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Markenhändler gründen neuen Verband

| Autor: Christoph Baeuchle

Der Fabrikatshandel bekommt die starken Umbrüche in der Branche deutlich zu spüren. Um ihre Interessen besser vertreten zu können, haben nun einige Markenhändler einen neuen Verband gegründet.

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Interessen des Fabrikatshandel im Blick: (v.li.) Bernhard Lycke (Cecra), Mathias R. Albert (VMH) und Jean-Charles Herrenschmidt (Cecra).
Interessen des Fabrikatshandel im Blick: (v.li.) Bernhard Lycke (Cecra), Mathias R. Albert (VMH) und Jean-Charles Herrenschmidt (Cecra).
(Bild: VMH)

Mit dem Zusammenschluss zu einer neuen Organisation wollen verschiedene große Autohändler an Durchsetzungskraft gewinnen. Dafür haben sie den Verband der Markenvertragshändler, kurz VMH, ins Leben gerufen. Er versteht sich als Lobbyvertretung mit einem langfristigen Engagement.

Treibende Kraft des neuen Verbandes ist Mathias R. Albert. Als Miteigentümer der Autohausgruppe Auto Domicil bringt er reichlich Branchenerfahrung mit und als Vizepräsident des Verbands der Automobil-Tuner (VDAT) und Gründungsmitglied der entsprechenden Organisation auf europäischer Ebene (ETO) weiß er genau, wie man netzwerkt. Albert hat gemeinsam mit Burkhard Weller den VMH-Vorsitz inne. Eine dritte Stelle ist derzeit noch vakant.

Der junge Verband hat bislang rund zwei Handvoll Mitglieder: Neben Auto Domicil und der Weller-Gruppe gehören beispielsweise auch Car Union, Motor Nützel und das Autohaus Wolfsburg dazu. Ziel sei es, bis zu 50 Mitglieder für den neuen Verband zu gewinnen, so Albert. Dabei spreche er in erster Linie die 200 größten Autohausgruppen und Markenvertragshändler an.

Sitz des VMH ist Berlin, wo er ein Büro mit mindestens einer Vollzeitkraft einrichten will. Es soll als Basis dienen, um gute Beziehungen in die Politik zu pflegen und die gemeinsamen Interessen vorzubringen. Zudem will der VMH den Kontakt zum Verband der Automobilindustrie (VDA) suchen, der ebenfalls in der Hauptstadt ansässig ist.

„Wir wollen kein Wettbewerber zum Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sein, der in seiner Größe eine Vielzahl von Interessen vertritt“, betont Albert. Vielmehr wolle sich der VMH auf die Interessen der Markenvertragshändler konzentrieren und diese in den Fokus rücken.

ZDK ist informiert

„Die Gründung des Verbands war uns bereits seit längerem bekannt. Es gab auch schon erste Kontakte. Ob und inwieweit sich eine Zusammenarbeit anbietet, wird Gegenstand weiterer Gespräche sein“, erläutert ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn. Und weiter: „Die Interessen des Handels auf europäischer Ebene sehen wir allerdings besser gewahrt durch die Alliance of European Car Dealers and Repairers (AECDR), der sich dem ZDK angeschlossen hat.“

Der VMH indes ist seit Anfang September Mitglied beim europäischen Dachverband Cecra. Ende vergangenen Jahres ist der ZDK wiederum aus diesem europäischen Dachverband ausgetreten. Der ZDK begründete jenen Schritt damit, dass finanzieller und personeller Aufwand nicht im angemessenen Verhältnis zum Ergebnis stehen würden. Kurz: Mit Cecra wurde auf europäischer Ebene zu wenig erreicht. Deshalb gründete der ZDK zusammen mit Partnern die „Alliance of European Car Dealers and Repairers“.

„Als Cecra-Mitglied wollen wir die Interessen der deutschen Vertragshändler in Brüssel vertreten“, betont dagegen Albert. Nach dem Ausscheiden des ZDK fehle in dem Verband eine deutsche Interessenvertretung. So hofft der VMH auf europäischer Ebene Einfluss zu nehmen. „80 Prozent der deutschen Gesetze kommen aus Brüssel, entsprechend wichtig ist es, hier eine starke Lobby zu haben“, betont Cecra-Generalsekretär Bernhard Lycke.

Fokus auf übergreifende Themen

Der VMH sieht sich in erster Linie als Ergänzung zu bestehenden Organisationen. Dies gilt auch für die Fabrikatsverbände. Deren Aufgabe sei es, so Albert, die Interessen der Händler der jeweiligen Marke gegenüber dem Hersteller zu vertreten. „Das ist nicht Aufgabe des VMH, so tief wollen wir ins Detail nicht eintauchen.“ Der VMH habe den Fokus auf übergreifenden Themen wie beispielsweise dem umkämpften Zugang zu den Fahrzeugdaten und die in den kommenden Monaten neu auszuhandelnde Gruppenfreistellungsverordnung.

„Wer kurzfristige Ziele verfolgt, ist bei uns falsch aufgehoben“, macht Albert klar. Die Automobilbranche müsse sich derzeit neu erfinden. „Hier wollen wir mitgestalten", betont der VMH-Vorsitzende. Er denke in einem Zeitrahmen von fünf bis zehn Jahren.

Geduld ist die eine Seite, finanzielle Mittel die andere: Abhängig von der Größe der Autohausgruppe liegt der Jahresbeitrag zwischen 5.000 und 15.000 Euro. Im ersten Jahr ist es für die Mitglieder günstiger. Albert ist sicher, das zahlt sich aus: „Wenn wir allein fünf bis zehn Prozent der Zeit, die wir für das tägliche Geschäft aufwenden, in die Gestaltung der Zukunft stecken, dann ist das ein gutes und geeignetes Investment.“

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