Im krassen Gegensatz zu den beengten Verhältnissen im Fond steht die Liebe zum Detail, mit der Reichmanns Team den Wagen ausgestattet hat: Ein Zündschlüssel wie aus Bleikristall, sorgsam vernähtes Leder, feine Hölzer, blankes Aluminium und Kleinigkeiten wie die magnetischen Haltegriffe im Fond - das hat schon fast Rolls-Royce-Qualitäten.
Auch mit vier Türen und vier Sitzen will der Rapide allerdings in erste Linie ein Sportwagen sein. Die üblichen Assistenzsysteme der Kilometerfresser wie einen Tempomat mit Abstandsregelung, adaptives Licht oder gar Kameras für Spurführung und Totwinkelüberwachung hält Bez deshalb trotz des gehobenen Langstreckenkomforts verzichtbar. Statt dessen setzt er vor allem auf kultivierte Kraft. In deren Zentrum steht der sechs Liter große Zwölfzylinder aus dem Sportwagen DBS, der tief vorne unter der langen Haube liegt und seine Kraft über eine fein dosiert agierende Sechsgang-Automatik an der Hinterachse auf die Straße bringt. Schon ein Schatten auf dem Gaspedal reicht aus, um dem Motor ein tiefes Grollen zu entlocken. Dann machen 350 kW/477 PS und 600 Nm dem Namen des Rapide alle Ehre, katapultieren den Viertürer binnen 5,2 Sekunden auf Tempo 100 und machen ihn mit rund 300 km/h buchstäblich zu einem flotten Vierer.
Stolze Dimensionen fordern Tribut
Obwohl der Rapide trotz seiner Aluminium-Struktur runde zwei Tonnen wiegt und mit 5,02 Metern nicht eben zierlich ist, wiederholen die Briten gebetsmühlenartig, dass ihr größter Wurf auch ein aggressiver Sportwagen sei - und laden deshalb zur ersten Testfahrt gleich ins tiefste Gebirge ein. Dort macht der Rapide seine Sache ausgesprochen gut, bewahrt lange die Bodenhaftung, schneidet scharf durch die Kurven und gibt überzeugend den schnellen Sprinter – doch auch das beste Fahrwerk, die präziseste Lenkung und die kräftigsten Bremsen können nicht über die stolzen Dimensionen hinweg täuschen.
Oder doch? Firmenchef Bez zumindest lässt sich in seinem Urteil nicht beirren und bittet Zweifler deshalb Mitte Mai in die Eifel: Dort startet der Rapide dann sogar beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.
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