Bosch Scheibenwischer 100 Jahre „Gib Gummi“

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

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Bosch ist zwar nicht der Erfinder des Scheibenwischers, wohl aber des ersten „vernünftigen“ elektrischen Scheibenwischers. Nach dreijähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit erblickte er 1926 das Licht der Welt.

Gutes Produkt, gute Vermarktung: Bosch brachte den ersten mit vernünftigen Aufwand/Kosten zu realisierenden elektrischen Scheibenwischer auf den Markt.(Bild:  Bosch)
Gutes Produkt, gute Vermarktung: Bosch brachte den ersten mit vernünftigen Aufwand/Kosten zu realisierenden elektrischen Scheibenwischer auf den Markt.
(Bild: Bosch)

Sowohl Max Rall, Mitglied der Bosch-Geschäftsführung, als auch Chefkonstrukteur Hermann Steinhart, kannten die missliche Situation zur Genüge: Man war im Auto unterwegs, bei schönstem Wetter, doch dann zogen Regenwolken auf. Aus dem Schauer wurde Dauerregen und die Dämmerung setzte ein. Die Heimfahrt wurde zur Qual, weder die Straße noch sonst etwas ließ sich durch die Frontscheibe erkennen. Und so kamen die beiden Ende 1923 zum Entschluss, einen Scheibenwischer zu entwickeln. Vorbilder gab es bereits, aber...

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Die erste funktionstüchtige Scheibenwischanlage war 1903 in den USA patentiert worden. Ihre Erfinderin Mary Anderson hatte bei einem Besuch im winterlichen New York die Bemühungen eines Straßenbahnfahrers beobachtet, bei Eisregen klare Sicht zu behalten. Sie skizzierte daraufhin ein Gerät, das aus einem Hebel und einem schwingenden Arm mit Gummilippe bestand. Der Hebel konnte aus dem Fahrzeuginneren heraus bedient werden und ließ den Arm über die Scheibe hin- und her wischen. Neben verschiedenen handbetriebenen Vorrichtungen entstanden in den folgenden Jahren auch elektrisch oder durch Unterdruck im Ansaugtrakt des Motors betriebene Scheibenwischer – mit der Gemeinsamkeit, dass diese wenig zufriedenstellend arbeiteten.

Einfach, zuverlässig, kompakt

Mit dem Anspruch, einen einfachen, zuverlässig funktionierenden Scheibenwischer zu entwickeln, machten sich die Ingenieure bei Bosch 1923 ans Werk. Die Eckdatenwaren schnell festgelegt: Das fertige Produkt durfte nicht zu groß und zu schwer ausfallen, außerdem sollte es sich unkompliziertan allen möglichen Fahrzeugtypen anbringen lassen. Das Wischfeld sollte ausreichend groß sein und die Wischbewegung dabei möglichst geräuschlos und gleichmäßig ablaufen. Die Arbeiten begannen jedoch mit zwei besonderen Herausforderungen. Zuerst musste die richtige Gummisorte gefunden werden: Weiches Material erzielte zwar ein gutes Wischergebnis, wurde aber schnell brüchig. Robustere Sorten ließen sich nur mit hohem Kraftaufwand über die Scheibe bewegen und hätten die Antriebe viel zu massiv gemacht.

Als Nächstes galt es, das Problem des Wischdrucks zu lösen. Im Verlauf eines Wischzyklus‘ veränderte sich dieser stark, abhängig von der jeweiligen Position des Wischarms und der Beschaffenheit der Scheibe. Zum Ausgleich konstruierten die Ingenieure eine Spiralfeder, die den Wischhebel – mit dem Wischgummi in seiner Metallfassung – möglichst konstant an die Scheibe andrückte. Drei Jahre später war es soweit: Das 1926 vorgestellte Bosch-Produkt setzte allen Wetterwidrigkeiten und technischen Unzulänglichkeiten ein Ende. Der Scheibenwischer wurde von einem kleinen Elektromotor über die Autobatterie angetrieben und war damit unabhängig vom Motorlauf. Sein Stromverbrauch war aufs Äußerste beschränkt worden, so dass auch langen Regenfahrten nichts im Wege stand – die Leistung früher Lichtmaschinen reichte für kaum mehr als die Zünd- und Beleuchtungsanlage des Wagens. Für eine noch bessere Sicht ließ sich ein zweiter Wischhebel anbringen und damit auch die Beifahrerseite frei von Regen und Schnee halten.

Erfolgreiches Serienprodukt

Schnell wurde der elektrische Scheibenwischer zum Standard. Parallel zur kontinuierlich steigenden Zahl an Fahrzeugen wuchs auch die Nachfrage nach Wischermotoren und Wischblättern. In den 60er-Jahren baute Bosch die Wischerfertigung stark aus und investierte in die Weiterentwicklung der Produkte. Den Anfang hatte bereits 1959 der „Scheibenspüler“ gemacht. Die Waschvorrichtung mit Pumpe, die ein Spülmittel auf die Frontscheibe sprühte, ermöglichte ein schnelles Säubern der verschmutzten Scheibe während der Fahrt. Innovativ weiterentwickelt Für eine bessere Sicht sorgte auch der Scheibenwischer mit „Überdeckung“. Um die Panoramascheiben der 60er-Jahre großflächig wischen zu können, arbeiteten die Wischerblätter der neuen Anlagen mit Überdeckung: Der ungewischte Keil auf der Scheibenmitte rutschte dabei weit nach oben und vergrößerte das freie Sichtfeld. Damit sich die beiden Wischerarme nicht in die Quere kamen, wurden sie abwechselnd beschleunigt.

Intervallschalter, Heckscheibenwischer, Regensensor, neue Antriebstechniken und zahlreiche Weiterentwicklungen der Wischblätter folgten. Im „Twin“-Wischblatt wurden in den 90er-Jahren erstmals zwei unterschiedliche Gummisorten thermisch miteinander verbunden. Eine Wischlippe aus hartem Naturgummi leistete dauerhaft gute Wischarbeit. Der weiche Wischgummirücken aus Synthetik-Kautschuk erwies sich als besonders resistent gegen die Temperaturschwankungen von Sommer und Winter und ermöglichte einen ruhigen Lauf. Für eine gleichmäßigere Verteilung des Anpressdrucks sorgte ab 1999 das „Aerotwin“-Wischblatt, das erstmals ohne mehrteilige Metallgelenke auskam. Zwei vorgebogene Federschienen drücken das Wischgummi an die Scheibe. Dadurch lässt sich eine deutlich bessere Wischqualität erreichen und der flachere Aufbau reduziert die Windgeräusche. Bei den nachfolgenden Generationen wurde das Wischgummi mit einer zusätzlichen Beschichtung überzogen, die es widerstandsfähiger macht und noch einmal leichter über die Scheibe gleiten lässt.

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