Lösungen im Kampf um die Straßenfläche

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Der Verkehr kennt viele Teilnehmer, doch wem gehört die Straße? Antworten suchten die Teilnehmer des 4. Berliner Automobildialogs.

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ZDK-Präsident Jürgen Karpinski beim Berliner Automobildialog.
ZDK-Präsident Jürgen Karpinski beim Berliner Automobildialog.
(Foto: Zietz)

Mit dem 4. Berliner Automobildialog suchte der ZDK am Dienstag Antworten auf die Frage, wem die Straße eigentlich gehört. In der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund gab der ZDK-Präsident darauf eine provokante Antwort: „Die Straße gehört den Baustellen und Schlaglöchern.“ Während die Verkehrsleistung kontinuierlich wachse, fahre die Politik das Straßennetz auf Verschleiß, kritisierte Jürgen Karpinski. Knapp 39 Prozent der Fahrbahnoberflächen der Bundesstraßen und fast 50 Prozent der Brücken hätten laut Bundesanstalt für Straßenwesen den kritischen Warnwert überschritten. Der Renovierungsbedarf sei hoch.

Seine klare Forderung lautete daher, die Straßen als Lebensadern einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft dringend wieder in einen leistungsfähigen Zustand zu versetzen. Hinzu komme der Kampf um die Verkehrsflächen, vor allem in den Ballungsgebieten. Hier seien intelligente neue Konzepte notwendig, wobei dem Kraftfahrzeug als mit Abstand wichtigstem Verkehrsträger entsprechender Raum zu belassen sei.

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Den anschließenden Fachdialog über mögliche Lösungen im Kampf um Flächen, Schwerpunkte und Finanzen auf deutschen Straßen moderierte Christoph Konrad, Leiter des ZDK-Hauptstadtbüros.

Durch die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander, aber auch mit der Verkehrsinfrastruktur könne man zukünftig den Problemen in städtischen Verkehrsräumen begegnen, betonte Peter F. Tropschuh, Leiter Corporate Responsibility bei Audi. Das sei schon deshalb notwendig, weil inzwischen 56 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebten; im Jahr 2030 sollen es zwei Drittel sein. Die Politik müsse die Voraussetzungen dafür schaffen, automatisiertes Fahren im realen Verkehrsraum erproben zu können. Dem stehe etwa das Wiener Abkommen noch entgegen.

Laut Marc A. Fleischhauer, Geschäftsführer der ADAC Touring, gehöre die Straße den Pkw, Lkw und Bussen, aber in sinnvoller Vernetzung. Bei wachsenden Kundenzahlen im Fernbusmarkt von erwarteten 15 Millionen Passagieren in diesem Jahr müsse eine Infrastruktur geschaffen werden, mit der die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr im Vordergrund stehe. Deswegen würden Fernbusbahnhöfe inzwischen an Flughäfen realisiert.

Die Straße werde zunehmend den älteren Verkehrsteilnehmern gehören, sagte Dekra-Verkehrspsychologe Wolfgang Schubert. Dabei gerate die Fitness der immer älter werdenden Verkehrsteilnehmer stärker ins Blickfeld. So werden im Jahr 2030 fast 29 Prozent der Bevölkerung in Deutschland über 65 Jahre alt sein. Seine Idee: Begleitetes Fahren ab 71 Jahren und regelmäßiger Gesundheitscheck im Alter.

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