Sie war nicht die einzige Stellschraube, aber eine wesentliche: die Expansion nach China. Mit dieser Entscheidung stellte der jetzt verstorbene Ex-Volkswagenchef Carl H. Hahn eine entscheidende Weiche für das Konzernwachstum. Auch der Kauf zweier Automarken war bedeutsam.
Carl Hahn
(Bild: VW)
Der chinesische Markt? Uninteressant und alles andere als eine gute Idee, fanden viele. Doch Volkswagen trieb den Einstieg in China Anfang der 1980er Jahre voran. Verantwortlich damals: der frühere Volkswagen-Konzernchef Carl H. Hahn. „Zu unserem Glück interessierte sich damals kaum ein Mensch dafür, dorthin zu gehen“, sagte Hahn mit 92 Jahren der VW-Mitarbeiterzeitung „Inside“.
Bei den Skoda- und Seat-Händlern war Carl Hahn beliebt, da er die beiden Fabrikate in den Konzern integriert, ihnen aber dennoch ihr Eigenleben gelassen hatte. Das Archivfoto zeigt Carl Hahn mit Skoda-Händlerpräsident Thomas Peckruhn auf dem Skoda-Verbandstag 2016. Im Hintergrund Moderatorin Inge Steiner.
(Bild: Grimm – »kfz-betrieb«)
Kritiker der Entscheidung bis in die Politik gab es reichlich, doch die Entwicklung gab ihm Recht: China entwickelte sich zum wichtigsten Einzelmarkt des Konzerns – und aus Volkswagen machte Hahn einen Weltkonzern. Konzernchef Oliver Blume nannte ihn einen „Visionär und eine großartige Persönlichkeit“. Am Samstag ist Hahn im Alter von 96 Jahren gestorben.
„Der Hahn versenkt 100 Millionen Dollar bei den Kommunisten“
Wer erinnert sich nicht an den ersten Santana, das kantige 80er-Jahre-Auto, das einst als eine Art Edel-Passat gedacht war? In Europa und vor allem Deutschland schlug das Konzept nicht unbedingt ein, dafür aber in China ab 1983. „Mit nur 5.000 verkauften Fahrzeugen hatten wir praktisch über Nacht schon im ersten Jahr einen Marktanteil von 27 Prozent“, erinnerte sich Hahn. Damit widerlegte der frühere VW-Chef seine Kritiker aus Wirtschaft und Politik: „Die hielten mich alle für verrückt.“ Ein früherer Chef eines deutschen Konzerns habe im Beisein von Bundeskanzler Helmut Kohl gesagt, „der Hahn“ versenke 100 Millionen Dollar bei den Kommunisten.
Zwar gibt es auch heutzutage Kritik am China-Engagement von VW – insbesondere wegen der Fabrik in der Uiguren-Region Xinjiang. Doch an der wirtschaftlichen Bedeutung des Landes für den Konzern gibt es keine Zweifel. Das Land in Fernost ist der wichtigste Markt für Volkswagen. Anfang 2019 erklärte Blumes Vorgänger, der damalige Konzernchef Herbert Diess, das China-Geschäft zur Chefsache. „Die Zukunft von Volkswagen wird sich auf dem chinesischen Markt entscheiden“, sagte Diess damals.
Bekenntnis in Sachen E-Mobilität
Dafür bekam Diess Applaus von einem seiner Vorgänger – Carl Hahn. Zwar habe VW dank des frühen Einstiegs eine hervorragende Position in dem Land, aber diese Position müsse man verteidigen: „Beim Thema Elektromobilität fahren die Chinesen der Welt voraus“, betonte er. Zu seinem 95. Geburtstag bekannte er, es sei im Nachhinein schwer zu verstehen, wieso die Vorteile der Elektromobilität so lange verkannt wurden. Immer wieder war den deutschen Autobauern vorgeworfen worden, die Elektromobilität verschlafen zu haben.
Blume bescheinigte Hahn, über vier Jahrzehnte bei Volkswagen die Weichen gestellt und die Grundlagen für den Erfolg gelegt zu haben. Als Vertriebsvorstand sei er „maßgeblich“ an der Gründung der Marke Audi beteiligt gewesen, als Vorstandschef habe er Volkswagen zum internationalen Mehrmarkenkonzern gemacht. „Strategischen Weitblick“ habe er mit dem Schritt nach China bewiesen.
Einstieg mit 28
Seine Karriere bei Volkswagen begann der 1926 in Chemnitz geborene Hahn 1954 als Leiter der Exportförderung. Von 1959 bis 1964 leitete er die amerikanische Sparte von VW. Zurück in Wolfsburg wurde er 1965 Vorstandsmitglied und Verkaufschef für den Konzern. Nach Differenzen um die Unabhängigkeit von Audi mit dem damaligen VW-Chef Rudolf Leiding kam es zum Bruch: Hahn verließ den Konzern und übernahm 1973 die Führung der damaligen Continental-Gummi-Werke AG in Hannover.
Ebenso überraschend wie er Wolfsburg verließ, kehrte er 1982 als VW-Vorstandschef zurück. Unter seiner Führung wurde VW zum größten Autokonzern Europas: Nach dem China-Einstieg 1982 folgte 1986 die Übernahme von Seat, 1989 nahm VW die Geschäfte in der ehemaligen DDR und in Osteuropa auf, und 1991 übernahm das Unternehmen den tschechischen Autobauer Skoda. 1992 übergab Hahn sein Amt an den später als „VW-Patriarch“ bekanntgewordenen Ferdinand Piëch. Bis 1997 gehörte Hahn dem VW-Aufsichtsrat an.
„Strategische Weitsicht und Gespür für Chancen“
Volkswagen-Betriebsratschefin Daniela Cavallo bezeichnete Hahn als „Ausnahmepersönlichkeit“, der Konzern habe ihm viel zu verdanken. „Denn in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender hat Carl Hahn mit seiner strategischen Weitsicht, seinem Gespür für Chancen und seinem unternehmerischen Mut Erfolgen den Weg geebnet, die unser Unternehmen bis heute prägen“, betonte sie.
Zu seinen Verdiensten zähle auch der frühe Einsatz in Sachsen. Der Oberbürgermeister von Chemnitz, Sven Schulze, würdigte ihn denn auch als „großartigen Unternehmer und Menschen, der seiner Geburtsstadt immer verbunden geblieben ist“. Der SPD-Politiker schrieb, Hahn habe dazu beigetragen, dass sich der Automobilstandort nach 1990 neu aufstellen konnte. Für seinen Einsatz erhielt Hahn 1994 die Ehrenbürgerschaft der Stadt.
Er traf sie alle
Auch nach seinem Ausscheiden aus dem VW-Konzern war Hahn, der verheiratet war und vier Kinder hatte, als Buchautor und Redner gefragt. In Wolfsburg, das ihm zur Heimat geworden war, saß Hahn im Kuratorium des Kunstmuseums, das er mit initiiert hatte. Dort hatte er ein Büro, in dem seine vielen Termine koordiniert wurden, die er auch als Rentner hatte. Zahlreiche Fotos in seinem Arbeitszimmer, nicht nur die seiner Familie, dokumentierten sein bewegtes Leben: der einstige Prinz Charles, Steffi Graf, Boris Jelzin – er traf sie alle.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.