Kfz-Gewerbe kritisiert Kreditrichtlinien

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Vielen Händlern fällt es schwer, an Fremdkapital zu kommen. Das liegt nicht nur an den Banken, wie der 5. Berliner Automobildialog zeigt. Auch die Händler tragen teilweise dazu bei.

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Anthony Bandmann (Volkswagen Bank; li.) und Guido Schacht (Hypo-Vereinsbank) diskutierten über Mittelstandsfinanzierung beim Berliner Automobildialog.
Anthony Bandmann (Volkswagen Bank; li.) und Guido Schacht (Hypo-Vereinsbank) diskutierten über Mittelstandsfinanzierung beim Berliner Automobildialog.
(Foto: Zietz)

Das Kfz-Gewerbe fordert mittelstandsfreundlichere Richtlinien für die Kreditvergabe an Autohäuser und Werkstätten. Durch restriktive Auswirkungen der Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften seien Banken größtenteils die Hände gebunden, kritisierte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski im Rahmen des 5. Berliner Automobildialogs, der unter dem Motto „Automobilhandel – Mittelstandsfinanzierung im Umbruch?“ stand.

Das erschwert die Aufnahme von Fremdkapital für viele Unternehmer im Kfz-Gewerbe. Allerdings räumte Karpinski auch ein, dass die Kommunikation zwischen Betrieben und Banken verbesserungswürdig sei. „Der Mittelstand spricht manchmal nicht ausreichend mit Banken, um die eigene wirtschaftliche Situation vollständig und nachvollziehbar aufzuschlüsseln", so der ZDK-Präsident. Banken müssten verstehen, wo die Herausforderungen liegen, um gemeinsam Lösungen zu finden.

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Hier setzt die Volkswagen Bank mit ihren Unternehmergesprächen an, wie deren Sprecher der Geschäftsführung Anthony Bandmann informierte. Dort sei es möglich, etwa anhand von Simulationsrechnungen auf Basis vergleichbarer Unternehmen die Perspektiven des Autohauses zu verdeutlichen.

Der Bank reicht die Präsentation von Finanzkennzahlen nicht aus. Wichtig sei beispielsweise auch zu wissen, wie der Händler „plant und wie seine Nachfolge aussieht“, ergänzte Bandmann. Vor allem für die Immobilienfinanzierung spiele dies eine entscheidende Rolle. Derzeit hat die VW Bank rund eine halbe Milliarde Euro in die Immobilienfinanzierung der VW-Händler gesteckt.

Bei der Immobilienfinanzierung der Händler engagiert sich auch die Hypo-Vereinsbank. Dabei stoßen die immer wieder wechselnden CI-Richtlinien der Hersteller und Importeure und deren Auswirkungen bei den Bankern auf Skepsis. Eine Geschäftsbank wolle erklärt haben, warum sie solche Investitionen mit einer geringen Halbwertzeit langfristig finanzieren solle, erläuterte Guido Schacht, Senior Risk Manager Automobilindustrie der Hypo-Vereinsbank.

Doch es sind nicht nur die CI-Vorgaben. Auch die wirtschaftliche Situation im Kfz-Gewerbe schürt die Skepsis des Bankers. „Eine Branche mit wenig Rendite und roten Zahlen gehört nicht zu den umworbenen Bankkunden“, ergänzte Schacht. Dennoch würden sie nicht die Branche meiden, seien aber sehr vorsichtig.

Umso wichtiger sind die Vorbereitungen der Händler für die Bankengespräche. „Der Unternehmer muss wissen, wo er im Rating steht“, stellte Peter Englisch von Ernst & Young klar. „Nur so kann er ein Optimum für sich bei Verhandlungen erzielen.“

Kfz-Unternehmer Michael Kraft betonte, im Geschäft gehe Liquidität vor Rentabilität. Wichtig sei es, eine ausgewogene Risikostreuung zwischen Geschäfts- und Spezialbanken herzustellen. Er nahm aber auch die Banken in die Pflicht, ihre unterschiedlichen Rating-Vorschriften begründet und nachvollziehbar zu erläutern.

In seinem Resümee machte Markus Becker-Melching vom Bundesverband deutscher Banken deutlich, dass es eine Korrelation gebe zwischen Unternehmensgröße und Professionalität in der Finanzkommunikation mittelständischer Betriebe. Hier hätten insbesondere die kleinen Unternehmen noch Nachholbedarf.

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