Hessisches Kfz-Gewerbe E-Autos legen zu und Werkstätten bleiben gefragt zurück

Von Holger Zietz 4 min Lesedauer

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Der Landesverband des hessischen Kfz-Gewerbes zog bei seiner 100. Mitgliederversammlung in Marburg Bilanz zur Lage der Betriebe. Im Fokus standen Marktveränderungen, Fachkräfte, Ausbildung und Digitalisierung.

Lokmuseum Markburg (v.l.): Michael Kraft, Präsident Kfz-Landesverband Hessen; Joachim Kuhn, Geschäftsführer Kfz-Landesverband Hessen; Dr. Thomas Spies, Oberbürgermeister der Universitätsstadt Marburg und  Ralf Funke, Obermeister der Kfz-Innung Marburg.(Bild:  Kfz-Gewerbe Hessen)
Lokmuseum Markburg (v.l.): Michael Kraft, Präsident Kfz-Landesverband Hessen; Joachim Kuhn, Geschäftsführer Kfz-Landesverband Hessen; Dr. Thomas Spies, Oberbürgermeister der Universitätsstadt Marburg und Ralf Funke, Obermeister der Kfz-Innung Marburg.
(Bild: Kfz-Gewerbe Hessen)

Der Landesverband des hessischen Kfz-Gewerbes traf sich in Marburg, um seine 100. Mitgliederversammlung abzuhalten. Verbandspräsident Michael Kraft beschrieb in seinem Bericht einen Markt im Umbruch. Die Elektromobilität gewinne an Dynamik, die Konkurrenz aus China wachse, und hohe Energie- und Kraftstoffpreise bremsten die Kaufbereitschaft. Das Servicegeschäft bleibe für viele Betriebe eine wichtige Stütze.

Elektroautos legen zu, Gebrauchtwagenmarkt schwächelt

Nach Verbandsangaben stiegen die Neuzulassungen vollelektrischer Pkw in Hessen im September um 86 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Insgesamt lagen die Pkw-Neuzulassungen nach neun Monaten um 1,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Gebrauchtwagenmarkt entwickelte sich dagegen rückläufig. Für die kommenden Monate rechnet Kraft in Hessen mit anhaltend hoher Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. Zugleich sieht er Fortschritte bei schweren Nutzfahrzeugen: Batterieelektrische Lkw rückten in Richtung Serienreife, Reichweiten von rund 550 Kilometern seien praxistauglich. Dort gebe es zudem bereits einen einheitlichen Ladestecker.

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Warnung von chinesischen Herstellern

Mit Blick auf chinesische Hersteller, die technisch ausgereifte und preislich attraktive Fahrzeuge anböten, mahnte Kraft zum Handeln: „Wir müssen rechtzeitig die Weichen stellen, um nicht überrollt zu werden.“ Er forderte verlässliche politische Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, schnellere Entwicklungsprozesse, mehr Zusammenarbeit und einen Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Service als Stütze, Wartezeiten als Warnsignal

Weil Privat- und Geschäftskunden bei Neuanschaffungen zurückhaltender seien und Fahrzeuge länger nutzten, steige der Bedarf an Wartung und Reparatur. Die Werkstätten können diese Nachfrage wegen des Fachkräftemangels aber nur mit Verzögerung bedienen. Auf einen Servicetermin warten Kunden im Schnitt zwei Wochen.

Lage in der Ausbildung entspannt sich

Beim Nachwuchs sieht der Verband eine Trendwende. Nach Angaben von Vizepräsident Thorsten Krämer, der im Vorstand für Ausbildung zuständig ist, geht die Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze im hessischen Kfz-Gewerbe gegen null. Er erwartet, dass steigende Schulabgängerzahlen die Suche nach Auszubildenden weiter erleichtern. „Man bekommt wieder Bewerber“, sagte Krämer.

Im Rahmen der Versammlung wurden die hessischen Landessieger der German Craft Skills geehrt, die am 26. September in der Landesfachschule des Kfz-Gewerbes in Frankfurt ermittelt wurden. Bei den Kfz-Mechatronikern gewann Phil Swierczek (Ausbildungsbetrieb Auto Nix, Eschborn) vor Marcel Fey (Fraport AG, Frankfurt) und Philipp Kramer (Neils & Kraft, Gießen). Bei den Automobilkaufleuten siegte Markus Gentze vom Autohaus Fischer-Schädler in Bad Vilbel.

