Alles spricht über die Neue Klasse und damit über den batterieelektrischen BMW iX3 – doch auch die erst 2024 vorgestellte Verbrenner-Variante X3 ist noch taufrisch und überzeugt mit hohem Komfort und einem nahezu perfekten Sechszylinder-Dieselmotor.
In der Pfalz wird bis heute Erdöl gefördert, wenn auch in kleinen Mengen. Angesichts der aktuellen Lage auf dem Erdölmarkt hilft aber auch das.
(Bild: Rosenow – VCG)
In der von 2017 bis 2025 gebauten Generation G01 war der BMW X3 sowohl mit elektrischem Antrieb als auch mit Verbrennungsmotor zu haben. Das änderte sich bei seinen Nachfolgern: Das BEV-Modell (NA5) erhielt eine eigene technische Basis, die mittlerweile viel besungene „Neue Klasse“. Aber auch den konventionell angetriebenen X3 hat BMW noch einmal komplett neu aufgesetzt (G45).
Und dieses Modell war im Frühjahr bei »kfz-betrieb« zu Gast, und zwar in einer besonders lecker angerichteten Variante mit Sechszylinder-Dieselmotor. Ungünstigerweise konnten wir kurz vor dem Schreiben dieser Zeilen eine erste Ausfahrt im iX3 unternehmen, sodass sich die Frage nach dem Sinn des Verbrenners angesichts des überzeugenden Eindrucks, den der brandneue Stromer hinterlassen hat, mit erhöhter Dringlichkeit stellt. Doch natürlich bleibt der Diesel ebenso erlaubt wie beliebt unter seinen Fans, und so soll der Vergleich mit dem BEV hier im Folgenden keine Rolle mehr spielen.
Oder doch? Ganz kann man sich ja doch nicht frei machen von der ewigen Vergleicheritis. Beispiel Antrieb: Ja, der E-Motor ist effizient und abgasfrei, aber er zeigt Null eigenständigen Charakter. Der Reihensechser im X3 hingegen ist ein Prachtstück, das ursächlich für viele Kaufentscheidungen sein dürfte. Sämiger, schwingungsfreier Lauf, spontane Reaktion auf Gaspedalbewegungen, wuchtiger Durchzug, niedriger Verbrauch. Es war kein Problem, den 223 kW/303 PS starken Zweitonner bei Autobahntempo mit sechs Litern auf 100 Kilometern zu betreiben – der Verbrauch eines Kleinwagens.
Das Achtgang-Wandlergetriebe von ZF erwies sich als der erwartet kongeniale Partner. Es hielt den starken Motor konsequent bei niedrigen Drehzahlen und schaltete schnell und ruckfrei. Der 13 kW starke Mildhybrid-Elektromotor unterstützte das Anfahren spürbar.
Wuchtiger Auftritt und viel Platz
Doch schauen wir uns den 2024 vorgestellten X3 erst einmal von außen an. Er trägt die typische BMW-Niere noch in der enormen Größe, die in den letzten Jahren kennzeichnend für das Design der Münchener war. Gleiches gilt für die glattflächige, geradlinige Karosserieform, die eher Kraft ausstrahlt als Eleganz. Besonders gilt das für das etwas zu lang geratene Heck mit der breiten D-Säule und dem nur noch schwach angedeuteten Hofmeister-Knick.
Immerhin passt in den mächtigen Hintern auch viel hinein, nämlich 570 Liter Standardvolumen und bis zu 1.750 Liter bei umgeklappter Bank. Auch der Sitzkomfort für alle Passagiere ist herausragend – nur die Vordersitze sind BMW-typisch etwas schmal geschnitten und bevorzugen schlanke Figuren. Die im Innenraum verwendeten Materialien werden dem Premium-Anspruch von BMW gerecht.
Neue Bedien-Ideen sind nicht unbedingt besser
Doch gilt das auch noch in Sachen Bedienung? Da haben wir so unsere Zweifel. Die Türöffner außen verschwinden zwar nicht komplett in der Karosserie, aber sie fühlen sich trotzdem billig und leicht klapprig an. Der klassische Dreh-Drück-Steller zur Bedienung des Infotainments ist zwar noch vorhanden, aber sein Nutzen hat in Zeiten der menübasierten Touchscreen-Bedienung doch stark abgenommen.
Die Druckschalter für die wichtigsten Menüpunkte auf der Mittelkonsole wurden abgelöst von einer Touchfläche. Selbst die eigentlich sehr schön gemachte Walze für die Lautstärke ist ungünstig platziert und so tief in die Mittelkonsole eingelassen, dass man sie schnell links bzw. rechts liegen lässt. Dem BMW-Novizen unbedingt erklären muss man auch die Funktion der im Armaturenbrett und in den Türverkleidungen verteilten 0-bis-1-Skalen – mit denen kann man wahrscheinlich den Durchsatz der Lüftungsdüsen steuern.
Auch der Sinn der schlecht ablesbaren dreieckigen Skalen für Geschwindigkeit und Motor-„Power“ (wahrscheinlich ist das Drehmoment gemeint) erschließt sich nicht so recht. Dass die Bedienung fast ausschließlich über den Touchscreen erfolgt, muss man heute leider hinnehmen. Mal sehen, ob die neue Euro-NCAP-Regelung hier bei den Herstellern für ein Umdenken sorgt.
All das mag wie kleinkarierte Meckerei klingen oder wie die Unfähigkeit, sich an moderne Lösungen anzupassen. Aber wenn es doch bereits perfekt durchkonstruierte Bedienkonzepte gibt – besteht dann wirklich die Notwendigkeit, es aus Prinzip anders machen zu müssen? Was spricht beispielsweise gegen ein rundes Lenkrad?
Stand: 08.12.2025
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Eine runde Sache ist der BMW X3 trotzdem. Starker und trotzdem sparsamer Motor, guter, aber nicht sänftengleicher Federungskomfort, familientaugliches Platzangebot und das derzeitige Maximum an Fahrerassistenztechnik – all das summiert sich zu einem Fahrzeug, das den Höhe- und wohl auch Endpunkt der Entwicklung beim klassischen Verbrenner darstellt. Allerdings ist dieses Technikpaket mittlerweile nicht mehr günstiger zu haben als die Elektrovariante. Während der X3 40d mit 71.000 Euro in der Liste steht, gibt es den iX3 für einen 100er weniger. Wer hätte das gedacht.