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Junior Award: Daten sammeln, Fakten schaffen

| Autor / Redakteur: Jens Rehberg / Jens Rehberg

Mit eingehenden Analysen, aber auch fachlichem Rat von außen hat Kristina Neff das Aftersales-Geschäfts ihres Familienbetriebs neu aufgestellt.

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Kristina Neff: „Man kann fast jedes Ziel erreichen, wenn man immer wieder aufsteht.“
Kristina Neff: „Man kann fast jedes Ziel erreichen, wenn man immer wieder aufsteht.“
( Archiv: Vogel Business Media )

„Ich kam am Anfang mit den Zahlen nicht klar“, beschreibt Kristina Neff ihr Unbehagen aus der Zeit vor zwei Jahren, als sie zum Einstieg ins Familienunternehmen (Opel, Chevrolet und Kia) die Verantwortung für den Aftersales-Bereich übernahm. Denn um zu verstehen, analysiert sie am liebsten. Das ist es, was sie gut kann. Ihr Vater hatte neben dem Taschenrechner vor allem seinen Erfahrungsschatz bemüht, aber so weit war die Tochter noch nicht.

Das Wasser, in das sie geworfen wurde, war also kalt. Wirklich abgeschreckt hat sie das aber nicht – weil Kristina Neff eigentlich eine Skaterin ist. Noch dazu eine von denen, die sich mit ihrem Board in knapp vier Meter tiefe, halbierte Röhren – sogenannte Halfpipes – hineinfallen lassen. Folglich wich das ungute Gefühl, nicht genug über das zu wissen, was sie koordinieren soll, einer zunehmenden Freude an der Freiheit, das neue Arbeitsfeld nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können.

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In der Halfpipe war Kristina Neff unter anderem Europameisterin. Bei den Zielen für ihren neuen Wirkungsbereich ist sie ihrem Wesen entsprechend viel zurückhaltender: „Ich möchte ein erfolgreiches Unternehmen mit zufriedenen Kunden und mindestens genauso zufriedenen Mitarbeitern führen.“ Die Herangehensweise aber ist ähnlich: Die Analyse ist die wichtigste Methode. Früher studierte Neff die Bewegungsabläufe ihrer Skater-Kollegen am Bildschirm bis ins kleinste Detail, um nach teilweise monatelangem Üben den entsprechenden Trick zum ersten Mal selber „landen“ zu können.

Analyse vor der Entscheidung

Seit der Kfz-Service im Fokus steht, arbeitet sie ebenso hart und genau daran, Entscheidungsgrundlagen, Prozessabläufe und Infrastrukturen für ein erfolgreiches Geschäft auszuarbeiten. Die 34-Jährige erarbeitet sich den jeweiligen Sachverhalt, prüft Alternativen und holt sich, wo nötig, fachlichen Rat von außen. Resultate sind zum Beispiel ein praktikables Kennzahlenmanagement, eine effizientere Direktannahme und eine auf die speziellen Anforderungen des Betriebs zugeschnittene Software.

Bei der Ist-Analyse zu Beginn ihrer Tätigkeit in Heilbronn stellte sie fest, dass die Auslastung der Mechatroniker aufgrund des tendenziell schwächer werdenden Geschäfts mit Opel-Kunden nicht optimal war. Deshalb führte sie an einem der drei Autohausstandorte das Trost-Werkstattkonzept Auto-Go ein. So will sie mittelfristig ein bis zwei Mitarbeiter mit Fremdfabrikaten auslasten.

Grenzerfahrung auf dem Skateboard

Analytisches Denken ist Kristina Neffs Talent, aber sie hat es natürlich auch gelernt. Nach dem Abitur machte sie zunächst eine Banklehre. „Mir war von Anfang an klar, dass ich das nicht lange mache“, erzählt die Schwäbin. Den Zahlen blieb sie jedoch auch danach treu. Das Studium der Volkswirtschaftslehre begann sie in Nürnberg, wechselte aber schnell an die Uni Münster. „Nürnberg war einfach nicht weit genug von zu Hause weg.“ Den Kontakt zum elterlichen Betrieb verlor sie aber auch von Münster aus nicht ganz. Während der Semesterferien machte sie im Autohaus Neff Marktanalysen, bearbeitete Aufträge oder half in der Buchhaltung aus.

Während ihres Studiums entdeckte Kristina Neff dann das rollende Brett für sich. Da einige sehr gute Skater zu dieser Zeit in Münster eine Art Trainingsstützpunkt hatten, merkte die VWL-Studentin aus Süddeutschland bald, dass man mit einem Skateboard mehr machen kann, als es nur den Gehsteig rauf und runter zu schubsen.

Da sie in der steilen Halbröhre allerdings meist das einzige Mädchen blieb, kam mit der Zeit der Wunsch auf, auch mal mit ähnlich ambitionierten Frauen zu skaten. Gelegenheiten dazu hatte sie in den folgenden Jahren mehrfach in den USA, unter anderem beim wichtigsten Sportereignis für Extremsportler, den X-Games in Los Angeles. Dort startete sie 2006 als einzige Europäerin in der Halfpipe. Natürlich spielte sie in dieser Zeit auch mit dem Gedanken, in den Profisport oder zumindest in das Business drumherum einzusteigen, aber an ihrem Verantwortungsgefühl gegenüber der Familie konnte auch die große Leidenschaft zur Grenzerfahrung auf dem Board letzten Endes nicht rütteln.

Heute stürzt sie sich nicht mehr in die im oberen Teil nahezu vertikale Steilwand – das passt angesichts der hohen Verletzungsgefahr nicht zu ihrer neuen Verantwortung. „Was ich mitgenommen habe, ist, dass man fast jedes Ziel erreichen kann, wenn man immer wieder aufsteht“, sagt Kristina Neff über die damalige Zeit.

Verantwortung fürs Aftersales-Geschäft

Nachdem sie das Diplom in Volkswirtschaftslehre in der Hand hielt, ging die frisch gebackene Absolventin ins Allgäu, um im Autohaus Dreher in Wangen als Assistentin der Geschäftsleitung das Tagesgeschäft in einem Autohandelsbetrieb von Grund auf zu lernen. Zwei Jahre später trat sie schließlich in den Betrieb ihrer Familie ein. Und da sie eher dem technischen als dem verkäuferischen Bereich zugeneigt ist, übernahm sie die Verantwortung für den Aftersales-Bereich.

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