Jubiläum 75 Jahre Kraftfahrt-Bundesamt

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Seit seiner Gründung hat eine der bekanntesten Bundesbehörden eine beachtliche Entwicklung erlebt. Ihre zentrale Aufgabe ist die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Eine Aufgabe, der sie nicht immer im geforderten Rahmen gerecht wurde und wird.

Vor 75 Jahren wurde das KBA ins Leben gerufen. Vor 74 Jahren bezog die Behörde Quartier in Flensburg.(Bild:  KBA)
Vor 75 Jahren wurde das KBA ins Leben gerufen. Vor 74 Jahren bezog die Behörde Quartier in Flensburg.
(Bild: KBA)

Mit den Worten „Unter den europäischen Register- und Typgenehmigungsbehörden gehört das Kraftfahrt-Bundesamt zu den renommiertesten und genießt international höchstes Ansehen ... Gemeinsam werden wir auch in Zukunft weitere Meilensteine erreichen. Ein aktuell bevorstehendes Projekt ist 'i-Kfz-Bund', die Zentralisierung die internetbasierte Fahrzeugzulassung. Sie wird mehr als 400 Zulassungsbehörden vor Ort entlasten“, gratulierte der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger dem KBA zum 75-jährigen Bestehen und schnitt ein Thema (i-Kfz) an, für das Zulassungsdienste und das Kfz-Gewerbe bislang seit Jahren im besten Fall ein Kopfschütteln übrig haben. Doch statt voraus, hier erst einmal der Blick zurück.

1951 wurde das Kraftfahrt-Bundesamt als Bundesoberbehörde für den Straßenverkehr errichtet. Mit seiner Errichtung bündelte Vater Statt die Aufgaben dreier Vorgängerbehörden: Die 1910 gegründete Sammelstelle über Nachrichten von Kraftfahrzeugführern, die als Vorgänger des Zentralen Fahrzeugregisters gilt, die Sammelstelle der Nachrichten über Führer von Kraftfahrzeugen von 1934, die als Vorgänger des Fahreignungsregisters ihren Anfang nahm und die Reichsstelle für Typprüfung die 1937 ihr Arbeit aufgenommen hatte. Mit dem Gesetz über die Errichtung eines Kraftfahrt-Bundesamtes vom 4. August 1951 richtete der Bund eine für alle drei Aufgaben zuständige Behörde ein.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 9 Bildern

Die Verkehrssicherheit als zentrale Aufgabe

Im Jahr der Errichtung des KBA gab es in Deutschland 2,5 Millionen Kraftfahrzeuge. Anfang der 70er-Jahre war der Fahrzeugbestand mit rund 17 Millionen bereits sieben mal so groß. Aber auch die Zahl der im Verkehr getöteten Personen war deutlich angestiegen. Bis zum Jahre der Einführung des Punktesystems 1974 stieg diese Zahl auf über 21.000 an. Das Punktesystem und die deutlich verbesserte Sicherheit der Fahrzeuge zeigten Wirkung. Die Zahl der Verkehrsopfer sank seither deutlich: Im Jahr 2025, bei einem Kfz-Bestand von über 61 Millionen kamen in Deutschland 2.814 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben.

„Industriefreundliche Grüße“

Zentrale Aufgabe des KBA ist wie gesagt die Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Verkehrssicherheit. Diese Aufgabe gliedert sich in zwei Themenfelder. Erstens Produkte zu genehmigen, die sicher sind und zweitens Mängel im Straßenverkehr zu erkennen und für deren Abschaffung zu sorgen. Dies gelang dem KBA in den vergangenen Jahrzehnten zwar prinzipiell gut, doch gab es auch immer wieder Fälle, in denen die Behörde, sagen wir, sehr industriefreundlich agierte. Bestes Beispiel ist der Diesel-Skandal, der als Volkswagen-Abgasskanal seinen Lauf nahm. Statt wichtige umwelt- und zulassungsrelevante Gutachten selbst zu verifizieren, vertraute das Amt über Jahrzehnte blind dem, was Fahrzeughersteller ihm vorlegten. Erst in Folge besagten Skandals rüstete sich das KBA mit entsprechendem Prüfequipment aus. Und über Jahre verzögerte es nicht nur aus Sicht von Umweltverbänden die konsequente Umrüstung bzw. das Aus-dem-Verkehrziehen manipulierter Dieselfahrzeuge, allen voran deutscher Hersteller. Es ging Hinweisen zu Manipulationen nicht nach und erschwerte im Nachgang eine Aufarbeitung des Falls, legte Akten nicht offen und usw. Seinerzeit vom KBA genehmigte Software-Updates für Dieselsteuergeräte erklärte ein Gericht erst im vergangenen Herbst für rechtswidrig.

Und auch bei einem weiteren, ganz aktuellen Skandal wird das KBA seiner Aufgabe nur bedingt gerecht – Stichwort Takata. Genau die weltweit millionenfach verbauten Airbags eines ehemaligen japanischen Herstellers, die immer wieder Menschen statt zu retten verletzten und sogar töten. Und auch hier fällt mit Blick auf die Bundesbehörde der Name Volkswagen, und auch hier im Negativen. Obwohl die Flensburger die Halter entsprechender Fahrzeuge vor den Gefahren dieser Airbags warnen, tun sie kaum bis nichts dagegen, dass Volkswagen eine rasche Umrüstung auf Kosten der Gesundheit seiner Kunden verschleppt. Erst vor wenigen Wochen hat die ARD hierzu eine sehenswerte Reportage gebracht.

Weichen für die Zukunft gestellt

Im Rahmen seines 75-jährigen Bestehens hat das KBA seine Ziele und Strategien für die kommenden Jahre definiert. Ein Schwerpunkt für die Zukunft ist die digitale Transformation, außerdem die Beteiligung an nationalen und internationalen Arbeitsgruppen zur Entwicklung der Grundlagen sicherer Fahrerassistenzsysteme und autonomer Fahrzeuge. Ferner die Förderung der Fahrzeugsicherheit sowie eines sicheren Verkehrsverhaltens und die Unterstützung von Forschungsprojekten zu neuen Sicherheitstechnologien. Zudem möchte das KBA seine internationale Zusammenarbeit ausbauen, um globale Herausforderungen der Verkehrs- und Fahrzeugsicherheit zu meistern.

Bereits heute stellt das Amt Millionen Daten über Fahrzeuge und Verkehrsteilnehmer in den Zentralregistern tagtäglich, rund um die Uhr, zu Auskunftszwecken bereit. Digitale Services für unterschiedliche Nutzergruppen schaffen Zugänge zu den Dienstleistungen des KBA und ermöglichen die Erstellung von Statistiken über Kraftfahrzeuge, Kraftfahrer und den Güterverkehr für Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:50921424)