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Diess: Ambivalente Aussagen zur Skoda-Zukunft

Am Montag gab Skoda bekannt, dass Thomas Schäfer künftig der neue Chef der Volkswagen-Tochter sein wird. Schon zuvor hatte Konzernchef Herbert Diess seine Unzufriedenheit mit der Marke zum Ausdruck gebracht – trotz insgesamt guter Zahlen. Nun legte er noch einmal nach.

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(Bild: Volkswagen)

Noch bevor der neue Skoda-Chef Thomas Schäfer auf seinem Posten in Tschechien so richtig angekommen ist, macht ihm Volkswagen-Konzernboss Herbert Diess bereits klar, was er von dem 50-Jährigen erwartet. Nachdem Diess am Wochenende im Interview mit der „FAZ“ erklärt hatte, Skoda sei nicht aggressiv genug am Volumenmarkt, legte der Manager nun nach.

Unter Schäfers Abschiedsvideo von Volkswagen Südafrika beim Karrierenetzwerk Linkedin kommentierte Diess, der Schritt zu Skoda sei für Schäfer „die richtige nächste Herausforderung“. Der Konzernchef setzt hohe Erwartungen in den neuen Chef des tschechischen Fabrikats. „Skoda ist die Konzernmarke mit dem größten Potenzial für weiteres profitables Wachstum aufgrund guter Kostenposition und starker Produkte“, schrieb Diess.

Das Skoda-Team könne „noch weitere Konzernaufgaben übernehmen“, so der Topmanager. Nicht in die Quere kommen soll die Marke dabei anderen Konzerntöchtern wie etwa Audi, machte Diess gegenüber der FAZ klar: „Es nutzt uns nichts, wenn sich Skoda zu einer dritten Premiummarke im Konzern entwickeln würde.“

Mit seinen Statements entfacht der Konzernchef die Spekulationen um die Zukunft der Marke neu. Im Herbst 2019 hatten Berichte die Runde gemacht, dass Skoda im Dreiklang der Volumenmarken im Konzern – VW, Seat und Skoda – die Rolle der Günstigmarke spielen solle, ähnlich wie Dacia in der Renault-Gruppe. Damals hatten Importeur und Konzernführung dieses Szenarion aber relativiert. Tatsächlich aber hat sich Skoda in den letzten Jahren zu einem internen Konkurrenten für VW entwickelt mit ähnlichen Produkten, aber oft etwas günstiger und praktischer. Bestes Beispiel dafür ist der Octavia als Passat-Konkurrent.

Gleichzeitig hat Skoda – bewusst oder unbewusst – seine Stammklientel, den preisbewussten Privatkunden ein wenig aus den Augen verloren, dafür aber im Gewerbekundengeschäft und bei den Ausgabe-willigen Käufern zugelegt. „Einen privaten Fabia-Käufer sehe ich im Showroom inzwischen sehr selten", hatte ein Händler im Herbst 2020 die Entwicklung auf den Punkt gebracht. Gleichwohl haben die Händler im Vertrauen auf den eingeschlagenen Kurs – die neuen Modelle wie Octavia IV oder der kommende Enyaq unterstreichen ihn – investiert und ihre Planungen auf renditestarke Verkäufe ausgerichtet.

Skoda hat erfolgreiche Entwicklung hinter sich

Aus einem weiteren Grund irritiert die Aussage von Diess: Mit dem eingeschlagenen Kurs hat der Skoda-Absatz einige erfolgreiche Jahre hinter sich. Seit 2013 stieg der weltweite Absatz von gut 920.000 Einheiten Jahr für Jahr bis 2018 um 36 Prozent auf 1.253.700 Einheiten. 2019 war der Absatz mit 1.242.800 dann geringfügig rückläufig, was allein dem für alle Fabrikate damals schwierigen China-Geschäft geschuldet war. Mit 372.000 ausgelieferten Neuwagen schrumpften die Auslieferungen im laufenden Jahr im Vergleich zum 1. Halbjahr 2019 um gut ein Drittel – vor allem Corona-bedingt. Dennoch war Skoda neben Porsche die einzige Pkw-Marke im Volkswagenkonzern, die im ersten Halbjahr einen Gewinn einfahren konnte.

Trotz der guten Zahlen in der jüngeren Vergangenheit hatte Bernhard Maier seinen Posten als Skoda-Chef Ende Juli räumen müssen. Der 60-Jährige, der bei den Tschechen seit November 2015 im Amt war, hatte keinen neuen Vertrag über den 31. Juli hinaus erhalten. Nun folgt Schäfer auf ihn und darf sich daran versuchen, Herbert Diess' Erwartungen zu erfüllen.

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