»kfz-betrieb« Auto-Check: Mitsubishi Grandis Vorwärts, ihr Blauen!

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

Ohne Renault-Modelle würde es Mitsubishi in Europa wohl nicht mehr geben. Und wer keinen Wert auf eine authentische Markenidentität legt, der kann zum Beispiel mit dem dem neuen Grandis sehr gut leben – vor allem in Blau.

Der Grandis trägt den Namen eines Van-Modells von Mitsubishi aus den 2000er Jahren, ist aber ein Badge-Engineering-Modell auf Basis des Renault Symbioz.(Bild:  Rosenow – VCG)
Der Grandis trägt den Namen eines Van-Modells von Mitsubishi aus den 2000er Jahren, ist aber ein Badge-Engineering-Modell auf Basis des Renault Symbioz.
(Bild: Rosenow – VCG)

Dass es Parallelen zwischen Frankreich und Japan gibt, hat man jüngst bei der Fußball-Weltmeisterschaft gesehen. Beide Teams treten in blauen Trikots an. Die Nationalfarbe dient den Franzosen sogar als Schlachtruf: Das „Allez les Bleus!“, auf Deutsch soviel wie „Vorwärts, ihr Blauen!“, hat das Team sogar bis ins Halbfinale gepeitscht.

„Allez les Bleus!“ dürfte aktuell auch so mancher Mitsubishi-Händler murmeln, wenn er in seinen Schauraum blickt. Denn der steht voll mit französischen Autos – seit einigen Jahren füllt Mitsubishi bekanntlich sein mageres Line-Up mit umgebadgten Renaults auf. Das ist keine schlechte Wahl, überzeugen ASX (Ex-Captur), Grandis (Ex-Symbioz) und Eclipse Cross (Ex-Scenic) doch mit gutem Platzangebot, brandaktuellem Infotainment und moderner Antriebstechnik.

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Aber für die Markenidentität eines Anbieters, der immerhin seit fast 50 Jahren in Deutschland vertreten ist, Ikonen wie den Geländewagen Pajero zu bieten hatte oder mit dem I-Miev eines der ersten serienmäßigen Elektroautos auf den Markt brachte, ist so eine Modellpolitik eigentlich Gift.

Doch das soll hier nicht das Thema sein. Schauen wir lieber auf den Testwagen, einen Grandis, der passenderweise in der wunderschönen und im Spitzenmodell Diamat Top sogar aufpreisfreien Metalliclackierung namens Royal-Blau angeliefert wurde. Das markante Design täuscht dabei etwas, denn eigentlich ist der Grandis wie sein Renault-Bruder Symbioz ein kreuzbraves Familienauto.

Geschmackvoll gestaltetes Interieur

Das Platzangebot in dem gut 4,41 Meter langen Kompakt-SUV ist sehr ordentlich. Vorn nehmen Fahrer und Beifahrer auf gut ausgeformten, bequemen Ledersitzen Platz und schauen auf ein geschmackvoll gestaltetes Interieur. Geschäumte Kunststoffe überziehen das Armaturenbrett, die Zierleisten aus nachgebildetem Holz und die Umrandungen der Lüftungsdüsen wirken elegant.

Die Bedienung setzt auf eine Mischung aus Touchscreen und Tasten. Im Lenkrad gibt es noch richtige, gut gekennzeichnete Druckschalter statt Sensortasten; der Geschwindigkeitsassistent lässt sich ebenfalls mit einem (doppelten) Tastendruck stilllegen. Das ist auch gut so, denn seine Erkennungsgenauigkeit konnte, so wie bei vielen anderen Autos, nicht überzeugen. Ein kleiner Lapsus ist auch der Gangwahlschalter, dessen senkrecht angeordnete Beschriftung kaum sichtbar und zudem nicht beleuchtet ist. Mit dem Grandis als Mietwagen im dunklen Parkhaus losfahren? Viel Glück!

Überschaubare Variabilität

Positiv möchten wir jedoch den mittleren Bildschirm im Hochformat und die übersichtliche Bedienstruktur dank Google-Betriebssystem hervorheben. Auch das große und übersichtliche Fahrerdisplay erfüllt seinen Zweck ordentlich und mindert den Schmerz über das nicht vorhandene Head-up-display.

Eine Reihe weiter hinten setzt sich der gute Eindruck fort, wenn auch mit Abstrichen. Die Rücksitzbank lässt sich zwar um 16 Zentimeter verschieben, aber auch in der hintersten Position stellt sich keine generöse, sondern nur eine für die Fahrzeugklasse ordentliche Beinfreiheit ein. Auch die Kopffreiheit reicht für größere Personen geradeso aus – erstaunlich für ein Modell mit SUV-Kabine.

Der Kofferraum ist dafür mit mindestens 576 Litern (gemessen inklusive Unterbodenfach) sehr groß. Schiebt man die Bank ganz nach vorn, passen sogar über 700 Liter rein und knapp 1,7 Kubikmeter bei umgeklappter Bank. Das ist schon enorm. Etwas enttäuschend bei einem Fahrzeug mit Renault-Genen ist die unterentwickelte Variabilität. Die Rücksitzlehne lässt sich im Verhältnis zwei Drittel zu einem Drittel umklappen – das wars.

Verschlafener Antriebsstrang

Als Motorisierung schickte uns Mitsubishi einen Ottomotor mit Automatik und Mildhybrid vorbei. Im Grandis/Symbioz arbeitet der 1,33 Liter große Vierzylinder, der in vielen Modellen von Renault/Dacia, Nissan und sogar Mercedes-Benz zu finden ist bzw. war. Mittlerweile wird er bei Renault zunehmend von einem 1,2-Liter-Dreizylinder abgelöst.

Er war mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert, dass durch sehr zögerliches Anfahrverhalten und ziemlich verschlafene Schaltcharakteristik negativ auffiel. Der Motor selbst zeigte jedoch ohnehin keine erwähnenswerten Eigenschäften: Er trieb das Fahrzeug ohne besonderen Elan voran und war mit einem Testverbrauch von 6,5 bis 7,5 Litern auch nicht herausragend sparsam.

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Als Einsteigermotorisierung ist er, vor allem gemessen am niedrigen Grundpreis des Grandis von gerade einmal 26.390 Euro, aber vollkommen akzeptabel. Wer etwas modernere und sparsamere Antriebstechnik bevorzugt, dürfte sich leicht für den Vollhybriden entscheiden, der lediglich 900 Euro Aufpreis kostet (gegenüber dem Verbrenner mit Automatik).

Die attraktiven Preise sind sowieso ein Hauptargument des Grandis – sowohl gegenüber dem baugleichen Renault Symbioz (ab 28.800 Euro), aber auch gegenüber den immer zahlreicheren chinesischen Wettbewerbern. Der Testwagen in Topausstattung kostete immer noch faire 38.890 Euro.

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