Ein Jahrhundert Mercedes-Benz Automobile Es begann in Berlin

Von sp-x 5 min Lesedauer

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Vor genau 100 Jahren wurde die heute wertvollste Premium-Automarke geboren: Auf dem Berliner Automobilsalon präsentierten sich Daimler und Benz mit Mercedes-Benz im Oktober 1926 das erste gemeinsame Produktportfolio. Während andere Edelmarken der Roaring Twenties längst vergessen sind, entwickelte sich der Stern zum begehrtesten Luxus-Symbol.

Premium und Prestige von Anfang an: Die Mercedes-Benz Traumautos vom Modell 500 K (1936) bis zum Mercedes-AMG GT.(Bild:  Mercedes-Benz AG)
Premium und Prestige von Anfang an: Die Mercedes-Benz Traumautos vom Modell 500 K (1936) bis zum Mercedes-AMG GT.
(Bild: Mercedes-Benz AG)

Es war keine Hochzeit im Himmel, sondern eine Vernunftehe, die aber schließlich doch ungeahnte Emotionen freisetzte: Vor 100 Jahren fusionierten die rivalisierenden Automobilpioniere Benz und Daimler zur Daimler-Benz AG mit Sitz in Berlin, die den dreizackigen Stern der neuen Premiummarke Mercedes-Benz im Oktober 1926 erstmals in den glamourösen Pavillons des Berliner Automobilsalons strahlen ließ. Schon das erste Produktprogramm von Mercedes-Benz vermittelte derart begehrenswerte – und im Einstiegssegment gerade noch bezahlbare – technische Finesse, dass es Modellen etablierter Prestigemarken wie Bugatti, Hispano-Suiza, Horch oder Maybach die Show stahl.

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Zu den wichtigsten Weltpremieren im Zeichen des Sterns zählten 1926 die Modelle Mercedes-Benz 8/38 PS (W02) und 12/55 PS (W03), aber auch der im Tourenwagensport gefeierte Typ K („kurz“ mit Kompressor) als Vorbote der legendären Sportwagen-Linie S, SSK, SSKL. Neben den Pkw-Modellen präsentierte Mercedes-Benz auch ein komplett neues Nutzfahrzeugprogramm, dies mit revolutionären Frontlenkerkonzepten.

Die Banken waren zufrieden

Ein Auftakt nach Maß, befanden Fachleute, und auch die Deutsche Bank wird zufrieden gewesen sein. Hatte sie doch die Fusion der beiden ältesten Automobilbauer der Welt angeregt, um Forderungen in Anteile am neuen Konzern tauschen zu können. Mercedes-Benz als bis heute wertvollste Premium-Automarke: Dieses Prädikat von Ratingexperten wie der Firma Interbrand hätten sich vermutlich weder Carl Benz, vor 140 Jahren der Erfinder des dreirädrigen Patent-Automobils, noch Gottlieb Daimler als Konstrukteur des ersten vierrädrigen Motorwagens, träumen lassen.

Mercedes-Benz, dieser Weltmarke im Zeichen des Sterns – für Autohasser seit Jahrzehnten pure Provokation und für Autofans ein Schmuckstück, das sogar an Schultaschen baumelt – ist einzigartiges gelungen: Technologisch den meisten Premiummarken vorauszufahren, Benchmarks bei der Produktqualität zu setzen, in einem imaginären Concours der Stars & Cars mit vielen hundert prominenten Mercedes-Fans vom Popstar bis zum Papst die Parade der Prestigemarken anzuführen und trotzdem in Kleinwagen- und Taxiflotten mitzumischen.

Luxus, aber erreichbar

Auch gegen Kratzer im Image ist die Marke bestens geschützt, wie zuletzt der Dieselabgas-Skandal oder Diskussionen um die Zukunft der bezahlbaren A-Klasse-Baureihe zeigten. Tatsächlich ist die Geschichte von Mercedes die Geschichte einer Marke, die sich immer wieder neu erfinden musste, damit der Stern weiterhin heller strahlt als die Premiumkonkurrenten. Genauso bewältigte Daimler-Benz schon die Weltwirtschaftskrise von 1929 und die herausfordernden Jahre der NS-Zeit, als sich die braunen Machthaber besonders gern in Repräsentationskarossen mit dem Stern zeigten und den Konzern mit Rüstungsaufträgen päppelten. Ein breites Typenprogramm mit Hightech-Anspruch – darunter der 1936 eingeführte erste Diesel-Pkw vom Typ 260 D, die legendären „Silberpfeil“-Renn- und Rekordwagen, aber auch robuste Mittelklassemodelle – differenzierten Mercedes-Benz von reinen Luxuslabels wie Duesenberg oder Horch, die damals allmählich in eine Sackgasse fuhren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann Daimler-Benz überraschend schnell eine Führungsrolle im Premiumsegment zurück. Schon 1947 lief die Produktion wieder in allen Werken und Mercedes-Benz-Modelle wurden Symbole des Wirtschaftswunders: Die 1951 eingeführte Luxuslimousine Mercedes 300 bekam sogar den inoffiziellen Beinamen „Adenauer“, avancierte sie doch zum bevorzugten Transportmittel des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Der 1963 als „Großer Mercedes“ vorgestellte Nachfolger vom Typ 600 machte sogar in Großbritannien Furore. Ob es daran lag, dass Queen Elizabeth II 1965 bei ihrem Deutschlandbesuch in dieser Pullman-Limo chauffiert wurde oder daran, dass Rolls-Royce nur altmodische Karossen offerierte, jedenfalls war der Mercedes 600 unter den Reichen und Adligen im London der Swinging Sixties so angesagt, dass Rolls-Royce eilig den modernen Silver Shadow auflegte.

