Die Abkürzung LBVCR lässt Oldtimer-Fans aufhorchen. Allen voran die, deren Herz für richtig altes Eisen schlägt. In diesem Jahr war der Erfinder des modernen Automobils beim ältesten Automobilrennen der Welt mit einem Mercedes-Simplex 28/32 PS von 1904 dabei.
Seit 95 Jahren ist die Neuauflage des London to Brighton Veteran Car Run die ultimative Oldtimer-Rallye für Fahrzeuge aus der Pionierzeit des Automobils. Denn mitmachen dürfen ausschließlich Modelle, die vor 1905 gebaut wurden.
(Bild: Craig Pusey)
Der „London to Brighton Veteran Car Run“ (LBVCR) ist die älteste und wohl auch vielfältigste aller historischer Automobilveranstaltungen. Dabei ist der LBVCR ist nicht nur eine besonders hochrangige Veranstaltung der automobilen Klassiker, sondern hat selbst eine beeindruckende Historie: Er wird bereits seit 1927 ausgetragen, und das stets nur mit Fahrzeugen, die vor 1905 gebaut worden sind. Das Vorbild des „Runs“ geht auf das Jahr 1896 zurück, als eine Liberalisierung der Vorschriften zur erlaubten Höchstgeschwindigkeit mit dem „Emancipation Run“ gefeiert wird. Schon damals führte die Fahrt von London ins 60 Meilen (96 Kilometer) entfernte Brighton.
Schon damals mit am Start: Modelle von Daimler und seinen Lizenznehmern. Beispielweise die Mercedes-Simplex-Modelle. Sie folgten auf den Mercedes 35 PS, das erste moderne Automobil. Den hatte die Daimler-Motoren-Gesellschaft auf Anregung von Emil Jellinek für die Rennwoche von Nizza entwickelt. Der neue Typ brach mit damals üblichen Konstruktionen, die noch stark mit motorisierten Kutschen verwandt waren. Der Mercedes 35 PS, benannt nach Jellineks Tochter Mercédès, erschien 1901 mit einer völlig neuen Fahrzeugarchitektur, mit einem – im Vergleich zu anderen damaligen Automobilen – flachen Fahrzeugdesign sowie einem leichten, tief im Rahmen eingebauten Hochleistungsmotor und einem organisch in die Front integrierten Bienenwabenkühler. Ab 1902 war dann die Typenfamilie des Mercedes-Simplex Wegbereiter des Markenerfolgs.
Daimler und Benz von Beginn an dabei
Als das Automobil Mitte der 1890er-Jahre nach Großbritannien kam, drohten die Vorgaben des „Highway Acts“ den technischen Fortschritt der britischen Individualmobilität erheblich zu behindern. Das änderte sich im Jahr 1896, als die Höchstgeschwindigkeit für Straßenfahrzeuge auf 19,2 km/h (12 Meilen pro Stunde) angehoben wird. Diese Liberalisierung („Erlass zur Änderung des Gesetzes in Bezug auf den Einsatz von Lokomotiven auf Highways“) feierte der erste „Emancipation Run“ am 14. November 1896 mit einer Fahrt von London ins Seebad Brighton. Gottlieb Daimler persönlich nahm als ausländischer Gast an der Veranstaltung teil. Viele der Teilnehmer setzten auf Fahrzeuge von Daimler oder auf solche, die mit in Lizenz gefertigten Daimler-Motoren ausgestattet waren. Darüber hinaus nahmen auch vier Benz-Fahrzeuge am Rennen teil.
Zur Erinnerung an diese Fahrt erfolgte 1927 die historische Neuauflage der Veranstaltung von 1896. Dazu gehörte auch der Termin Anfang November mit meist eher unwirtlichem Wetter. Schnell etablierte sich der erste Sonntag dieses Monats für die Fahrt, die vom ältesten britischen Automobilclub, dem Royal Automobile Club (RAC) organisiert wird. Eindrucksvoll ist bis heute bereits das Sammeln der Fahrzeuge im Londoner Hyde Park in den dämmrigen Morgenstunden und das Starten der Antriebe von Dampf- bis Verbrennungsmotor. Lediglich zwischen 1940 und 1947 sowie im Pandemiejahr 2020 fiel der „Run“ aus.
Wer's bis in's Ziel schaft, hat gewonnen
Zugelassen sind zwei-, drei- oder vierrädrige Fahrzeuge mit einem Baujahr vor 1905. Die Antriebe erhalten ihre Energie aus Dampf, Batterien, Benzin oder auch Muskelkraft. Denn seit 2017 dürfen auch historische Fahrräder teilnehmen. Dabei ist das heutige kein Rennen im eigentlichen Sinn – es geht nicht um Bestzeiten etc., sondern um das erfolgreiche Ankommen am Ziel. Hier wird jeder Teilnehmer mit einer Medaille belohnt, der die Kanalküste vor 16:30 Uhr erreicht. Bei dieser größten Versammlung von Veteranenfahrzeugen aus der Frühzeit der Automobilgeschichte starten stets mehrere Hundert Teilnehmer.
Der Start des „RM Sotheby’s London to Brighton Veteran Car Run“ – so der aktuelle Name – erfolgte in diesem Jahr im Hyde Park am 6. November mit Sonnenaufgang und somit um 7:03 Uhr. Mercedes-Benz Classic war mit einem Mercedes-Simplex 28/32 PS von 1904 dabei. Dabei erging es Team um Marcus Breitschwerdt, Leiter Mercedes-Benz Heritage, wie allen anderen Teilnehmern in diesem Jahr – leider. Denn anders als im letzten Jahr, als der Veteran Car Run bei bestem Sonnenschein über die Bühne ging, versank er dieses Mal beinah in den Regenfluten. Dafür durften sich die Stuttgarter über den Gewinnerpreises „Concours d’Equipe“ im Rahmen des Councours, der am Samstag vor dem Rennen stattfand, freuen.
Stand: 08.12.2025
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