Ein Leben nach dem Hersteller
Nach der Insolvenz ist das Autohaus Gustorf in Barsinghauses als freier Händler neu durchgestartet. Die Wahl ist auf die EGA gefallen.
Wie es sich anfühlt, wenn plötzlich der rote Insolvenzstempel auf der Stirn prangt, wissen Angela und Raimond Gustorf ganz genau. Im September 2004 musste der Geschäftsführer des Renault-Betriebs Gustorf GmH den schweren Gang zum Amtsgericht hinter sich bringen.
„Wir mussten unseren 23 Mitarbeitern kündigen, wir verloren auf einen Schlag all unsere Kunden und wir waren völlig ratlos, wie es weitergeht“, erinnert sich Angela Gustorf. Fest stand für das Ehepaar nur eines, nämlich dass dies nicht das Ende sein sollte: „Wir sind schließlich geborene Autoleute“, erzählt Raimond Gustorf.
Dass es einmal so weit kommen könnte, hatte der Geschäftsführer nie für möglich gehalten. Als das Ehepaar im Jahr 1991 ein Renault-Autohaus in Barsinghausen eröffnete, das rund 20 Kilometer westlich von Hannover liegt, verlief schließlich vorerst alles nach Plan: „Wir sind sehr schnell gewachsen und haben uns einen großen Kundenstamm aufgebaut. Gleichzeitig haben wir kräftig investiert, unter anderem in einen Neubau“, bemerkt Raimond Gustorf.
Liquiditätsprobleme
Ein Rentabilitätsproblem habe es nie gegeben, betont er, wohl aber ein Liquiditätsproblem. Schuld daran seien unter anderem die beachtlichen Gebäudeinvestitionen gewesen; zudem hätten hohe Garantiekosten und Vorauszahlungen die Bilanz getrübt. Als die Renault-Bank die Kreditlinie kündigte, war die Katastrophe perfekt.
Das Einzige, was den Gustorfs übrig blieb, war das Gebäude, dessen Weiterfinanzierung die Hausbank übernahm, und der Fahrzeugbestand, den die Gustorfs von der CC-Bank ablösten. „Die dringendste Frage war: Wo kriegen wir Autos her, wenn wir neu starten?“, erzählt Angela Gustorf.
Die beiden spielten die unterschiedlichsten Szenarien durch und informierten sich über verschiedene Einkaufsgesellschaften. Diese forderten allerdings allesamt eine hohe Einmalinvestition. Schließlich stießen sie auf die Einkaufsgenossenschaft Automobile, kurz EGA, und waren sofort Feuer und Flamme. „Das Konzept hat Hand und Fuß und passt perfekt zu uns “, sagt Angela Gustorf. Eine hohe Einmalinvestition war nicht nötig – die EGA finanziert sich über überschaubare Monatsbeträge.
Im Juli 2005 startete Angela Gustorf als EGA-Händlerin. Besonders angetan ist die Inhaberin des Autozentrum-West von der Tatsache, dass die Leistungen der EGA weit über den günstigen Einkauf von Fahrzeugen hinausgehen. Die aktuell rund 170 angeschlossenen Betriebe erhalten beispielsweise einen Verkäuferarbeitsplatz und ein umfangreiches Paket mit Marketingvorlagen.
Zudem handelt die EGA für ihre Händler attraktive Konditionen für Ersatzteile, Öle, Reifen, Kleinteile, Garantien und Versicherungen aus.
Auch in betriebswirtschaftlichen Fragen berät die Einkaufsgenossenschaft ihre Partner. „Unter dem Strich haben wir die gleiche Unterstützung wie vom Hersteller, nur ist sie wesentlich günstiger.“
Viel Nutzen zieht die Unternehmerin aus den betriebswirtschaftlichen Arbeitskreisen, die die EGA anbietet. Fünf bis zehn Autohausgeschäftsführer aus einem Umkreis von rund 250 Kilometern nehmen in den sogenannten ERFA-Kreisen unter der Leitung von Reinhold Thalhofer abwechselnd die Betriebe ihrer Händlerkollegen in Rundgängen unter die Lupe und treffen sich zu Diskussionsrunden. Die EGA biete eine betriebswirtschaftliche Betrachtung von der Pike auf, schwärmt Angela Gustorf.
Günstige Preise
Seinen Kunden könne er jetzt wesentlich attraktivere Fahrzeugangebote machen, bemerkt Raimond Gustorf. Das Autohaus kann auf einen Pool von rund 15.000 Jung- und Gebrauchtwagen aller Marken und jeden Alters zurückgreifen. Auch Neufahrzeuge kann das Autozentrum-West über die angeschlossenen Lieferanten günstig besorgen.
Leuchtende Augen kriegt Angela Gustorf, wenn sie vom Verkäuferarbeitsplatz erzählt. Er bietet unter anderem die Möglichkeit, PDF-Dateien mit Fahrzeugangeboten zu generieren, Kunden- und Lieferantenkaufverträge per Mausklick auszudrucken und Fahrzeuge schnell auf die eigene Homepage zu stellen beziehungsweise an Onlinebörsen zu übermitteln. „Das Programm entlastet uns erheblich in der Fahrzeugverwaltung. Die gewonnene Zeit kommt unseren Kunden zugute“, unterstreicht Angela Gustorf.
In Barsinghausen hat sich übrigens schnell herumgesprochen, dass es im Autozentrum-West Fahrzeuge zu einem günstigen Preis gibt und dass die Beratung stimmt. „Wir haben elf Mitarbeiter und 1.500 Stammkunden. Unsere Werkstatt ist voll ausgelastet, und wir konnten in diesem Jahr unseren Fahrzeugverkauf deutlich steigern“, freut sich Angela Gustorf.
Die durchlaufene Insolvenz möchte die Geschäftsfrau übrigens nicht missen. Sie habe viele wertvolle Erfahrungen gemacht und wichtige Erkenntnisse gewonnen. „Jetzt befinde ich mich in der glücklichen Lage, nur noch das tun zu müssen, was für mich und meine Kunden gut ist“, schmunzelt die Inhaberin.
(ID:313889)