VW-Konzern startet Rückruf der 1,2-Liter-Motoren

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Mit einiger Verzögerung kann nun der Rückruf der kleinen Dieselmotoren starten. Er umfasst damit nun auch eine größere Zahl an Modellen der Konzerntochter Seat.

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(Foto: VW)

Volkswagen darf 460.000 weitere Fahrzeuge technisch umrüsten, die vom Dieselskandal betroffen sind. Das Kraftfahrtbundesamt habe die entsprechenden Nachbesserungen freigegeben, teilte VW mit. Es handele sich um Wagen mit dem kleinen 1,2-Liter-Motor wie etwa bei den Modellen Volkswagen Polo und Seat Ibiza. Die Halter würden nun aufgefordert, sich mit einer Werkstatt in Verbindung zu setzen.

„Die Fahrzeuge erfüllen nach der Umrüstung alle gesetzlichen Anforderungen“, betonte VW. Zudem habe das KBA uneingeschränkt bestätigt, „dass die technischen Lösungen für diese Modelle keine Veränderungen der Verbrauchswerte, Leistungsdaten und Geräuschemissionen herbeiführen“, heißt es in einer Mitteilung. Damit reagiert der Konzern möglicherweise auf die Diskussionen um die Garantiefrage im Zuge der Nachbesserungen.

Damit erreicht die Rückrufwelle nun die zweite Hubraumklasse der betroffenen Dieselmotoren, nachdem es bislang um die 2,0-Liter-Modelle gegangen war. Zum 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Später hieß es, dieser Teil werde erst „verzögert anlaufen“. Noch in diesem Jahr will der Konzern die Umrüstung aller manipulierten Dieselmodelle in Europa auf den Weg bringen. Ob VW es aber schafft, die Aktion wie ursprünglich geplant auch 2016 abzuschließen, ist ungewiss.

Rückkehr von Winterkorn denkbar

Der im Zuge der Dieselaffäre zurückgetretene Ex-Konzernchef Martin Winterkorn plant laut „Bild am Sonntag“ unterdessen die Rückkehr in die Wirtschaft. Dem 69-jährigen früheren Top-Manager lägen mehrere Angebote von Dax-Konzernen für Aufsichtsratsmandate sowie von wissenschaftlichen Instituten vor.

Eine Voraussetzung für seine Reaktivierung sei erfüllt: Demnach habe die US-Kanzlei Jones Day, die im VW-Auftrag den Dieselskandal bei dem Autobauer untersucht, keine persönliche Schuld Winterkorns in dem Fall festgestellt. Ein VW-Sprecher sagte am Sonntag: „Zu den laufenden Untersuchungen von Jones Day geben wir keinen Kommentar ab.“ Der Bericht der Kanzlei wird frühestens für das Jahresende erwartet.

VW-Großaktionär Niedersachsen verweigerte Winterkorn auf der Hauptversammlung die Entlastung. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt seit Juni wegen möglicher Marktmanipulation gegen Winterkorn und den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess.

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh kritisierte erneut Management-Fehler bei Europas größtem Autobauer. „Wir müssen effizienter werden. Ich bin mit den Prozessen, mit der Organisation und der Struktur im Unternehmen nicht zufrieden“, sagte Osterloh der „Braunschweiger Zeitung“ (Montag). Er forderte Einsparungen durch bessere Planung: „Wir müssen überflüssigen Schnickschnack aus den Autos streichen und so die Kosten in den Griff bekommen.“ Der Sparkurs wegen der Dieselkrise dürfe nicht zulasten der Mitarbeiter umgesetzt werden, sagte Osterloh. Zudem müsse VW eine Strategie vorlegen, „wie unsere Standorte und der Konzernsitz Wolfsburg von Themen wie Elektromobilität und Digitalisierung profitieren“.

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