Mit Gottvertrauen in den neuen Opel-Vertrag

VDOH: „Das Beste, was wir rausholen konnten“

| Autor: Jens Rehberg

Die Verbandsvorstände (v. li.) Peter Hübner, Jörg Heidenreich, Mathias Schinner und Peter Müller beim Pressegespräch in Rüsselsheim.
Die Verbandsvorstände (v. li.) Peter Hübner, Jörg Heidenreich, Mathias Schinner und Peter Müller beim Pressegespräch in Rüsselsheim. (Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Verträge zu lesen ist eine Qual. Meistens weiß man aber zumindest hinterher, wer was weshalb zu welchen Bedingungen zu tun hat. Der neue Opel-Händlervertrag folgt dem Trend in der Industrie, zum Nachteil der Handelspartner Vieles erst einmal offen zu lassen, um dem Hersteller maximale Flexibilität zu sichern. Zahlreiche Details, die für den Kaufmann entscheidend sind, finden sich nicht im Kernvertrag.

Die Opel-Händler, die sich bis Ende Februar entscheiden müssen, ob sie ihre Unterschrift leisten wollen, müssen also schlicht vertrauen – darauf, dass das Mitspracherecht der Händlervertreter auch wirklich gelebt wird, dass die noch folgenden Detailbestimmungen maßvoll ausfallen, vor allem aber, dass der Hersteller ihnen wohlgesonnen bleibt.

Letzteres hängt stark von den handelnden Personen ab. Hier hat sich Opel-Deutschland-Chef Jürgen Keller in der Vergangenheit als verlässlicher und zugänglicher Geschäftspartner gezeigt. Man muss allerdings auch in dieser Hinsicht darauf vertrauen, dass der Opel-Eigentümer in Paris auch in der kommenden Phase der Sanierung auf personelle Kontinuität setzt.

Zu dem, was jetzt auf dem Tisch liegt, bescheinigen die Opel-Händler ihrem Verband jedenfalls, gute Arbeit geleistet zu haben. „Das ist das Beste, was wir rausholen konnten“, sagte Peter Müller, der Vorstandssprecher des Opel-Händlerverbandes, im Gespräch mit Pressevertretern am Montag. Zuvor hatte der Verband auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Mainz 250 angereisten Händlern die Verhandlungsergebnisse aus den Vertragsgesprächen erklärt.

„Es gab keine Begeisterung“, fassten die bei dem Pressegespräch anwesenden Verbandsvorstände die Stimmung im Saal zusammen. „Da kamen noch ein paar Detailfragen, aber die Reaktionen zu den erzielten Regelungen waren insgesamt positiv.“

Kein direkter Verkauf ohne Händlerbeteiligung

Dass der Verband in vielen wichtigen Punkten – ohne zwischendurch Krach zu schlagen – für die Händler Verbesserungen aushandeln und Verschlechterungen verhindern konnte, ist mit Blick auf Vertragsdiskussionen bei anderen Fabrikaten in letzter Zeit keine Selbstverständlichkeit.

Der größte Erfolg ist sicherlich die Einbindung der Partner in den Rüsselsheimer Direktvertrieb: Jeder von Opel online getätigte Einzelverkauf muss über einen Vertragspartner abgewickelt werden, der dafür mit einer einstelligen Mindestmarge vergütet wird – ein ähnliches Modell wie bei Audi, sogar mit exakt derselben Marge, allerdings werden viele direkt vertriebene Audis über die Werksniederlassungen trotzdem am Handel vorbeilaufen.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Erhaltung eines Schiedsverfahrens, wenn ein Opel-Händler und der Hersteller beim Jahresverkaufsziel partout nicht zusammenkommen. Diese Fälle kann ein Sachverständigenausschuss regeln, für den beide Parteien einen Schlichter nennen können, welche wiederum einen weiteren, dritten Experten berufen. Jedoch müssen die Partner auch an dieser Stelle Vertrauen haben. Denn den letztlichen Schiedsspruch sieht Opel als „nicht verbindlichen Vorschlag“ an. Die Hälfte der hierbei entstehenden Kosten trägt übrigens der Partner.

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