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Begehrenswerte Modelle

Erneut half der Motorsport beim Aufbau des Marken-Mythos: Die Formel-1-Silberpfeile, vor allem aber der 1954 eingeführte Mercedes 300 SL mit markanten Flügeltüren, verankerten sich im Firmament der ultimativen automobilen Ikonen. Als 300 SLR Uhlenhaut Coupé erzielte der Sportwagen 2022 einen Versteigerungserlös von 135 Millionen Euro: das teuerste Auto aller Zeiten. Der Mercedes-Stern symbolisierte jedoch zugleich bürgerlichen Wohlstand. Ob als modisch eingekleideter Ponton-Mercedes (ab 1953, Typen 180 bis 220 SE), Heckflossen-Benz (ab 1959, Typen 190 bis 300 SE), zeitlos eleganter Strich-Acht (ab 1968, Typen 200 bis 280 E) oder fast unzerstörbar langlebiger W123 (ab 1975, Typen 200 bis 300 TD), die durch den genialen Ingenieur Béla Barényi frühzeitig mit bahnbrechenden Sicherheitstechnologien ausgestatteten Mittelklasse-Baureihen gelten global als gesellschaftlicher Erfolgsausweis.

Wer sich noch mehr leisten kann, kauft eine S-Klasse – seit 1972 trägt sie offiziell diesen Namen. Nicht vergessen werden darf die SL-Reihe, seit dem 1963 von Paul Bracq designten „Pagodendach SL“ und den 1971 eingeführten R107-Roadstern mit V8-Power sind sie unentbehrliche Utensilien der Schönen und Berühmten, auch in TV und Kino, wie „Dallas“ oder „Pretty Woman“ zeigen. Die Marke Mercedes-Benz konnte aber noch mehr. Anders als Bentley oder Maserati wagten die Stuttgarter schon 1979 Offroad (die G-Klasse) und 1997 die M-Klasse als ersten SUV made in USA. Ab 1982 konterte der kompakte Mercedes 190 den sportlich-agilen BMW 3er. Als BMW 1987 mit dem 750i in die Zwölfzylinderliga vorstieß, antwortete Mercedes 1991 mit einem noch monumentaleren V12 in der voluminös-protzig geratenen S-Klasse (W140), die gleichwohl als erste neue Staatskarosse im wiedervereinigten Deutschland Geschichte schrieb.

Von Elchen und SUVs

Ganz anders fiel 1997 die erste A-Klasse auf: Dieser Mini-Benz drohte im „Elch-Ausweichtest“ zu kippen. Prompt rüstete Mercedes das neuartige elektronische Stabilitätssystem ESP nach – und zeigte, wie Krisenmanagement geht. Während andere kleine Premiumtypen wie Audi A2 oder A1 nie wirklich reüssierten, wurde die A-Klasse Produktionsmillionär – und sie überlebt aktuell ihr Ende. Verfolgte doch Mercedes-Chef Ola Källenius Anfang der 2020er Jahre eine Zukunft als reine Luxusmarke mit hohen Gewinnspannen ohne Kleinwagen.

Inzwischen gab es eine Kurskorrektur. Statt der Konzentration auf noble SUV und Supersportler starteten die Stuttgarter eine Modelloffensive in allen Segmenten – und sind dort heute auch mit vollelektrischen Erfolgsträgern vom Mercedes CLA EQ bis zum feudalen Mercedes-Maybach EQS SUV vertreten. Das weltgrößte Mercedes-Werk steht übrigens nicht mehr im Raum Stuttgart, sondern in Peking. So verschieben sich Horizonte. Trotz der Meldungen von Gewinneinbrüchen ist Mercedes-Benz auch zum 100-Jahre-Jubiläum die wertvollste Premiummarke. Und die Reise soll weitergehen, wenn man dem englischsprachigen Slogan der Klassikabteilung „Mercedes-Benz Heritage“ glaubt: „Heritage Creates Future“.

Classic Business Day | 18. November 2026

Autos von gestern, Geschäft für morgen: Die Fachtagung für Young- & Oldtimer

Das Expertenmeeting zum Handel mit historischen Fahrzeugen bietet Profis wie auch Einsteigern umfassende Experteneinblicke. Im Fokus stehen diesmal drei große Themen, zu denen es Vorträge sowie eine Diskussionsrunde geben wird: Additive Fertigung (3D-Druck), Smart Repair sowie Reifen & Räder. Veranstaltungsort ist 2026 das Autohaus Hagenlocher in Böblingen.

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