Aston Martin Rapide: Familien-Sportgerät

Autor / Redakteur: Benjamin Bessinger/SP-X / Jens Rehberg

Nachdem eine Ausfahrt in den Sportwagen der Briten bislang nur Singles mit schlankem Fuß und dicker Brieftasche vorbehalten war, können jetzt auch Kind und Kegel mit auf die Reise gehen.

Aston Martin zeigt ein Herz für Besserverdiener mit Familienanschluss. Nachdem eine Ausfahrt in den Sportwagen der Briten bislang nur Singles mit schlankem Fuß und dicker Brieftasche oder gut situierten Paaren vorbehalten war, können jetzt auch Kind und Kegel mit auf die Reise und die Rundstrecke gehen. Denn vier Jahre nach dem Debüt der Studie kommt Ende März zu Preisen ab exakt 180.000 Euro der Rapide in den Handel. Ähnlich gedacht, aber ganz anders gemacht als der Porsche Panamera will er nicht weniger als der „schönste und beste Sportwagen mit vier Türen“ sein.

Dass die Entwicklung so lange gedauert hat, liegt an den jüngsten Kapiteln der Firmenchronik. „Erst mussten wir uns aus dem Ford-Konzern lösen“, sagt Aston-Martin Ulrich Bez, „sonst hätten wir so ein Konzept nie umsetzen können“. Doch sobald am Golf die neuen Shareholder für den jetzt „kleinsten und feinsten eigenständigen Autohersteller der Welt“ gefunden waren, gab es grünes Licht für den Rapide. Das zweite Problem war die Produktion. Weil daheim in Gaydon kein Platz mehr war für den Viertürer, hat Aston Martin letztlich Magna Steyr in Graz mit der Fertigung betraut. Die Österreicher montieren nun in jeweils rund 220 Stunden rund 2.000 Rapide im Jahr.

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Kaufen sollen ihn all jene Auto-Aficionados, die im höheren Alter gerne auch mal die Enkel mit in den Club nehmen und keine Lust mehr auf das Genörgel ihrer Frau haben. „Denn oft genug macht sie dem Mann einen Strich durch die Rechnung, weil ihr der Platz fehlt“, hat Bez beobachtet und ist froh, dass seine Auserwählte in seinen zehn Aston-Martin-Jahren eng zu packen gelernt hat.

Doch nun können Frau Bez und all die anderen Damen zwischen Grand-Hotel und Jet-Set endlich wieder mehr als das kleine Schwarze mitnehmen: Schließlich hat der Rapide nicht nur vier Türen und zwei weitere Schalensitze im Fond, sondern auch einen Kofferraum von gut 300 Litern, den man im Zweifelsfall auf 750 Liter erweitern kann – genug Platz also für die Abendgarderobe.

Zwei selbstbewusste Türen hinten

Einer klaren Form und einer schönen Silhouette verpflichtet, hat Designchef Marek Reichman beim „schönsten Viertürer der Welt“ auf die üblichen Gimicks zur Tarnung der hinteren Türen verzichtet. Deshalb gibt es weder einen gegenläufigen Anschlag noch versteckte Griffe, sondern einfach zwei etwas kleinere aber ganz selbstbewusste Türen, die sich vorn wie hinten um fast 90 Grad öffnen und dabei leicht im Lambo-Style nach oben schwingen.

Weil das Design allerdings auch sonst keine Kompromisse machen wollte, um die sportliche Skulptur zu gefährden, sind die beiden Plätze im Fond nur ein besseres Alibi: Allenfalls die Enkelkinder werden sich dort auch auf längeren Strecken wohl fühlen, zumal auf Wunsch der aktuelle Bond-Film über ihre persönlichen Video-Monitore flimmert. Doch für Erwachsene taugen die Sportsessel gerade mal als Notsitz, weil sie weniger Bewegungsfreiheit bieten als ein Mittelplatz in den Clippern von Air Berlin.

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