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VW- und Audi-Verträge: Einigung noch fern

| Autor: Martin Achter

Im Sommer sollen die neuen Händlerverträge für VW und Audi unterschriftsreif sein. Doch liegen Hersteller und Partner offenbar teils noch weit auseinander. Der Händlerverband informierte am Montag über den aktuellen Verhandlungsstand. Klar scheint, dass VW künftig weniger Händlerpartner will.

(Bild: Achter)

Eine Einigung zwischen Deutschlands VW- und Audi-Partnern und dem Konzern zu den neuen Vertriebsverträgen ist nach Angaben von Händlern noch in weiter Ferne. Dies sei der Tenor einer Händlertagung des Volkswagen- und Audi-Partnerverbands (VAPV) am Montag in Hannover gewesen, berichteten mehrere Händlerpartner auf Anfrage von »kfz-betrieb« übereinstimmend. Dabei habe der Verband den Verhandlungsstand dahin gehend geschildert, dass dieser mit Volkswagen ein Stück weiter fortgeschritten sei als mit der Ingolstädter Marke. Aufgrund der Vielzahl offener Fragen und der Komplexität der Vertragsentwürfe sei es aber fraglich, ob die Vertragsverhandlungen wie vorgesehen bis zum 30. Juni abgeschlossen werden könnten – insbesondere bei Audi.

Zu der Veranstaltung waren rund 800 VW- und Audi-Partner gekommen. Der VAPV will seine Mitglieder in diesem Jahr mit mehreren Tagungen über den Stand der Vertragsverhandlungen informieren. Bereits Anfang Februar hatte es eine solche Zusammenkunft der Händler gegeben. Damals hatten die Partner beider Marken geschlossen dagegen votiert, die Vertragsentwürfe nach aktueller Fassung zu unterschreiben.

Den Angaben der Händler vom Montag zufolge wurde aus den Äußerungen des Verbands klar, dass die Marke VW künftig mit weniger Partnern als bisher zusammenarbeiten will. Die neuen Verträge würden als Instrument benutzt, um sich Händlerpartnern zu entledigen.

VW und Audi wollen die Vertragskündigungen in diesen Tagen verschicken. Diese sollen zum 31. März 2020 gelten. Die Kündigungen kommen aber mit einem sogenannten Letter of Intent, in dem Volkswagen und Audi gegenüber ihren Partnern die Absicht zu einer künftigen Zusammenarbeit ausdrücken.

Die Händler berichteten weiter, dass der VW-Konzern sein Partner offenbar in drei Kategorien unterteilt hat:

  • Händler, die einen Letter of Intent erhalten, der für die Zukunft einen unbefristeten Vertriebsvertrag vorsieht.
  • Händler, die einen Letter of Intent mit einer Befristung des Vertriebsvertrags bis zum 31. März 2023 erhalten.
  • Händler, die gar keinen Letter of Intent erhalten – und somit nach der Kündigung auch keinen Vertrag für die Zukunft.

Den Tagungsteilnehmern zufolge ist aber unbekannt, mit wie vielen Händlern VW künftig zusammenarbeiten will.

Vergütung bei digitalen Dienstleistungen unklar

Ein Knackpunkt in den Vertragsverhandlungen – bei VW wie bei Audi – ist den Händlerangaben zufolge, wie sie künftig an digitalen Dienstleistungen des Konzerns rund um die Fahrzeuge von Kunden mitverdienen sollen. Zu diesen Diensten gehören das sogenannte „Flashen over the Air“, also Aktualisierungen der Fahrzeug-Systemsoftware, oder „Functions on Demand“. Letzteres sind Fahrzeugfunktionen, die sich der Kunde künftig online nach dem Kauf individuell freischalten kann.

Beim Flashen over the Air besteht den Tagungsteilnehmern nach die Frage, wie Vertriebs- und Servicepartner künftig vergütet werden sollen, wenn die Updates beim Kunden zu Hause stattfinden. Dann könne der Händler- oder Servicebetrieb keine Rechnung dafür schreiben, sondern allenfalls der Hersteller. Der Handel drohe bei diesem Modell finanziell außen vor zu bleiben.

Ähnlich verhalte es sich mit den Functions on Demand, so die Tagungsteilnehmer. Der Handel könne hier nur verdienen, wenn der Kunde die Zusatzfunktionen im Autohaus freischalten lasse. Wenn er dies allerdings online von zu Hause aus mache, verdiene der Handel auch hier nicht.

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Über den Autor

 Martin Achter

Martin Achter

Redakteur Management & Handel bei »kfz-betrieb«