Verbandsarbeit und Themen für die Betriebe

Auf der Tagesordnung standen verbandsinterne Beschlüsse, darunter zu verbindlichen E-Learnings und zur Einsichtnahme von Prüflingen in ihre Prüfungsunterlagen. Sebastian Volp (Auto-Service Volp, Mücke, Kfz-Innung Oberhessen) wurde nachgewählt.

Weitere Schwerpunkte der Mitgliederversammlung waren die Digitalisierung betrieblicher Abläufe, aktuelle rechtliche Entwicklungen sowie die Zukunft der beruflichen Bildung. Julien Happ und Antonio Radoslovic von MEWA Textil-Service erläuterten die Möglichkeiten der KI-gestützten Körpervermessung zur Ermittlung passender Konfektionsgrößen für Berufs- und Schutzkleidung. Wolfgang Herda vom ADAC Hessen-Thüringen informierte über die geplanten Änderungen im Führerscheinrecht für das Jahr 2027 und deren mögliche Auswirkungen.

Ehrung junger Kfz-Mechatroniker

Mit der beruflichen Bildung und dem Prüfungswesen beschäftigten sich Vizepräsident Thorsten Krämer und Verbandsgeschäftsführer Joachim Kuhn. Dabei standen auch Beschlüsse zu verbindlichen E-Learnings sowie zur Einsichtnahme von Prüflingen auf der Tagesordnung. Der Landesverband nutzte den Tagesordnungspunkt zudem, um die Landessieger der Kfz-Mechatroniker in Hessen, anlässlich der German Craft Skills am 26.09.2026 in der Landesfachschule des Kfz-Gewerbes Hessen in Frankfurt, zu ehren.. Der Landessieger heißt Phil Swierczek, ausgebildet von Auto Nix in Eschborn. Platz Zwei belegt Marcel Fey (Fraport AG, Frankfurt), gefolgt von Philipp Kramer (Neils & Kraft, Gießen) auf Platz Drei. Den Landessieg bei den Automobilkaufleuten holte sich Markus Gentze vom Autohaus Fischer-Schädler in Bad Vilbel, Bezirk der Handwerkskammer Wiesbaden.

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Peter Hesse von der Technischen Universität Dresden stellte anschließend virtuell eine digitale Prüfungsstation für die praktische Gesellenprüfung vor. Jan-Philipp Repp von der FFH Academy zeigte in seinem Vortrag, wie Fake News erkannt und digitale Informationen kritisch bewertet werden können.

Neben verbandsinternen Themen, wichtigen Beschlüssen und der Nachwahl von Sebastian Volp vom Auto-Service Volp aus Mücke (Kfz-Innung Oberhessen), befasste sich die Versammlung mit der Zukunft der digitalen Fahrzeugzulassung. Cedrik Dekowski und Roland Lotzmann von der Firma PremiumZulasser gaben hierzu ein Update zum aktuellen Stand von i-Kfz sowie zu den Möglichkeiten der digitalen Zulassung für das Kfz-Gewerbe.

Ehrennadel in Gold für Michael Kraft

Am Vorabend wurden Vorstandsmitglieder der Kfz-Innung Marburg für ihr langjähriges Engagement geehrt. Mit der Ehrennadel in Gold des Landesverbandes wurde Ralf Funke ausgezeichnet, der seit 2003 Obermeister der Innung ist. Für ihr langjähriges Engagement für das Kfz-Gewerbe wurden zudem Stefan Dippel und Thomas Reinberger mit der ZDK-Ehrennadel ausgezeichnet.

Eine besondere Ehrung wurde Michael Kraft zu teil. Er wurde vom Präsidenten des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK), Thomas Peckruhn, für seine außerordentlichen Verdienste für das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe mit der ZDK-Ehrennadel in Gold ausgezeichnet. Kraft sei jemand, der nicht davonlaufe, wenn es schwierig werde, sagte Peckruhn.

Die Geschichte der Mitgliederversammlungen reicht bis 1977 zurück. Damals fand in Waldeck die erste Versammlung nach dem Zusammenschluss von Handel und Handwerk zu einem gemeinsamen Verband statt. Erster Präsident war Rudi Jäger.

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