnostizierende Auto und das Software-Update, das der Hersteller ohne die Werkstatt aufspielt: Die Themen auf dem 10. Forum „Automotive Diagnostic Systems“ von CTI waren facettenreich.

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Das 10. Forum „Automotive Diagnostic Systems“ lockte zahlreiche Diagnose-Experten nach Stuttgart.
Das 10. Forum „Automotive Diagnostic Systems“ lockte zahlreiche Diagnose-Experten nach Stuttgart.
(Foto: CTI)

25.000 Diagnose-Update-DVDs – weltweit verschickt, und das Monat für Monat aufs Neue! Mit dieser beeindruckenden, aus logistischer und finanzieller Sicht jedoch „irren“ Zahl, eröffnete Dr. Thomas Raith von Daimler seinen Vortrag. Den hielt der Diangnoseexperte auf dem Forum „Automotive Diagnostic Systems“ des Car Training Institutes (CTI). Bereits zum zehnten Mal traf sich am 15./16. April in Stuttgart das Who-is-who der Diagnosebranche: Vertreter namhafter Autobauer genauso wie Diagnosedienstleister und Geräteanbieter. Unter Leitung von Prof. Dr. Norbert Schreier von der Hochschule Esslingen diskutierte man gemeinsam die Herausforderungen und Probleme in der Fahrzeugdiagnose und zeigte Lösungsansätze für Fahrzeughersteller, aber auch Aftermarketunternehmen auf.

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Daimler-Mann Raith skizzierte zudem den diagnosetechnischen Status quo aus Sicht des Stuttgarter Autobauers und gab einen vielversprechenden Ausblick in die Zukunft. So möchte die Stern-Marke Teile der Diagnose, die bisher von Off-Board-Systemen wie dem klassischen Diagnosetester geleistet werden, in die Fahrzeuge verschieben – sie sollen künftig selbst mitteilen können, nicht nur wo, sondern weshalb der Schuh drückt. „Künftig werden alle Fahrzeuge mit einer Telematikbox ausgestattet sein. Sie ermöglicht eine Datenübertragung vor allem für Internetanwendungen. Diese Box kann und sollte aber auch für Diagnosezwecke genutzt werden“, so Raiths Forderung.

Die Werkstatt künftig außen vor?

Somit könne Daimler z. B. Software-Updates und Variantenkodierung direkt über eine drahtlose Internetverbindung mit dem Autofahrer zusammen durchführen. Raith gesteht, dass man damit zwangsläufig „in die Hoheit der Händler eingreifen werde“. Steht König Kunde dann doch einmal bei seinem Vertragspartner auf der Matte, so soll die Diagnose bereits im Annahmebereich eine spürbar stärkere Rolle spielen als bisher, wünscht sich Raith – vielleicht dient hier der Wettbewerber aus München als Vorbild? Bei BMW jedenfalls übernimmt der Fahrzeugschlüssel bereits seit Jahren eine nützliche Rolle bei der Fahrzeugannahme („CBS“ = Condition based Service) – Stichwort Serviceumfang und Fehlerspeicher auslesen.

In fünf Jahren möchte man aus Stuttgarter Sicht mit einer „Cloud“-Diagnose beginnen. Das heißt, die Diagnosedaten gehören nicht mehr allein dem jeweiligen Servicebetrieb und sind allein in dessen Diagnosetester hinterlegt, sondern lagern dann auf einem zentralen Rechner. Auch wird mit dieser Methode der klassische Diagnosetester an sich, zumindest teilweise, überflüssig werden. Eines von zwei Praxisproblemen hierbei: erstens die Sicherheitsfrage, zweitens die Art und Ausführung der dafür nötigen „offenen“ Schnittstelle, erklärte Raith. Gemeinsam mit dem europäischen Automobilherstellerverband (ACEA) sowie der ISO-Vereinigung arbeite man jedoch bereits an einer entsprechenden Datenschnittstelle à la OBD.

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