Skoda kann nicht nur praktisch, die Tschechen können auch Leidenschaft. Das zeigt zumindest der Skoda Spider, der das Werk in Mlada Boleslav verlassen hat. Das Modell teilt sich die Plattform und viel Technik mit dem Scala, hat aber ein Problem.
Der Skoda Slavia rollt durch Tschechien. Das Spider-Modell ist allerdings ein Einzelstück, entstanden in einem Azubi-Projekt.
(Bild: Skoda)
In den vergangenen Monaten haben 31 Auszubildende aus verschiedenen Fachrichtungen an der Skoda Akademie einmal mehr ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und mit dem Azubi-Car gezeigt, zu welchen Modellen die tschechische Marke in der Lage wäre. Basierend auf dem Kompaktmodell Scala haben sie eine Spider-Variante des Kompaktmodells geschaffen. In Anlehnung an das erste Fahrzeug aus „Skoda“-Produktion trägt es den Namen „Slavia“.
Der Ur-Slavia war allerdings kein Automobil sondern ein Fahrrad, liegt doch die Wiege des tschechischen Herstellers in einer Fahrradwerkstatt, die Vaclav Laurin und Vaclav Klement von 1895 an betrieben. Ein Jahr später montierten sie bereits selbst Fahrräder, die sie dann eben unter dem Produktnamen Slavia verkauften.
Ebenso eine Eigenkreation ist der Slavia des Jahres 2020. Mit dem siebten Fahrzeug aus der Skoda Akademie begaben sich die Nachwuchskräfte zugleich auf ihre Weise auf eine Zeitreise durch die Automobilgeschichte. Konzipiert als offenes Modell erinnert der Skoda Spider auch an die ersten Autos, die ja zunächst kein Verdeck hatten. Und natürlich passt ein Spider-Modell zur Jugend seiner Erbauer: „.In seiner konsequenten Offenheit hält sich der Skoda Slavia nicht an gängige Konventionen und steht auch für freie Gedanken und die nonchalante Unbekümmertheit der jungen Generation“, heißt es im Skoda-Pressetext.
Seit Herbst 2019 arbeiteten die Azubis, 5 Frauen und 26 Männer, an ihrem ganz persönlichen Traumauto. Von den ersten Entwürfen über die komplette Konstruktion bis hin zum eigenhändigen Aufbau des Einzelstücks übernahmen die Azubis unter Anleitung ihrer Ausbilder alle Arbeitsschritte selbst. Unterstützt wurden sie von Skoda-Ingenieuren und erfahrenen Mitarbeitern aus den Bereichen Technische Entwicklung, Design und Produktion.
Wegen der Corona-Pandemie waren die Arbeiten Mitte März zum Erliegen gekommen. Ab Mitte Mai konnten sich die Nachwuchskräfte dann wieder ihrem Projekt zuwenden. Denn zu diesem Zeitpunkt waren zahlreiche Arbeiten im Innenraum und Abstimmungen für Karosseriearbeiten noch offen.
Die Tradition der Skoda Azubi Cars besteht seit 2014. Azubis der Skoda Berufsschule in Mladá Boleslav, die erst seit 2013 existiert, dürfen seitdem jedes Jahr ein spektakuläres Konzeptfahrzeug planen, entwickeln und selbst bauen. Für diese bislang ganz unterschiedlichen Konzeptfahrzeuge dürfen die Nachwuchskräfte nach Lust und Laune kreativ werden. Zur Serienreife hat es freilich noch kein Modell geschafft, bis in den Skoda-Pavillon in der Autostadt in Wolfsburg drangen das Pick-up-Konzept Mountiaq und die SUV-Cabrio-Studie Sunroq aber schon vor.
Letztlich gibt es auch für das Azubi-Projekt einen Vorläufer aus den 1970er-Jahren. 1975 bauten Berufsschüler in Handarbeit vier Exemplare des Skoda Buggy Typ 736 auf und stellten damit schon damals die hohe Qualität der Ausbildung unter Beweis. Mit diesem Buggy folgte Skoda damals dem Trend der Standbuggys, wie man sie etwa vom Citroën Mehari oder dem Mini Moke kannte. Ein Konkurrenzprodukt aus dem damaligen Ostblock war durchaus denkbar. Am Ende reichten aber fast 30.000 Testkilometer nicht – trotz positiver Ergebnisse, wie es heute heißt –, um die Serienfertigung dieses Nischenmodells anzustoßen. In gewisser Weise ein Schicksal, dass der Buggy 736 mit den modernen Azubi-Cars teilt.
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