50 Jahre Audi Fünfzylindermotor 1-2-4-5-3

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

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Bereits lange vor 3-2-1... begeisterte ein Ingolstädter Hersteller Konsumenten mit einer Zahlenkombinationen. Dabei war nicht nur die „krumme“ Zylinderzahl seiner Motoren etwas besonderes, sondern gerade auch deren Zündfolge. Dieser, den Motoren und ihren charakteristischen Sound widmet das Audi museum mobile jetzt eine Sonderausstellung.

Die Fünfzylindermotoren von Audi haben die jüngere Geschichte der Marke mit den vier Ringen stark mitgeprägt, ihre Zündfolge sorgt für den typischen sportlich-kernigen Sound. Audi Tradition feiert das Jubiläum des Kultmotors mit der neuen Sonderausstellung „1-2-4-5-3: 50 Jahre Audi Fünfzylindermotor“. (Bild:  Audi AG)
Die Fünfzylindermotoren von Audi haben die jüngere Geschichte der Marke mit den vier Ringen stark mitgeprägt, ihre Zündfolge sorgt für den typischen sportlich-kernigen Sound. Audi Tradition feiert das Jubiläum des Kultmotors mit der neuen Sonderausstellung „1-2-4-5-3: 50 Jahre Audi Fünfzylindermotor“.
(Bild: Audi AG)

Die Geschichte der Audi Fünfzylindermotoren begann August 1976 mit der Präsentation des Audi 100 der zweiten Generation. Er sollte gegenüber dem Vorgänger höher positioniert werden und so diskutierten die Audi-Ingenieure in der Entwicklungsphase den Einsatz von Fünfzylinder- und Sechszylinder-Reihenmotoren. Letztere schieden aufgrund des benötigten Bauraumes und der ungünstigen Gewichtsverteilung aus. Also setzten die Verantwortlichen auf den Fünfzylinder-Reihenmotor, ein zwar schon bekanntes, aber in der automobilen Großserie bis dahin kaum genutztes Antriebskonzept. Basierend auf dem 1972 erstmals im Audi 80 vorgestellten Vierzylinder-Reihenmotor (EA 827), der damals im gesamten Volkswagenkonzern zum Einsatz kommt, entstand so der Fünfzylinder-Ottomotor EA 828. Er verhalfdem Audi 100 der zweiten Generation zu einem Mehr an Leistung und Prestige und wurde – in verschiedenen Ausbaustufen – die nächsten Jahrzehnte Motorentechnologie bei Audi auf ganz besondere Weise prägen.

Vom Vierzylindermotor übernahmen die Ingenieure zahlreiche Konstruktionsmerkmale wie beispielsweise die obenliegende, über Zahnriemen angetriebene Nockenwelle, der Zylinderabstand von 88 Millimetern, den Zylinderdurchmesser sowie die Anordnung von Ventilen, Zündkerzen und Einspritzdüsen. Dahingegen erforderten die längere Kurbelwelle einen größeren Hauptlagerdurchmesser. Neben zahlreichen weiteren Änderungen gegenüber dem Ausgangsmotor vergrößerten sie auch den Hub auf 86,4 Millimeter. Der spezielle Klang des Fünfzylinders entsteht durch die ungerade Zylinderanzahl und die besondere Zündfolge 1-2-4-5-3. Dabei arbeiten abwechselnd direkt benachbarte und weit voneinander entfernte Zylinder in einem Zündabstand von 144 Grad Kurbelwellendrehwinkel. Diesen hatten die Entwickler zugunsten der bestmöglichen Laufruhe gewählt. Eine Einspritzanlage übernimmt beim leistungsstärksten Aggregat die Gemischaufbereitung. Der erste Audi Fünfzylindermotor mit 2.144 cm³ Hubraum im Audi 100 5E leistet 100 kW (136 PS). Er beschleunigt das Auto in 9,5 Sekunden auf 100 km/h und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h.

Es folgen Diesel und ein Turbo

Bereits 1978 präsentierte Audi die erste Fünfzylinder-Dieselversion: einen Saugdiesel mit zwei Litern Hubraum und 51 kW (70 PS). Ein Jahr später debütiert der erste Fünfzylinder-Benziner mit Turboaufladung im damaligen Topmodell, dem Audi 200 5T (125 kW / 170 PS). Da der Hubraum nicht wesentlich vergrößert werden konnte, war die Aufladung mittels Turbolader die einzige Möglichkeit, die Leistung des Motors deutlich anzuheben. Entscheidend für die Wahrnehmung des Fünfzylinders in der Öffentlichkeit wurde das Jahr 1980: Im März stellte die Marke mit den vier Ringen den Audi quattro auf der Messe in Genf vor. Sein turboaufgeladener Fünfzylinder leistet zum Verkaufsstart 147 kW (200 PS).

Das in Verbindung mit Ladeluftkühlung und dem permanenten Allradantrieb quattro starke Technik-Package ermöglichte es Audi, in den Folgejahren auch im Motorsport zahlreiche Erfolge einzufahren, darunter zwei Mal die Markenweltmeisterschaft und zwei Mal die Fahrerweltmeisterschaft im damals sehr populären Rallyesport – Titel, die das Image der Marke stärken und den „Mythos Fünfzylinder“ befeuern. Bei den Rallyeautos der späteren Gruppe B leistet die Endausbaustufe des potenten Aggregats – nunmehr in Verbindung mit Vierventiltechnik – deutlich mehr als 500 PS, im Audi IMSA GTO, der 1989 die amerikanische Tourenwagenszene aufmischte, sogar 530 kW (720 PS).

„Engine of the year“

Auch bei den Serienmodellen spendierte Audi dem beliebten Aggregat einige Leistungskuren: Im 1994 vorgestellten Avant RS2, der zum Ende der Bauzeit des Audi 80 (B4) erscheint, schöpft der Motor aus seinen nach wie vor überschaubaren 2,2 Litern Hubraum 232 kW (315 PS). Der Avant RS2 war seinerzeit der stärkste Serienkombi der Welt und begründete bei Audi die Tradition der RS-Hochleistungsmodelle. Fast parallel dazu verabschiedeten sich die Fünfzylinder mit Einführung des Audi A4 (B5) 1994 aus dem B-Segment. Die neuen V6-Motoren lösten sie Mitte der 90er-Jahre schrittweise ab. Die letzten Fünfzylinder der ursprünglichen Baureihe, der 2.5 TDI im Audi A6 und der 20V Turbo mit 2,2 Liter Hubraum im Audi S6 – ebenfalls ein Exponat in der neuen Sonderausstellung – liefen 1997 aus.

Für die Fans des Fünfzylinder-Sounds entstand so eine Wartezeit, bis die quattro GmbH im Jahr 2009 den Audi TT RS mit quer verbautem 2,5 Liter TFSI Motor – ein auf Basis des Konzernmotors EA 855 entwickeltes Hochleistungsaggregat mit verstärktem Motorblock und 250 kW (340 PS) Leistung – auf die Straßen schickte. In den RS-Modellen der A-Baureihe, seit 2016 verantwortet von der Audi Sport GmbH, belebte der beliebte Motor in verschiedenen Ausbaustufen in den Folgejahren den Fünfzylinder-Kult wieder und wird insgesamt neun Mal in Folge zum „engine of the year“ gekürt.

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