China: Das Ende des Autopiloten

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Händler geben Rabatte über 25 Prozent

Leiden deutsche Marken besonders darunter?

Nein, sie reagieren nur wesentlich schneller auf den schwachen Markt. Die anderen Hersteller werden ihr Zögern mit höheren Lagern sowohl bei sich als auch bei den Händlern bezahlen. Für viele Händler geht es in China bereits jetzt ums Überleben. Da die Händler nunmehr die Möglichkeit haben, relativ schnell die Marke zu wechseln, werden wir eine chaotische Restrukturierung der Händlernetze erleben.

Wie sieht es mit den heimischen Herstellern aus?

Die Lagerhaltung der chinesischen Hersteller ist wesentlich höher. Auch ihren vermeintlichen Erfolg mit SUVs sehen wir nicht. Sie haben zwar mehr SUVs produziert, allerdings stehen diese bei deren Händlern auf Halde und haben noch keinen Absatz gefunden.

Trifft die rückläufige Nachfrage alle Modelle oder nur bestimmte Segmente?

Es scheint so, dass SUVs weniger betroffen sind. Dies stimmt aber nur, wenn man die Verkäufe an die Händler betrachtet. Bei Analyse der Zulassungen ergibt sich eher das Bild, dass alle Segmente gleich stark betroffen sind.

Wie hoch sind die gewährten Rabatte?

Wir bewegen uns derzeit im Schnitt bei zehn Prozent, mit steigender Tendenz. Bei einigen Importmodellen liegen die Rabatte bei über 25 Prozent.

Welche Marken geben so hohe Nachlässe?

Insbesondere Land Rover ist davon betroffen, aber auch weniger attraktive Modelle der deutschen Premiummarken.

Mit welcher weiteren Entwicklung des Automobilmarktes rechnen Sie?

Die Gefahr einer tiefgreifenden Finanzkrise, die unter anderem vom internationalen Währungsfond gesehen wurde, sehen wir derzeit nicht mehr so stark, da der Staat sich von massiven Investitionsprogrammen zurückhält. Die Umstrukturierung der Wirtschaft erfolgt allerdings nicht in großen, sondern in kleinen Schritten und wird sich unserer Einschätzung nach über viele Jahre hinziehen. Der chinesische Automobilmarkt landet in der Realität.

Was folgt daraus?

Die Margen werden nicht mehr so hoch sein. Die Segmentierung wird sich ändern – weniger Premium, mehr Fahrzeuge im mittleren Preissegment. Die Hersteller werden ihre Programmplanungen überarbeiten. Kurzfristig wird es bei einigen Programmen zu Produktionskürzungen kommen. Diese sehen wir bereits heute. Dies bedeutet aber nicht, dass es kein Wachstum mehr geben wird. Der Markt wird allerdings wesentlich volatiler und die Zeiten des Autopiloten in der Programmplanung sind vorbei. Jetzt müssen erfahrene Piloten ans Steuer.

Nicole Steiger ist für den deutschen Standort der Unternehmensberatung JSC Automotive verantwortlich. Das auf die chinesische Automobilindustrie spezialisierte Unternehmen hat zudem einen Sitz in Shanghai.

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