Fiat-Händlerverband: Nicht unterschreiben!

Autor: Jens Rehberg

Die neuen Partnerverträge von Fiat Deutschland stoßen auf breite Ablehnung. Die Kluft zwischen Händlern und Importeur ist noch größer geworden.

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Knapp 200 Fiat-Konzernhändler trafen sich am vergangenen Wochenende in Sulzbach im Taunus.
Knapp 200 Fiat-Konzernhändler trafen sich am vergangenen Wochenende in Sulzbach im Taunus.
(Foto: Rehberg)

Der Verband der Fiat-Konzernhändler und seine Mitglieder bleiben weiter auf Konfrontationskurs mit der deutschen Importeurstochter. Am Samstag kamen knapp 200 Händler zu einer außerordentlichen Versammlung in Sulzbach bei Frankfurt zusammen und bekundeten nahezu einstimmig ihren Willen, das von Fiat Deutschland angebotene Vertragspaket nicht zu unterschreiben. Damit folgten sie nicht zuletzt einer entsprechenden Empfehlung des Verbandsvorstands. „Der Zusammenhalt ist da“, fasste Händlerverbandspräsident Wilfried Blöbaum die Stimmung unter den Partnern zusammen. Zuvor hatte der Vorstand gemeinsam mit Branchenanwalt Christian Genzow von der Kanzlei Graf von Westphalen und ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann noch einmal die Kritikpunkte an den einzelnen Verträgen zusammengefasst und die Handlungsmöglichkeiten der Partner besprochen.

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Hintergrund des Treffens war eine Fristsetzung des Importeurs zur Unterzeichnung der angebotenen neuen Verträge bis zum 2. April 2015. Nur wenige Details daraus waren im Vorfeld mit den Händlervertretern abgesprochen worden. Der Verband hatte vielmehr ausführlich dargelegt, dass insbesondere kleinere Händler mit den neuen Vereinbarungen für sich alleine genommen – also ohne Berücksichtigung der Verkaufsprogramme des Importeurs – nicht oder nur sehr schwer wirtschaftlich über die Runden kämen. So rechnete Verbandsvorstand Karl Kleba beispielsweise vor, dass ein kleiner Händler zur Kostendeckung der Vertriebsstandards pro Einheit künftig bis zu 12 Prozent der UVP aufwenden müsse. Unterm Strich könne das zu einem negativen jährlichen Deckungsbeitrag in sechsstelliger Höhe führen. Diese Rechnung wurde auch vom ZDK überprüft und für plausibel befunden.

Großen Raum in vielen Redebeiträgen nahm die Option ein, als einzelner Händler gerichtlich gegen die Anfang des vergangenen Jahres erfolgte Netzkündigung vorzugehen. Denn da Fiat Deutschland gemäß einem aktuellen Schreiben an Christian Genzow selbst ein künftiges, rechtskräftig erstrittenes Urteil gegen die Kündigung eines Fiat-Pkw-Vertriebsvertrags nicht als maßgebend gegenüber allen anderen Händlern anerkennen würde, scheint dies für Partner ohne aktuelles Vertragsangebot die einzige Möglichkeit zu sein, sich eine Perspektive im Fiat-Vertrieb zu erhalten. Auch für Händler, die die Konditionen des neuen Vertrags ablehnen, kommt eine Klage in Frage.

Branchenanwalt Christian Genzow äußerte sich empört zur jüngsten Reaktion des Importeurs: „Wer es ablehnt, ein Pilotverfahren statt 80 oder 100 Verfahren zu führen, der ist entweder dumm, oder er will seinem eigenen Unternehmen schaden.“ Zudem konkretisierte er das finanzielle Risiko einer Klage: Sollte ein solcher Prozess über zwei Instanzen bei zwei Verträgen und einem angenommenen Streitwert von etwa 100.000 Euro wider Erwarten verloren werden, sei mit Kosten knapp unterhalb der 10.000-Euro-Marke zu rechnen. Händler, die prozessieren wollen – allen voran Verbandspräsident Wilfried Blöbaum, sollten die Klage laut Anwalt Christan Genzow bis spätestens Ende April 2015 eingereicht haben.

Sollte es tatsächlich zu einer Reihe erfolgreicher Verfahren gegen die Fiat-Vertragskündigungen kommen, entstünde im kommenden Jahr möglicherweise die Situation, dass im Fiat-Vertriebsnetz zwei unterschiedliche Verträge gelten. Eine solche Ungleichheit würde wohl weitere Auseinandersetzungen nach sich ziehen.

Ein weiteres Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog, war das Verhalten der FCA Germany AG gegenüber dem Händlerverband und auch gegenüber einzelnen Vertriebspartnern. „Wie viel wollen wir eigentlich noch ertragen?“, fragte ein Händler in die Runde. In zahlreichen Äußerungen wurde deutlich, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen den Parteien teilweise ist. „Wir werden von Fiat täglich belogen“, hieß es unter anderem. Ignoranz von Seiten des Importeurs als Reaktion auf die Probleme der Händler sei an der Tagesordnung. Schlimmer sei allerdings, dass Fiat Deutschland sich oft nicht mal an gemachte Zusagen halte.

Hinzu kämen erschwerende Rahmenbedingungen für das Tagesgeschäft – zum Beispiel schlechte Garantieleistungen, eine teilweise sehr schlechte Qualität von Leads, die von Fiat Deutschland weitergeleitet werden, oder auch das Thema Produktpolitik. „Wir haben keine Modelle zum Verkaufen“, sagte Wilfried Blöbaum. Und weiter: „Ich schäme mich, Fiat-Händler zu sein.“

Auch Antje Woltermann griff das Thema Modellpolitik auf, als sie sich an die Händler wandte. Aussagen von Fiat-Chef Marchionne in der Presse, wonach der Hersteller künftig nicht mehr alle Modell-Segmente abdecken wolle, hätten sie „fassungslos“ gemacht. Zumal nicht klar sei, auf welche verbleibenden Segmente sich Fiat künftig konzentrieren wolle. „Unter diesen Umständen einen Vertriebsvertrag zu unterschreiben, ist mehr als gewagt.“

Und auch Christian Genzow riet den Teilnehmern zum Ende der Veranstaltung: „Sie sollten auch über andere Fabrikate nachdenken.“

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