Die Elektromobilität verändert den Autohandel und das Werkstattgeschäft nachhaltig. Abwarten ist nach Meinung vieler Experten keine gute Strategie, denn das Geschäftsfeld entwickelt sich sehr dynamisch.
Mehr als nur Fahrzeugverkauf: Bei E-Autos müssen Verkäufer über zusätliches Wissen rund um die Elektromobilität verfügen.
„Einem alten Hund bringst du keine neuen Kunststücke bei.“ Dass an dieser Redewendung viel Wahres ist, glauben die meisten Menschen. Doch manchmal muss der alte Hund, um im Bild zu bleiben, weitere Tricks lernen, um im Spiel zu bleiben. So ist das auch mit dem Automobilhandel und dem Werkstattgeschäft der Zukunft, sind Matthias Gleichmann, Leiter Key-Account-Management bei TÜV Nord Mobilität, und Athos Giannelli, Associated Partner und Berater der Porsche-Tochter MHP Management und IT Beratung GmbH, überzeugt. Denn: Im Bereich der Elektromobilität funktionieren die alten Vertriebskonzepte und Geschäftsmodelle offensichtlich nicht.
Gleichmann und Giannelli beschäftigen sich seit Jahren mit der Elektromobilität und ihren Auswirkungen auf das Kfz-Gewerbe. „Der klassische Verkäufer im Autohaus hat heute gar keine Motivation, ein Elektroauto zu verkaufen. Die Margen sind deutlich geringer als beim Verbrennerneuwagen“, sagt Gleichmann. „Dafür ist der Beratungsaufwand für den Verkäufer mindestens doppelt so hoch“, ergänzt Athos Giannelli. Er bereitete als Berater für Jaguar Land Rover unter anderem die Einführung des Modells E-Pace vor. Die Initialzündung für die Kooperation zwischen TÜV Nord und MHP gab Dr. Werner Pieper. Der langjährige Berater erkannte früh, dass die beiden Unternehmen gemeinsam einen Mehrwert für ihre Kunden schaffen können.
Verkauf alleine reicht nicht
Da aktuell deutlich über 90 Prozent der verkauften Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotoren laufen, würden im Handel E-Mobile bei der Beratung oft hinten runterfallen, meint Giannelli. Und die blanken Zahlen sind auf den ersten Blick nicht berauschend: „Legt man die heute üblichen Verkaufsprozesse zugrunde, verliert ein Händler im Verkauf und im Service im direkten Vergleich zwischen Benziner und E-Fahrzeuge bei letzterem bares Geld.“ Das liege auch daran, dass man beim Blick auf das Geschäft mit E-Autos die falsche Perspektive habe. Mit dem Verkauf solcher Fahrzeuge allein werde der Autohandel nicht überleben können, fürchtet Gianelli.
Matthias Gleichmann weiß: „Mit der Elektromobilität findet im Fahrzeughandel und im Servicebereich ein Paradigmenwechsel statt.“ Der TÜV Nord hat sich gemeinsam mit MHP vorgenommen, diesen Wandel aktiv zu begleiten sowie Händler und Servicebetriebe auf dem Weg in die Zukunft zu führen. Dass dieser auf jeden Fall von Elektroantrieben geprägt sein wird, steht für Gleichmann außer Frage: „Es ist eine Frage des Wirkungsgrades. Ein guter Verbrenner setzt rund 16 Prozent der Energie in Vortrieb um. Bei einem Elektrofahrzeug sind es circa 67 Prozent. Das bekommen sie mit keiner anderen Energieform hin.“
Die Ladesäule für zu Hause gehört ebenso zum Händlergeschäft wie die Erzeugung des eigenen Stroms.
Bei MHP rechnet man, dass bis 2030 der Anteil der rein elektrisch angetriebenen Fahrzeuge auf rund 30 Prozent steigen wird. Das bedeutet: rund ein Drittel weniger Verbrennerfahrzeuge und entsprechend geringere Margen in Handel und Service. „Die Zahl der Teile im Antriebsstrang schrumpft bei einem E-Fahrzeug im Vergleich zu einem Verbrenner von rund 4.000 auf etwa 400. Und Motoröl lässt sich bei einem E-Fahrzeug auch nicht verkaufen“, fügt Athos Giannelli hinzu.
Die Mitarbeiter brauchen E-Know-how
Diese drastischen Veränderungen lassen sich nach Überzeugung der beiden Spezialisten für E-Mobilität meistern, wenn die Autohandelsbetriebe ihre Geschäftsmodelle radikal verändern. Die größte Hürde dabei ist nach ihrer Meinung, das dafür nötige Wissen an das Personal zu vermitteln. „Das ist eine enorme Herausforderung, wenn man sich vor Augen hält, welches Wissen Verkäufer heute parat haben müssen, um fundiert und kundenorientiert beraten zu können“, betont Giannelli.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
„Jetzt sagen die Hersteller: Ab sofort verkauft ihr bitte auch noch eine völlig andere Gattung von Fahrzeugen mit einer komplett anderen technischen Basis als alles, was ihr bislang verkauft habt. Kleiner Haken: Daran verdient ihr leider noch weniger als an den Verbrennern in unserem Programm.“ Das erzeuge Frust und Ablehnung, ist Athos Giannelli überzeugt. Zumal viele Hersteller relativ unbeeindruckt von Händlerbedürfnissen versuchten, ihre Konzernstrategien für E-Fahrzeuge von oben nach unten durchzudrücken. Ein Versuch, der für Giannelli und Gleichmann zum Scheitern verurteilt ist: „Die Hersteller spüren bei dem Thema aktuell vielfach Gegenwind von den Händlern, weil die für sich bislang kein Geschäftsmodell in der E-Mobilität erkennen. Im Gegenteil: Sie müssen viel Geld in die Qualifizierung der Mitarbeiter investieren, müssen die Ausstellung umrüsten, Vorführfahrzeuge anschaffen und sollen dann auch noch akzeptieren, dass sie weniger Geld mit E-Autos verdienen.“