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40 Jahre Audi Avant: Vorsprung durch Schrägheck

| Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Viel hatten sie sich bei Audi von ihrem ersten Audi 100 Avant im Jahr 1977 versprochen. Wirklich gezündet hat die Idee des schöneren Freizeit-Transporters aber erst im zweiten Anlauf, als die Ingolstädter einen kreativen Kombi-Cocktail mixten.

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Audi machte die Bezeichnung Avant für seine Kombis mit der Zeit ähnlich bekannt wie Quattro für Allradantrieb.
Audi machte die Bezeichnung Avant für seine Kombis mit der Zeit ähnlich bekannt wie Quattro für Allradantrieb.
(Bild: Audi)

Längst zählen sie zu den treffsichersten und schnellsten Stilikonen auf dem großen Feld der feinen Freizeit- und Firmentransporter. Die Audi-Kombis mit dem Namen Avant entwickelten sich in den vergangenen 40 Jahren zu Bestsellern in Millionenauflage, nicht zuletzt, weil sie zuerst das Segment der Lifestylelaster ins Laufen brachten und dann als sparsamste, schnellste oder stärkste Familienfrachter aller Zeiten Schlagzeilen machten.

„So geil kann Kombi sein“, solche Titel ernteten nicht Mercedes T-Modell, Volvo 850 Turbo oder BMW M5 Touring als erste, sondern die Audi A4 und A6 Avant Quattro, die obendrein Geschichte schrieben mit dem eingängigen Werbeslogan: „Schöne Kombis heißen Avant.“ Ein Kombi-Credo, das gut zwei Jahrzehnte nationale Bekanntheit genießt und vergessen macht, dass Audi anfangs ab 1977 auch Lifestyler mit Lade-Hemmung lancierte.

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Damals erinnerte der erste Audi 100 Avant (C2) mit fünftüriger Fließhecklinie eher an einen zu groß geratenen VW Passat als an einen praktischen Kombi. Von formaler Extravaganz keine Spur, nur der optionale Fünfzylinder-Benziner und der vom soeben verblichenen NSU Ro 80 geerbte Slogan „Vorsprung durch Technik“ verrieten, dass dieser Audi 100 kein Fahrzeug sein wollte für Fahrer mit Hut und gehäkelter Toilettenrollen-Hülle auf der Ablage. Sondern ein Automobil der Avantgarde, wie der Name Avant betonte.

Vielleicht liegt es daran, dass Audi die Bezeichnung Avant für Kombis irgendwann ähnlich bekannt machte wie Quattro für Allradantrieb. Jedenfalls wird das Unternehmen bis heute nicht müde, stolz den Ursprung des Namens Avant zu erklären. Demnach ist Avant dem italienischen Ausruf „avanti“ – „vorwärts“ entlehnt. Ähnliches gilt für das Französische, in dem „en avant“ so viel wie „vorwärts“ bedeutet. An die stilvoll-eleganten Kleider romanischer Karossiers konnte der Audi 100 Avant vor 40 Jahren allerdings noch nicht anknüpfen.

Dabei waren die Audi-Absatzstrategen durchaus mutig als sie statt eines klassischen Kombikonzepts – das nur als Prototyp realisiert worden war – ein fünftüriges Fließheck favorisierten. Eine Karosserieform mit der Audi dem kühnen Rover 3500 SD1 und dem Renault 20/30 Contra geben wollte. Am Ende fiel sie jedoch für wirklich avantgardistische Fastbackfans zu verwechselbar aus, war zu klein für Kombikäufer und zu schräg für brave Bürger. Keine 50.000 Kunden entschieden sich für den ersten Audi Avant, dessen Kofferraum lediglich 433 bis 1.113 Liter Volumen bot.

Durchbruch mit dem zweiten Aufschlag

„Der neue große Audi 100. Unser schönstes Stück Technik“, texteten die Ingolstädter in großformatigen Anzeigen zum Marktstart ihres Flaggschiffs Mitte der 1970er. Schließlich setzten die Modelle mit den weltweit ersten Fünfzylinder-Benzinern und -Selbstzündern Meilensteine im Motorenbau – und wollten sich so auch mit Mercedes messen. Dort war gerade das T-Modell präsentiert worden, ein Lifestylekombi, auf den der Audi 100 Avant erst in zweiter Generation eine Antwort fand. Gefiel der 1983 lancierte Audi 100 Avant (C3) doch durch eine gleichermaßen elegante wie geräumige Verpackung, die es sogar als luxuriöseren Audi 200 Avant (C3) gab.

Die neue Generation der Ringträger beeindruckte durch ein großzügig verglastes Heck, das entfernt an Shooting Brakes von Aston Martin oder den Volvo 1800 ES „Schneewittchensarg“ erinnerte und das Mercedes T-Modell oder die Volvo 740/760 Kombi betagt und betulich wirken ließ. Ausgerechnet die streng tempolimitierten Schweden und Briten bezeichneten den 162 kW/220 PS freisetzenden und 240 km/h schnellen Audi 200 Avant 20V denn auch als Ferrari für Familien.

Zwar kauften Kunden überwiegend den preiswerteren 100 Avant, Kultstatus errang die Avant-Familie aber durch die Faszination des Über-Avant mit Quattro-Allradantrieb, Fünfzylinder-Turbo und Vierventil-Technik. Zu weit seiner Zeit voraus fuhr dagegen der Audi Duo, eine Hybridversion des 100 Avant, die Audi auf der IAA 1989 vorstellte. Auch ein zweiter Audi Duo schlug 1996 nicht ein, obwohl er diesmal auf dem kleineren A4 Avant basierte und als erstes Hybridauto noch vor dem Toyota Prius in den Handel kam.

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