Suchen

Trotz 1,4 Milliarden Euro Verlust: Volkswagen sieht erfolgreiches Krisenmanagement

Autor: Christoph Seyerlein

Trotz eines Verlusts von 1,4 Milliarden Euro habe man die Schäden im ersten Halbjahr in Grenzen halten können, teilt Volkswagen mit. Anders als mancher Konkurrent gelang es den Wolfsburgern aber nicht, schwarze Zahlen zu schreiben. Am meisten Geld verbrannte VW-Pkw.

Firmen zum Thema

Der Absatz des Volkswagen-Konzerns ist im ersten Halbjahr um mehr als ein Viertel geschrumpft.
Der Absatz des Volkswagen-Konzerns ist im ersten Halbjahr um mehr als ein Viertel geschrumpft.
(Bild: Volkswagen)

Der Volkswagen-Konzern hat ein schwieriges erstes Halbjahr hinter sich. Wie das Unternehmen am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte, stand nach den ersten sechs Monaten 2020 unter dem Strich ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro. Rund 800 Millionen Euro davon entfielen auf das operative Geschäft, das hauptsächlich von der Corona-Pandemie gebeutelt war. Zusätzlich belasteten Sondereinflüsse aus der Dieselkrise das Ergebnis. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich die Lage beim Autobauer damit dramatisch ins Negative gedreht: Im ersten Halbjahr 2019 hatte der Konzern noch einen Gewinn von 9,6 Milliarden Euro erzielt.

Dennoch spricht Volkswagen in seiner Mitteilung zu den Zahlen davon, dass die getroffenen Corona-Gegenmaßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssicherung erfolgreich waren und die Auswirkungen der Krise verringert hätten: „Der Konzern erreichte durch eine konsequent an der Kundennachfrage ausgerichtete Produktion ein striktes Vorratsmanagement und dadurch eine signifikante Entlastung des Working Capital.“ Hörte man sich zuletzt beispielsweise im VW- und Audi-Handel um, klang das allerdings anders. Dort war jüngst beispielsweise von Fehlplanungen beim VW Tiguan und extremen Lieferzeiten selbst für Standardmodelle die Rede.

Konzern-Finanzvorstand Frank Witter erklärte dagegen: „Es ist uns gelungen, die Auswirkungen der Pandemie auf unser Geschäft einigermaßen in Grenzen zu halten. Mit einer tollen Teamleistung haben wir den Konzern schrittweise wieder hochgefahren und bislang stabil durch diese beispiellose Krise gesteuert.“ Anders als etwa PSA oder Tesla konnten die Wolfsburger rote Zahlen allerdings nicht verhindern.

Auch die meisten weiteren Eckdaten in der Bilanz fielen wie erwartet negativ aus. Die Auslieferungen an Kunden gingen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 27,4 Prozent auf 3,9 Milliarden Neuwagen zurück. Der Umsatz sank in der Folge um 23,2 Prozent auf 96,1 Milliarden Euro. Immerhin: Dank einer Hybridanleihe über 3 Milliarden Euro konnte Volkswagen die Netto-Liquidität im Automobilbereich im Vergleich zum ersten Quartal 2020 in den vergangenen drei Monaten um 0,9 Milliarden Euro auf 18,7 Milliarden Euro steigern.

Im Gesamtjahr soll noch Gewinn herausspringen

Wegen der nach wie vor nicht verlässlich einschätzbaren weiteren Entwicklung will das Management den Dividendenvorschlag für das vergangene Jahr um 1,70 Euro auf 4,86 Euro je Vorzugsaktie kürzen, um die Kasse zu schonen. Stammaktionäre bekommen jeweils sechs Cent weniger. Witter kommentierte: „Das erste Halbjahr 2020 war durch die Covid-19-Pandemie eines der herausforderndsten in unserer Unternehmensgeschichte.“

Für den weiteren Jahresverlauf zeigte sich der Konzern optimistisch. Die Wolfsburger rechnen trotz des Milliardenverlustes nach sechs Monaten im Gesamtjahr mit einem im Vorjahresvergleich gravierend rückläufigen, insgesamt aber positiven operativen Ergebnis.

Nachdem die Auslieferungen im April einen Tiefpunkt erreicht hatten und 45 Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen, habe sich das Geschäft seitdem spürbar erholt, teilte Volkswagen mit. Im Juni habe das Minus 18 Prozent betragen. Ein Grund dafür war die Erholung in Westeuropa, dem Heimatmarkt des Konzerns. Hier lagen die Auslieferungen im Mai noch rund 57 Prozent unter dem Vorjahr, im Juni waren es rund 30 Prozent.

Im Juli habe sich die Erholung der Märkte weiter fortgesetzt. Die Wolfsburger rechnen damit, dass ihre Auslieferungen in diesem Monat „nur noch“ um einen einstelligen Prozentwert unter dem Vorjahresmonat liegen werden. Für das zweite Halbjahr hofft der Autobauer auf eine weitere Erholung der Märkte. Frank Witter sagte dazu: „Aufgrund des positiven Trends unseres Geschäfts in den letzten Wochen und der Einführung zahlreicher attraktiver Modelle blicken wir vorsichtig optimistisch auf das zweite Halbjahr.“

(ID:46748285)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«